IWH: Unternehmensinsolvenzen im Mai gefallen, Verkehr und Lagerei jedoch betroffen – stark gestiegene Kraftstoffpreise verantwortlich.

IWH: Unternehmensinsolvenzen im Mai gefallen, Verkehr und Lagerei jedoch betroffen – stark gestiegene Kraftstoffpreise verantwortlich.

IWH-Insolvenztrend: Deutlicher Rückgang der Unternehmensinsolvenzen im Mai

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat in seiner aktuellen Analyse einen signifikanten Rückgang der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Mai festgestellt. Diese Entwicklung folgt auf zuvor rekordverdächtige Werte in den Vormonaten. Eine Ausnahme bildet die Branche Verkehr und Lagerei, in der die Insolvenzzahlen weiterhin steigen.

Entwicklung der Insolvenzzahlen im Mai 2026

Im Mai 2026 wurden laut IWH-Insolvenztrend insgesamt 1.518 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Dies entspricht einem Rückgang von 15 % gegenüber April, liegt jedoch 3 % über dem Wert des Mai 2025. Im Vergleich zu den durchschnittlichen Mai-Zahlen der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie, ist die aktuelle Zahl um 57 % erhöht. Der Rückgang im Mai könnte auf die ungewöhnlich geringe Anzahl an Arbeitstagen zurückzuführen sein. Die Insolvenzen pro Arbeitstag erreichten dennoch den zweithöchsten Wert seit Beginn der Erhebungen.

Branchenspezifische Besonderheiten

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht keine branchenspezifischen Daten zu Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das IWH erhebt diese Daten seit Januar 2020. Während die meisten Branchen einen Rückgang verzeichnen, erreichte die Branche Verkehr und Lagerei im Mai die höchste jemals im Insolvenztrend gemessene Insolvenzzahl. Als Hauptursache werden die gestiegenen Kraftstoffpreise angenommen, die die Betriebskosten in diesem Sektor deutlich erhöht haben.

Auswirkungen auf Beschäftigung

Die Insolvenz großer Unternehmen führt oft zu erheblichen und langfristigen Einkommensverlusten bei den betroffenen Arbeitnehmern. Die Zahl der Arbeitsplätze, die von Insolvenzen betroffen sind, dient als Indikator für die gesamtwirtschaftlichen Folgen. Im Mai waren in den größten 10 % der insolventen Unternehmen über 11.000 Arbeitsplätze betroffen. Dies stellt einen Rückgang von 43 % gegenüber April und 22 % gegenüber dem Vorjahresmonat dar, liegt jedoch 73 % über dem Durchschnitt der Vor-Corona-Monate 2016 bis 2019. Der Rückgang erklärt sich vor allem dadurch, dass im Mai keine besonders großen Insolvenzen verzeichnet wurden.

Ausblick und Methodik

Das IWH nutzt Frühindikatoren, die das Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorwegnehmen. Aufgrund der hohen Werte dieser Indikatoren in den Vormonaten erwartet der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, Prof. Dr. Steffen Müller, dass die Insolvenzzahlen im Juni auf einem ähnlich hohen Niveau bleiben werden.

Hintergrund zum IWH-Insolvenztrend

Der IWH-Insolvenztrend liefert monatlich zeitnahe und belastbare Daten zum Insolvenzgeschehen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland. Im Vergleich zur amtlichen Statistik, die mit etwa zwei Monaten Verzögerung veröffentlicht wird, weichen die Ergebnisse nur geringfügig ab. Die Daten basieren auf Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte, die mit Bilanzkennzahlen der betroffenen Unternehmen verknüpft werden.

Der Insolvenztrend des IWH gilt als verlässlicher Frühindikator für wirtschaftliche Entwicklungen. Die erfassten Insolvenzen repräsentieren mehr als 90 % der von Unternehmensinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze und 95 % der Forderungen, wodurch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen präzise abgebildet werden.

Abgrenzung zu anderen Insolvenzstatistiken

  • Regelinsolvenzen umfassen neben Unternehmensinsolvenzen auch natürliche Personen wie Selbstständige und privat haftende Gesellschafter mit komplexen Vermögensverhältnissen.
  • Die amtliche Statistik zu Unternehmensinsolvenzen beinhaltet zusätzlich Kleinstunternehmen, die wirtschaftlich weniger relevant sind.
  • Die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen und etwa zwei Drittel der Unternehmensinsolvenzen aus.
  • Monatliche prozentuale Veränderungen können sich aufgrund der Vielzahl kleiner Insolvenzfälle deutlich unterscheiden.

Kontakt und weiterführende Informationen

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Steffen Müller
Telefon: +49 345 7753 708
E-Mail: Steffen.Mueller@iwh-halle.de

Weiterführende Links:
Daten zum IWH-Insolvenztrend (Excel-Download)
Informationen zur IWH-Insolvenzforschung und Methodik

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