Nudges fördern Tierwohl: Studie zeigt, wie Kaufanreize das Konsumverhalten für tierwohlgerechte Lebensmittel verändern können.

Nudges fördern Tierwohl: Studie zeigt, wie Kaufanreize das Konsumverhalten für tierwohlgerechte Lebensmittel verändern können.

Sanfte Impulse zur Förderung des Tierwohls im Lebensmittelkauf

Eine aktuelle Untersuchung der Universität Bonn zeigt, dass gezielte Kaufanreize, sogenannte „Nudges“, das Konsumverhalten zugunsten von Lebensmitteln mit höheren Tierhaltungsstandards positiv beeinflussen können. Die Studie nutzte zwei verschiedene Plakate als Nudging-Instrumente in einem virtuellen Supermarkt. Bereits jedes einzelne Plakat führte zu einer Veränderung im Kaufverhalten der Probanden. Die Kombination beider Plakate erzielte den stärksten Effekt hinsichtlich des Anteils tierwohlorientierter Produkte im Warenkorb. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf reale Einkaufssituationen ist jedoch noch zu prüfen. Die Studie wurde im Journal of Behavioral and Experimental Economics veröffentlicht.

Definition und Anwendung von Nudges

Nudges sind sanfte Eingriffe, die Entscheidungsprozesse unterstützen, ohne die Wahlfreiheit einzuschränken. Sie können beispielsweise dazu dienen, gesunde oder nachhaltige Optionen hervorzuheben, um deren Auswahlwahrscheinlichkeit zu erhöhen.

In der vorliegenden Untersuchung analysierten Wissenschaftlerinnen der Universität Bonn, wie Nudging den Kauf tierwohlgeprüfter Lebensmittel beeinflusst. In Deutschland existieren verschiedene Kennzeichnungen, die Auskunft über die Haltungsbedingungen von Nutztieren geben, darunter das Haltungsform-Label für Fleisch- und Milchprodukte sowie die Eierkennzeichnung. Diese Labels machen die Tierwohlstandards für Verbraucher sichtbar.

Versuchsaufbau mit über 850 Teilnehmern im virtuellen Supermarkt

  • Die Forscherinnen entwickelten zwei unterschiedliche Plakate: Ein erstes Plakat, das vor dem Betreten des virtuellen Supermarkts gezeigt wurde, vermittelte mit dem Slogan „Immer mehr Menschen in Deutschland entscheiden sich für mehr Tierwohl“ eine soziale Norm.
  • Das zweite Plakat, angebracht über den Regalen, informierte mittels anschaulicher Grafiken über die Bedeutung der verschiedenen Haltungsstufen und deren Tierwohl-Labels.
  • Mehr als 850 Probanden wurden über eine Marktforschungsagentur für ein Online-Experiment rekrutiert und kauften am heimischen Computer in einem virtuellen Supermarkt ein.
  • Die Auswahl umfasste sowohl Produkte aus konventioneller Haltung als auch solche mit höheren Tierwohlstandards, jeweils zu marktüblichen Preisen.
  • Die Teilnehmer wurden zufällig einer von vier Gruppen zugeordnet: keine Plakate, nur das soziale Norm-Plakat, nur das Informationsplakat oder beide Plakate kombiniert.

Ergebnisse: Kombination der Nudges zeigt stärkste Wirkung

Die Auswertung ergab, dass sowohl das soziale Norm-Plakat als auch das Informationsplakat einzeln einen positiven Einfluss auf die Wahl tierwohlorientierter Produkte hatten. Die stärkste Wirkung zeigte sich jedoch bei der Kombination beider Maßnahmen. Die Effekte der beiden Nudges addierten sich unabhängig voneinander, was bedeutet, dass jede Maßnahme für sich wirksam ist und auch getrennt eingesetzt werden kann, ohne die Wirkung der anderen zu beeinträchtigen.

Prof. Dr. Monika Hartmann, Leiterin der Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft an der Universität Bonn, betont die Bedeutung dieser Ergebnisse für die Förderung des Tierwohls im Lebensmittelkauf. Allerdings erfolgten die Kaufentscheidungen der Teilnehmer nur hypothetisch, ohne tatsächliche Bezahlung oder Produktübergabe. Die Übertragbarkeit auf reale Einkaufssituationen bleibt daher noch offen.

Die Studie legt nahe, dass Nudges als Bestandteil eines umfassenden Maßnahmenpakets zur Steigerung des Konsums tierwohlorientierter Produkte beitragen können.

Förderung und Kontakt

Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert, Projektträger war die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Förderkennzeichen 28N1800025.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Leonie Bach
Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft
Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR)
Universität Bonn
Telefon: 0228 / 73 59 63
E-Mail: leonie.bach@ilr.uni-bonn.de

Publikation

Bach, L., Hartmann, M., & Weingarten, N. (2026). Two nudges, one goal: Promoting animal welfare in a virtual supermarket. Journal of Behavioral and Experimental Economics. https://doi.org/10.1016/j.socec.2026.102608

Weiterführende Informationen

Leonie Bach – Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik, Universität Bonn

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