Achtsamkeit und Selbstführung: Neue Erkenntnisse zur Stressbewältigung bei Führungskräften
Eine aktuelle Untersuchung der Universität Liechtenstein zeigt, dass ein sechswöchiges Online-Trainingsprogramm signifikant zur Reduktion von Stress bei Führungskräften beiträgt. Gleichzeitig werden durch das Training die Widerstandsfähigkeit sowie die berufliche Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden gestärkt.
Herausforderungen in der modernen Arbeitswelt
Die zunehmende Komplexität der Arbeitswelt, geprägt durch flachere Hierarchien und dezentrale Entscheidungsprozesse, erhöht den Druck auf Führungskräfte erheblich. Schnelle Entscheidungen und steigende Verantwortung ohne ausreichende Erholungsphasen führen häufig zu chronischem Stress und emotionaler Erschöpfung. Vor diesem Hintergrund untersuchten Julia Tenschert und Marco Furtner von der Universität Liechtenstein, ob gezielte Trainingsmaßnahmen Abhilfe schaffen können.
Studienaufbau und Teilnehmer
Für die Studie wurden 244 Führungskräfte aus Liechtenstein, der Schweiz, Österreich und Deutschland rekrutiert. Davon nahmen 122 Personen an einem neuartigen sechswöchigen Online-Training teil, das Selbstführungsstrategien wie Zielsetzung und positive Selbstgespräche mit Achtsamkeitsübungen, darunter Meditation und Atemtechniken, kombiniert. Die Kontrollgruppe erhielt währenddessen kein entsprechendes Training. Abschließend standen Daten von 128 Teilnehmenden für die Auswertung zur Verfügung.
Ergebnisse: Stressreduktion und gesteigerte Resilienz
- Das Online-Training führte zu einer signifikanten Verbesserung der Selbstführungskompetenzen, der Achtsamkeit und der Resilienz.
- Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten (Selbstwirksamkeit) nahm deutlich zu.
- Das subjektiv empfundene Stressniveau sank messbar ab.
- In der Kontrollgruppe ohne Trainingsintervention wurden keine vergleichbaren Verbesserungen festgestellt.
Wirkmechanismen der Trainingskombination
Achtsamkeitspraktiken unterstützen Führungskräfte dabei, negative Gedankenschleifen zu unterbrechen und Belastungen bewusster wahrzunehmen. Die Selbstführung liefert praktische Werkzeuge, um Herausforderungen neu zu bewerten und realistische Ziele zu setzen. Diese Kombination ermöglicht es, sowohl innere Zustände als auch äußere Anforderungen effektiver zu steuern, erläutert Studienautorin Julia Tenschert.
Implikationen für Unternehmen
Die Studie liefert erstmals fundierte Belege dafür, dass die Verbindung von Achtsamkeit und Selbstführung Führungskräfte psychologisch stärkt. Unternehmen, die in die mentale Widerstandskraft ihrer Führungskräfte investieren, können langfristig von geringeren Fehlzeiten, stabileren Teams und leistungsfähigeren Führungspersonen profitieren.
Herausforderung Zeitmanagement
Ein kritischer Aspekt der Studie ist die Abbruchquote: Etwa die Hälfte der Teilnehmenden beendete das Programm vorzeitig. Dies verdeutlicht die Schwierigkeit für Führungskräfte, trotz hoher Arbeitsbelastung Zeit für Trainingsmaßnahmen zu finden. Ob die positiven Effekte dauerhaft bestehen bleiben, muss in zukünftigen Langzeitstudien untersucht werden.
Wissenschaftliche Ansprechpartner
Julia Tenschert, Universität Liechtenstein




















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