Frauenfußball: Investitionen mit hoher Effizienz
Eine Untersuchung der HHL Leipzig Graduate School of Management zeigt, dass im Frauenfußball jeder investierte Euro im Durchschnitt einen 106-fach höheren sportlichen Erfolg erzielt als im Männerfußball. Die Studie analysierte 100 Mannschaften aus sechs europäischen Top-Ligen und kam zu dem Ergebnis, dass in allen 29 untersuchten Vereinen mit Frauen- und Männerteams die Frauenmannschaften effizienter wirtschaften. Zudem konnte festgestellt werden, dass der Kaderwert ein starker Indikator für sportlichen Erfolg ist und bis zu 85 % der Punkteunterschiede zwischen den Teams erklärt. Für Investoren bedeutet dies, dass der Frauenfußball durch geringe Investitionen hohe sportliche Erträge ermöglicht.
Methodik der Effizienzanalyse
Die Studie verglich den Kaderwert der Mannschaften vor Saisonbeginn mit den am Saisonende erzielten Punkten und berechnete daraus eine Effizienzkennzahl, die Punkte pro investierter Million Euro Kaderwert darstellt.
Kaderwert als Erfolgsfaktor
In allen sechs untersuchten Ligen korreliert der Kaderwert signifikant mit dem sportlichen Erfolg. Dieser erklärt zwischen 45 % und 85 % der Punkteunterschiede, wobei der Zusammenhang in den Frauenligen mit 75 bis 85 % stärker ausgeprägt ist als bei den Männern. Die geringste Korrelation wurde in der Premier League der Herren festgestellt, wo der Kaderwert lediglich 45 % der Unterschiede erklärt. Die Studie interpretiert dies dahingehend, dass bei hohen Budgets aller Klubs der Kaderwert allein nicht mehr als Differenzierungsmerkmal dient.
Effizienzspitzenreiter je Liga
- Frauen-Bundesliga: 1. FC Köln
- Herren-Bundesliga: Hamburger SV
- Women’s Super League: Brighton & Hove Albion
- Premier League: Sunderland AFC
- Liga F (Spanien): Granada CF
- La Liga: FC Elche
Bemerkenswert ist, dass die Frauenmannschaft des Hamburger SV lediglich den 12. Platz von 14 belegt, was darauf hinweist, dass Frauen- und Männerteams innerhalb eines Vereins unabhängig voneinander wirtschaften.
Überlegene Kapitalrendite im Frauenfußball
In sämtlichen 29 Klubs mit Frauen- und Männerteams erzielt das Frauenteam pro investiertem Euro mehr Punkte als das Männerteam – im Durchschnitt um den Faktor 106. Die Bandbreite reicht von einem Faktor 13 bei Levante UD bis zu 225 bei Tottenham Hotspur. Auch bei Real Madrid zeigt sich dieses Muster: Während das Männerteam eines der höchsten Kaderwerte weltweit aufweist, operiert das Frauenteam mit einem deutlich geringeren Budget und erzielt dennoch den 140-fachen sportlichen Ertrag pro investiertem Euro. Selbst das ineffizienteste Frauenteam erzielt mehr Punkte pro Million Euro als das effizienteste Männerteam der Studie.
Implikationen für Investoren
Die 15 umsatzstärksten Frauenteams weltweit generieren zusammen weniger als ein Siebtel des Umsatzes von Real Madrid allein. Daraus ergibt sich für Investoren ein Markt mit niedrigen Einstiegskosten und einer nachvollziehbaren Kapitalverwertung. Prof. Dr. Henning Zülch, Lehrstuhlinhaber für Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung und Kapitalmarktkommunikation an der HHL, betont, dass sportlicher Erfolg im Frauenfußball deutlich weniger kapitalintensiv ist als im Männerfußball. Investitionen in Frauenkader bieten derzeit einen Wettbewerbsvorteil, der sich mit zunehmender Kapitalausstattung der Klubs verringert. Die Premier League illustriert diesen Trend, da dort hohe Ausgaben keine klare Differenzierung mehr ermöglichen.
Hintergrund der Studie
Die Untersuchung umfasst die erste Frauen- und Männerliga in Deutschland, England und Spanien der Saison 2025/26 mit insgesamt 42 Frauen- und 58 Männerteams. Für jedes Team wurden der Kaderwert vor Saisonbeginn sowie die am Saisonende erreichten Punkte erfasst. Die Kaderwerte stammen aus den Datenbanken Transfermarkt und Soccerdonna. Die Effizienzkennzahl wurde als Verhältnis von Punkten zu Kaderwert in Millionen Euro berechnet. 29 Vereine mit Teams in beiden Geschlechterligen ermöglichten einen direkten Vergleich auf Vereinsebene. Ergänzend wurden Umsatz- und Strukturdaten aus der Deloitte Football Money League 2026 berücksichtigt.
Informationen zur HHL Leipzig Graduate School of Management
Die HHL ist eine universitäre Business School mit Promotions- und Habilitationsrecht und zählt laut Financial Times zu den führenden internationalen Managementhochschulen. Sie zeichnet sich durch exzellente Lehre, forschungsorientierte Ansätze und praxisnahen Wissenstransfer aus. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat die HHL 2025 zum siebten Mal in Folge als führende Gründerhochschule Deutschlands ausgezeichnet. Über 530 Unternehmensgründungen mit mehr als 30.000 Beschäftigten sind aus der Hochschule hervorgegangen. Die HHL ist die erste deutsche private Business School mit der renommierten AACSB-Akkreditierung, die sie bereits fünfmal erfolgreich erneuert hat. Weitere Informationen finden sich unter https://www.hhl.de/de/die-hhl/.
Originalpublikation:
Football Fact Sheet Effizienz-Meister 2026 (PDF)




















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