Griechenlandkrise: Einkommensverluste belasten Berufseinsteiger und untere Einkommensschichten langfristig.

Griechenlandkrise: Einkommensverluste belasten Berufseinsteiger und untere Einkommensschichten langfristig.

Langfristige und starke Einkommensverluste infolge der Griechenlandkrise

Die Wirtschaftskrise in Griechenland zwischen 2009 und 2013 führte zu einer nur teilweisen Erholung der Einkommen. Gleichzeitig nahmen Einkommensschwankungen, Abstiegsrisiken und soziale Ungleichheiten deutlich zu. Besonders betroffen sind Berufseinsteiger sowie Arbeitnehmer mit mittleren und niedrigen Einkommen, deren finanzielle Situation bis heute beeinträchtigt ist. Diese Erkenntnisse stammen aus einer internationalen Studie, an der unter anderem das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim beteiligt war.

Entwicklung der Arbeitseinkommen im Krisenverlauf

„Die Entwicklung der Arbeitseinkommen in Griechenland spiegelte weitgehend die gesamtwirtschaftlichen Trends wider“, erläutert Dr. Effrosyni Adamopoulou, stellvertretende Leiterin der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“ und Ko-Autorin der Studie. Vor der Krise stiegen die Einkommen an, während sie in der Krisenphase von 2009 bis 2013 stark zurückgingen. In den darauffolgenden zehn Jahren erfolgte eine langsame und unvollständige Erholung.

Veränderte Einkommensdynamik und Ungleichheit

Während der Krise nahmen die Volatilität der Einkommen, das Risiko von Einkommensverlusten sowie die Einkommensungleichheit deutlich zu. Obwohl sich diese Effekte im Zeitverlauf abschwächten, lagen viele Einkommen auch ein Jahrzehnt nach der Krise noch unter dem Niveau vor der Wirtschaftskrise.

Die Studie zeigt, dass die Rückgänge der Realeinkommen über alle Einkommensgruppen hinweg außergewöhnlich stark und langanhaltend waren. Die Verluste betrafen nicht nur die unteren Einkommensbereiche, sondern reichten bis in die mittleren Einkommensschichten hinein. Höhere Einkommensgruppen verzeichneten hingegen vergleichsweise geringere Einbußen.

Besondere Belastung für Berufseinsteiger

Berufseinsteiger mussten mit deutlich niedrigeren Einstiegsgehältern zurechtkommen, die sich auch in den Folgejahren nicht vollständig ausgleichen ließen. Die Kohorten ab dem Jahr 2009 begannen mit immer weiter sinkenden Anfangseinkommen. Selbst nach neun Jahren Berufserfahrung lagen ihre Einkommensverläufe unter denen der vor der Krise eingetretenen Kohorten. Obwohl sich die Unterschiede im Zeitverlauf verringerten, sind die Auswirkungen der sogenannten „unglücklichen Kohorten“ weiterhin erkennbar. Diese Effekte fallen bei Beschäftigten mit niedrigem Bildungsniveau etwa doppelt so stark aus wie bei Personen mit mittlerem oder höherem Bildungsabschluss, so Adamopoulou.

Arbeitsmarktbedingungen und Reformen

Während Griechenland in den 2000er-Jahren ein starkes Wirtschaftswachstum verzeichnete, verschlechterten sich die Arbeitsmarktbedingungen während der Krise erheblich. Die Arbeitslosenquote stieg bis 2013 auf 27,7 Prozent, und der reale Durchschnittslohn sank um nahezu 30 Prozent. Im Jahr 2012 wurden tiefgreifende Arbeitsmarktreformen eingeführt, darunter eine nominale Senkung des nationalen Mindestlohns um 22 Prozent sowie eine deutliche Abschwächung der Tarifbindung.

Datengrundlage und Methodik

Die Untersuchung basiert auf administrativen Daten des griechischen Sozialversicherungssystems (IKA/EFKA) aus den Jahren 2002 bis 2023. Diese umfassen monatliche Informationen zu Einkommen, Beruf, Unternehmen, Branchen und Regionen und decken den Großteil der privaten Arbeitnehmer Griechenlands ab. Aus diesen Daten wurde ein repräsentativer Panel-Datensatz mit etwa 20 Prozent der versicherten Arbeitnehmer erstellt. Die Ergebnisse fließen in das Global Repository of Income Dynamics ein, das vergleichbare Einkommensdaten aus verschiedenen Ländern harmonisiert.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen:

Effrosyni Adamopoulou, PhD
Stellvertretende Leiterin der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“
E-Mail: Effrosyni.Adamopoulou@zew.de


Originalpublikation:

https://www.zew.de/fileadmin/FTP/dp/dp26024.pdf

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