EZB-Rat bekräftigt restriktive Geldpolitik: Zinserhöhungen im September wahrscheinlich trotz gemischter Inflations- und Wirtschaftsdaten.

EZB-Rat bekräftigt restriktive Geldpolitik: Zinserhöhungen im September wahrscheinlich trotz gemischter Inflations- und Wirtschaftsdaten.

EZB-Rat setzt weiterhin auf restriktive Geldpolitik

Die Kommunikation des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt deutlich auf eine restriktive geldpolitische Ausrichtung fokussiert. Laut dem EZB-Transparenz-Monitor des ZEW Mannheim lag der Opinion-Score Ende August bei +0,49 und signalisiert damit eine weiterhin straffe Geldpolitik. Nach einem Höchstwert von +0,63 im zweiten Quartal 2026 hatte sich der Ton im Juli leicht abgeschwächt, bevor er Ende August wieder restriktiver wurde.

Analyse der aktuellen Entwicklung

Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim und Professor an der Universität Heidelberg, bewertet die Ergebnisse folgendermaßen: „Die im Juli beobachtete moderate Entspannung in der Kommunikation des EZB-Rats war nur von kurzer Dauer. Ende August zeigt sich wieder eine deutlich restriktivere Haltung, die von den öffentlich auftretenden Ratsmitgliedern weitgehend einheitlich getragen wird. Angesichts einer zuletzt gemessenen Inflationsrate von 2,9 Prozent, anhaltender Risiken durch hohe Energiepreise und gleichzeitig überraschend robusten Wirtschaftsdaten bleibt die Option einer weiteren geldpolitischen Straffung im Raum. Eine Zinserhöhung im September erscheint daher wahrscheinlich.“

Tauben- und Falkenpositionen im EZB-Rat

Der im EZB-Transparenz-Monitor verwendete Indikator bewertet öffentliche Äußerungen der EZB-Ratsmitglieder auf einer Skala von -1 bis +1. Ein Wert von -1 entspricht einer stark „taubenhaften“ Haltung, die eine lockere Geldpolitik bevorzugt, während +1 eine „falkenhafte“ Position und somit einen restriktiveren geldpolitischen Kurs anzeigt. Falken befürworten höhere Zinsen zur Inflationsbekämpfung, während Tauben die möglichen negativen Auswirkungen auf Konjunktur und Beschäftigung stärker gewichten und daher niedrigere Zinsen bevorzugen.

Im dritten Quartal 2026 zeigen sich nur geringe Unterschiede zwischen den Positionen der Ratsmitglieder. Die Spannweite zwischen tauben- und falkenhaften Haltungen beträgt etwa 0,30 und liegt damit deutlich unter den Werten früherer Phasen mit hohen inneren Konflikten. Dies deutet auf eine breite Unterstützung des restriktiven Kurses im EZB-Rat hin.

Über den EZB-Transparenz-Monitor

Der EZB-Transparenz-Monitor des ZEW Mannheim bietet eine unabhängige wissenschaftliche Analyse der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Er fasst zentrale ökonomische und fiskalische Daten zum geldpolitischen Umfeld zusammen und ermöglicht eine systematische Vergleichbarkeit der Kommunikation der EZB-Ratsmitglieder. Das Projekt wird von der Stiftung Geld und Währung gefördert.

Ein wesentlicher Bestandteil des Monitors ist der quartalsweise veröffentlichte Opinion-Score. Dieser KI-gestützte Indikator wertet alle sechs Wochen aktuelle öffentliche Reden der EZB-Ratsmitglieder aus und erfasst, ob deren Äußerungen auf eine restriktive („falkenhafte“) oder expansive („taubenhafte“) geldpolitische Ausrichtung hindeuten. Dadurch liefert der Indikator frühzeitig Hinweise auf die Meinungsentwicklung innerhalb des EZB-Rats.


Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Prof. Dr. Friedrich Heinemann
Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim
Telefon: +49 (0)621 1235-149
E-Mail: friedrich.heinemann@zew.de


Originalpublikation:

https://www.zew.de/fileadmin/FTP/ecb_monitor/ZEW-ECB-Monitor-2026-Q3.pdf

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