Auswirkungen hoher Temperaturen auf Passantenfrequenz und Konsumverhalten in der Zürcher Innenstadt
Ab einer Temperatur von 30 °C verringert sich die Anzahl der Passanten auf der Zürcher Bahnhofstrasse mit jedem weiteren Grad um bis zu 1200 Personen. Trotz dieses Rückgangs bleiben die Ausgaben im stationären Handel im Kanton Zürich weitgehend stabil. Diese Erkenntnisse sind im GDI-Whitepaper „Hotspot Innenstadt“ zusammengefasst.
Reduzierte Passantenfrequenz während heißer Nachmittage
An Tagen mit Höchsttemperaturen von 33 °C fehlen auf der wichtigsten Schweizer Einkaufsstraße nahezu zehn Prozent der üblichen Passanten. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt in den Nachmittagsstunden zwischen 12 und 19 Uhr, wenn bei Temperaturen über 30 °C zwischen 1320 und 2560 Personen weniger unterwegs sind. Nach 20 Uhr kehrt sich dieser Trend um, allerdings sind die Geschäfte zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen. Diese Verschiebung im Tagesverlauf stellt für den stationären Handel eine neue Herausforderung dar.
Hitze beeinflusst nicht nur die Entscheidung, ob Menschen die Innenstadt aufsuchen, sondern auch die Tageszeit ihres Aufenthalts sowie die Wahl der Wege und Straßenseiten. Gianluca Scheidegger, Senior Researcher und Autor des Whitepapers, beschreibt Hitze als eine „synchronisierende Kraft“, die trotz zunehmender Heterogenität im Konsumverhalten zu ähnlichen Verhaltensanpassungen bei vielen Menschen führt.
Konsumverlagerung trotz stabiler Ausgaben
Obwohl sich das Verhalten der Passanten ändert, bleiben die elektronischen Ausgaben im stationären Handel des Kantons Zürich auch bei hohen Temperaturen relativ konstant. Dies deutet darauf hin, dass die Ausgaben an heißen Tagen nicht ausbleiben, sondern sich räumlich verlagern – weg von stark exponierten Einkaufsstraßen hin zu schattigen und klimatisierten Bereichen.
Während die stationären Umsätze stabil bleiben, zeigen schweizweite E-Commerce-Daten einen Anstieg der Ausgaben im Bereich Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren um etwa 1,4 Prozent pro Grad über 30 °C. Scheidegger fasst zusammen: „Hitze bremst den Konsum nicht, sondern verschiebt ihn – zeitlich in kühlere Abendstunden, räumlich in schattige und klimatisierte Zonen sowie digital in den Onlinehandel.“
Anpassungsbedarf für Handel und Stadtplanung
Europäische Innenstädte zeichnen sich durch belebte Straßen, Plätze und eine vielfältige Nutzung aus. Eine Verlagerung des öffentlichen Lebens in klimatisierte Innenräume, wie sie in einigen Regionen der Welt üblich ist, erscheint in der Schweiz wenig realistisch. Stattdessen sind Maßnahmen wie Schattenspender, Begrünung und weitere klimatische Anpassungen in der Stadtplanung entscheidend, um die Aufenthaltsqualität zu erhalten.
Gleichzeitig muss der Handel seine Strategien an die veränderten Tagesrhythmen anpassen. Die Frage, ob die aktuellen Öffnungszeiten noch den Bedürfnissen der Kunden in einem wärmeren Stadtklima entsprechen, gewinnt an Bedeutung. Johannes C. Bauer, Leiter des Think Tanks am Gottlieb Duttweiler Institut, verweist darauf, dass Innenstädte von mediterranen Städten lernen können, wie man mit Hitze umgeht.
Weiterführende Informationen und Kontakt
Das Whitepaper „Hotspot Innenstadt: Wenn unsere Einkaufsstraßen zu heiß werden“ ist kostenfrei unter https://gdi.ch/hitze verfügbar.
Für Rückfragen steht Senior Researcher und Autor Gianluca Scheidegger zur Verfügung.
Medienkontakt
- Evelyn Reusser
- Senior Communications Manager
- GDI Gottlieb Duttweiler Institute, Rüschlikon
- Telefon: +41 44 724 62 05
- E-Mail: medien@gdi.ch



















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