Zi-Studie enthüllt: tatsächliche Inanspruchnahme ambulanter Versorgung in Deutschland höher als bislang angenommen.

Zi-Studie enthüllt: tatsächliche Inanspruchnahme ambulanter Versorgung in Deutschland höher als bislang angenommen.

Zi-Studie: Höhere Nutzung der ambulanten Versorgung als bisher erfasst

Eine aktuelle Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt, dass die tatsächliche Inanspruchnahme ambulanter ärztlicher Leistungen in Deutschland vermutlich größer ist als bisherige Messmethoden vermuten lassen. Die Studie vergleicht erstmals systematisch selbstberichtete Arztkontakte aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit den vertragsärztlichen Abrechnungsdaten des Jahres 2024.

Methodik und zentrale Ergebnisse

Die Analyse mit Daten von etwa 27.000 SOEP-Teilnehmenden und rund 74 Millionen gesetzlich Versicherten zeigt, dass sowohl Befragungsdaten als auch etablierte Abrechnungskennzahlen wie Behandlungsfälle, Arztfälle oder Arztgruppenfälle die tatsächliche Anzahl ambulanter Arztkontakte unterschätzen. Die aussagekräftigste Annäherung an die reale Nachfrage bieten die sogenannten Behandlungstage, also die Anzahl der Tage, an denen Leistungen abgerechnet wurden.

  • Durchschnittlich berichteten Befragte 8,4 Arztkontakte pro Jahr.
  • Abrechnungsdaten wiesen Mittelwerte von 8,0 Behandlungsfällen, 8,1 Arztgruppenfällen und 9,5 Arztfällen pro Person auf.
  • Die Anzahl der Behandlungstage lag mit 14,2 Tagen deutlich höher.

Interpretation und regionale Unterschiede

Die Diskrepanz zwischen Selbstberichten und Abrechnungsdaten lässt sich unter anderem durch Erinnerungsverzerrungen bei Befragten sowie durch die Abrechnungsstruktur erklären, bei der mehrere Arztkontakte häufig zu einem Fall zusammengefasst werden. Die Studie identifizierte zudem moderate regionale Unterschiede, die je nach Messmethode variieren. Höhere Werte zeigten sich unter anderem in Berlin, Hamburg, Bremen und dem Saarland.

Diese regionalen Abweichungen sollten nicht vorschnell als Über- oder Unterversorgung interpretiert werden. Vielmehr weisen sie darauf hin, dass Faktoren wie Versorgungsstrukturen, Altersverteilung der Bevölkerung, Morbidität und regionale Rahmenbedingungen stärker berücksichtigt werden müssen, um eine bedarfsgerechte und gleichwertige Versorgung zu gewährleisten.

Ausblick und Empfehlungen

Die Autoren betonen die Notwendigkeit, die Methoden zur Erfassung der Inanspruchnahme weiterzuentwickeln. Künftige Studien sollten die Grenzen von Selbstberichten genauer untersuchen und neben Morbiditätsindikatoren auch Informationen zum tatsächlichen Versorgungsbedarf einbeziehen. Nur so kann differenziert bewertet werden, ob regionale Unterschiede auf unterschiedliche Bedarfe oder strukturelle Versorgungsunterschiede zurückzuführen sind.

Die Studie verdeutlicht die zentrale Bedeutung der ambulanten Versorgung für die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Eine präzise Erfassung der tatsächlichen Nutzung ist daher essenziell für fundierte Entscheidungen in der Gesundheits- und Versorgungspolitik.


Wissenschaftlicher Kontakt

Doreen Müller
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi)
Salzufer 8, 10587 Berlin
Telefon: (030) 2200 56167
E-Mail: DMueller@zi.de


Quellenangabe

Lochner A, Hering R, Lipovsek J, Schulz M, Akmatov MK, Müller D. Regionaler Vergleich von selbstberichteten mit in Abrechnungsdaten erfassten ambulant-ärztlichen Versorgungskontakten im Jahr 2024. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 26/02, Berlin 2026. https://doi.org/10.20364/VA-26.02


Weiterführende Informationen

https://www.zi.de/das-zi/medien/medieninformationen-und-statements/detailansicht…

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