Perspektive Zukunft: Strategien zur Verringerung von Ungleichheit
Der Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“ der Universität Konstanz hat nach der Bewilligung einer zweiten Förderphase seine Forschungsrichtung angepasst. Im Mittelpunkt steht nun die Untersuchung der politischen Rahmenbedingungen, unter denen Ungleichheit effektiv reduziert werden kann. Die aktuelle Ausgabe des frei zugänglichen In_equality magazins präsentiert diese erweiterte Forschungsagenda und stellt neue Projekte des Clusters vor.
Zentrale Erkenntnisse und Forschungsfragen
Eine wesentliche Erkenntnis aus den ersten sieben Jahren des Clusters ist, dass Ungleichheit häufig eine sich selbst verstärkende Wirkung entfaltet. So kann die Unterschätzung von Ungleichheit die politische Unterstützung für Gegenmaßnahmen verringern. Zudem beeinflusst ein niedriger Bildungsstand die politische Partizipation negativ, während politische Entscheidungen bestehende Ungleichheiten oftmals weiter zementieren.
In der aktuellen Förderphase richtet sich der Fokus stärker auf Mechanismen, die Ungleichheit mindern können. Dabei werden folgende Fragen untersucht:
- Wann wird Ungleichheit als ungerecht empfunden?
- Unter welchen Bedingungen führt diese Wahrnehmung zu politischer Mobilisierung gegen Ungleichheit?
- Welche politischen Maßnahmen tragen tatsächlich zur Reduktion struktureller Ungleichheiten bei?
Marius R. Busemeyer, Sprecher des Clusters, betont im In_equality magazin: „Die Verringerung von Ungleichheit ist kein automatischer Prozess, sondern hängt maßgeblich von politischen Faktoren ab.“ Die zentrale Fragestellung der zweiten Förderphase lautet daher, wie der Kreislauf sich selbst verstärkender Ungleichheit durchbrochen und in eine abnehmende Dynamik überführt werden kann.
Neue Forschungsprojekte im Überblick
- ReJust – Rectification for International Historical Injustice: Aurélia Bardon untersucht, welche Formen staatlicher Wiedergutmachung für historische Ungerechtigkeiten wie Kolonialismus, Genozide oder geraubte Kulturgüter politisch und moralisch vertretbar sind.
- WorkDNAge: Florian Kunze und sein Team analysieren, wie Beruf, Arbeitsbelastung und soziale Ungleichheit biologische Alterungsprozesse beeinflussen und welche Implikationen sich daraus für Arbeitnehmer, Unternehmen und politische Entscheidungsträger in einer alternden Gesellschaft ergeben.
- Ungleichheit in Partnerschaften: Vera Schweitzer erforscht am Beispiel von Dual-Career-Paaren, wie Ungleichheit nicht nur durch gesellschaftliche Strukturen, sondern auch durch alltägliche Entscheidungen im Haushalt reproduziert oder verhindert werden kann.
Das In_equality magazin Nr. 9 ist frei verfügbar und bietet detaillierte Einblicke in diese und weitere Themen: https://kops.uni-konstanz.de/entities/publication/0f8b4539-fae7-414e-8e10-f8a8a0078b96
Weitere Inhalte der Ausgabe
- Ein Interview mit Anke Hoeffler über den Zusammenhang von Gewalt, Konflikten und Ungleichheit.
- Chancen und Risiken des Einsatzes Künstlicher Intelligenz in der sozialwissenschaftlichen Forschung.
- Dialoge zur wissenschaftlichen Infrastruktur mit Partnern aus Sri Lanka und Pakistan.
- Die politische Bedeutung bewussten Konsums am Beispiel des Einkaufsverhaltens.
- Ein Gespräch mit Steffen Mau zum In_equality Research Award.
Fakten zur Publikation und zum Exzellenzcluster
- Originalpublikation: Perspektive Zukunft. In_equality magazin Nr. 9, Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“, Universität Konstanz. Link zur Publikation
- Das Magazin dient der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen des Clusters und steht nach Absprache mit der Redaktion für den Nachdruck frei zur Verfügung.
- Der Exzellenzcluster untersucht interdisziplinär politische Ursachen und Auswirkungen von Ungleichheit, mit Fokus auf Themen wie Ressourcenverteilung, Populismus, Klimawandel und Bildungschancen.




















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