Zukunftsorientierung im Bundeshaushalt 2026 erreicht neuen Tiefststand im Kernhaushalt
Der Bundeshaushalt 2027 wurde kürzlich im Bundestag vorgestellt. Im Fokus steht dabei die Frage, wie stark in zukunftsrelevante Bereiche investiert wird. Eine aktuelle Analyse von ZEW Mannheim und WWF Deutschland zur Zukunftsquote im Bundeshaushalt 2026 liefert hierzu wesentliche Erkenntnisse. Demnach erreichten die Ausgaben für Zukunftsthemen im Haushalt 2026 mit 140,2 Milliarden Euro einen historischen Höchstwert.
Verteilung der Zukunftsausgaben zwischen Kernhaushalt und Sondervermögen
Der Anstieg der Zukunftsausgaben resultiert jedoch überwiegend aus Mitteln der Sondervermögen, während der Anteil der Zukunftsausgaben im regulären Kernhaushalt auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2018 gesunken ist. Im Jahr 2026 wird bereits jeder fünfte Euro für Zukunftsausgaben aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität finanziert. Insgesamt stammen etwa 40 Prozent der Zukunftsausgaben des Bundes aus zeitlich begrenzten Sondervermögen, die eine höhere Zukunftsorientierung aufweisen als der Kernhaushalt.
Bewertung der Zukunftsquote und Herausforderungen
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW, betont: „Obwohl zusätzliche finanzielle Spielräume genutzt werden, fällt die Zukunftsorientierung im Kernhaushalt auf einen Tiefststand. Die Zukunftsausgaben des Bundes basieren somit auf einer instabilen Grundlage. Eine nachhaltige Steigerung der Zukunftsquote erfordert eine stärkere Verankerung dieser Ausgaben im regulären Haushalt.“
Die Zukunftsquote liegt mit dem aktuellen Wert auf dem höchsten Niveau seit 2018, jedoch wird das Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft. Nur etwa 37 Prozent der Nettokreditaufnahme des Bundes im Jahr 2026 fließen in Zukunftsausgaben. Trotz eines Anstiegs gegenüber den Vorjahren (2025: 32 Prozent, 2024: 30 Prozent) sollte dieser Anteil weiter wachsen, um beispielsweise Investitionen in die Gebäudesanierung und den natürlichen Klimaschutz zu ermöglichen.
Risiken durch Kürzungen in zentralen Zukunftsbereichen
Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik und Wirtschaft beim WWF Deutschland, weist darauf hin, dass bereits 2026 der Klima- und Transformationsfonds geschwächt wurde. Der Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 sieht weitere Kürzungen in wichtigen Zukunftsbereichen wie Klimaschutz, Bildung und Demokratieförderung vor. Für eine erfolgreiche gesellschaftliche Transformation und hohe Resilienz sind verlässliche Investitionen in diesen Bereichen unerlässlich.
Gernot Golka, Landessprecher der Partnerschaften für Demokratie in Sachsen-Anhalt, ergänzt: „Eine stabile Demokratie benötigt langfristig gesicherte finanzielle Mittel. Die Zukunftsquote zeigt jedoch, dass die Kontinuität fehlt und Demokratieförderung besonders anfällig für Kürzungen ist. Um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu stärken, muss neben materieller Infrastruktur auch die demokratische Infrastruktur, einschließlich der zivilgesellschaftlichen Arbeit auf kommunaler Ebene, zuverlässig finanziert werden.“
Fortschritte in der Haushaltssteuerung
Die Analyse hebt auch positive Entwicklungen hervor. Im ersten Monitoringbericht des Bundesfinanzministeriums zum Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität werden bereits ziel- und wirkungsorientierte Steuerungsmethoden angewandt. WWF und ZEW bewerten dies als wichtigen Schritt zur besseren Nachvollziehbarkeit und Steuerung öffentlicher Zukunftsausgaben. Eine Weiterentwicklung dieser Methoden sollte insbesondere eine stärkere Berücksichtigung von Klima- und Naturschutzaspekten umfassen.
Hintergrund zur Zukunftsquote
Die Zukunftsquote misst den Anteil staatlicher Ausgaben, die langfristig nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen fördern. Dazu zählen Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Klima- und Naturschutz sowie die Förderung technischen Wissens. Seit 2021 berechnet das ZEW diese Quote und hat sie in Kooperation mit dem WWF weiterentwickelt, um sie in den kommenden Jahren fortzuführen.
Methodik der Berechnung 2026
Für die Ermittlung der Zukunftsquote 2026 wurde die Methodik umfassend überprüft. Von 144 bewerteten Haushaltsfunktionen wurden lediglich neun neu gewichtet, was die Stabilität und Belastbarkeit des Ansatzes bestätigt. Die gesamte Zeitreihe wurde neu berechnet, um eine konsistente Vergleichbarkeit sicherzustellen.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Prof. Dr. Friedrich Heinemann
Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und öffentliche Finanzwirtschaft“
Telefon: +49 (0)621 1235-149
E-Mail: friedrich.heinemann@zew.de




















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