Zielkonflikte in der Waldbewirtschaftung: Biodiversität versus Wirtschaftlichkeit
Die steigenden Anforderungen an den Schutz der biologischen Vielfalt erfordern eine Anpassung der Waldbewirtschaftung. Eine zentrale Fragestellung dabei ist, wie sich Artenvielfalt und wirtschaftliche Nutzung bestmöglich in Einklang bringen lassen. Ein Forschungsteam der Universität Göttingen hat diese Thematik in niedersächsischen Wäldern untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Mischbestände aus heimischen Baumarten wie Buche kombiniert mit Douglasie als Kompromiss zwischen ökonomischen und naturschutzbezogenen Zielen geeignet sind. Gleichzeitig führt eine Erhöhung der Biodiversitätsziele zu wirtschaftlichen Einbußen, die durch finanzielle Ausgleichsmechanismen kompensiert werden müssen.
Methodik und Untersuchungsansatz
Die Studie basiert auf Messdaten von 40 Versuchsflächen in den Wirtschaftswäldern Niedersachsens, in denen Rein- und Mischbestände aus Buche, Fichte und Douglasie analysiert wurden. Für jede Fläche wurde die Bodenrente berechnet, welche den durchschnittlichen jährlichen finanziellen Ertrag darstellt. Parallel dazu wurde die Artenvielfalt von fünf verschiedenen Organismengruppen, von Bodenpilzen bis zu Käfern in den Baumkronen, erfasst.
Auf Grundlage dieser Daten erfolgten Modellrechnungen, um den Einfluss unterschiedlicher Waldzusammensetzungen auf Biodiversität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu bewerten. Ziel war es, die optimale Kombination aus Misch- und Reinbeständen zu identifizieren, die bei verschiedenen Biodiversitätsanforderungen den maximalen wirtschaftlichen Nutzen erzielt. Dabei wurden Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen Waldleistung und Lebensraumqualität berücksichtigt.
Ergebnisse und Implikationen
- Der Zielkonflikt zwischen wirtschaftlichem Ertrag und Biodiversität variiert stark je nach betrachteter Organismengruppe.
- Die Modellergebnisse legen nahe, dass es sinnvoll ist, in einem Forstbetrieb neben Mischbeständen auch Reinbestände zu erhalten, um das Risiko eines gleichzeitigen Verlusts von Ökosystemleistungen wie Holznutzung und Artenvielfalt bei sich ändernden Umweltbedingungen zu minimieren.
- Waldbesitzer, die hohe Biodiversitätsziele verfolgen, müssen mit wirtschaftlichen Einbußen rechnen und benötigen daher finanzielle Anreize oder Entschädigungen, um diese Verluste auszugleichen.
Die Studie wurde im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkollegs „EnriCo: Der Einfluss funktionaler Eigenschaften beigemischter Koniferen auf die Funktionsweise von Rotbuchenökosystemen“ durchgeführt.
Kontaktinformationen der wissenschaftlichen Ansprechpartner
- Julia Klenke
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Abteilung Forstökonomie und nachhaltige Landnutzungsplanung
Büsgenweg 3, 37077 Göttingen
E-Mail: julia.klenke@uni-goettingen.de
Web: http://www.uni-goettingen.de/de/680891.html - Prof. Dr. Carola Paul
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Abteilung Forstökonomie und nachhaltige Landnutzungsplanung
Büsgenweg 3, 37077 Göttingen
E-Mail: carola.paul@uni-goettingen.de
Web: http://www.uni-goettingen.de/de/588671.html
Originalpublikation
Klenke, J., von Groß, V., Fuchs, J.M. et al. (2026): Balancing biodiversity and economics: Using robust Pareto-optimisation to quantify ecological–economic trade-offs in German mixed beech forests. Ambio. DOI: https://doi.org/10.1007/s13280-026-02441-8




















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Die Empfehlung für Mischbestände klingt gut, doch sind die finanziellen Anreize wirklich ausreichend, um Waldbesitzer zum Umdenken zu bewegen? Skepsis bleibt bei der Umsetzung.
Die Göttinger Studie zeigt eindrucksvoll, wie Mischbestände ökonomische und ökologische Ziele vereinen können. Klare finanzielle Anreize sind jedoch nötig, um Biodiversität zu fördern.