Neun von zehn Auszubildenden zufrieden, doch klare Hürden beim Ausbildungszugang bleiben bestehen.

Neun von zehn Auszubildenden zufrieden, doch klare Hürden beim Ausbildungszugang bleiben bestehen.

Hohe Zufriedenheit unter Auszubildenden trotz Herausforderungen beim Ausbildungszugang

Eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass neun von zehn Auszubildenden mit ihrer Berufsausbildung zufrieden sind. 87 Prozent würden ihren Ausbildungsberuf erneut wählen. Trotz dieser positiven Bewertung bestehen jedoch weiterhin erhebliche Hürden beim Zugang zur Ausbildung, insbesondere für Jugendliche mit niedrigem Schulabschluss.

Zufriedenheit und Anerkennung der Berufsausbildung

Die Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“ basiert auf einer repräsentativen Befragung von Auszubildenden und Schüler:innen. Demnach empfinden 86 Prozent der Auszubildenden die Teamatmosphäre als überwiegend positiv, 85 Prozent lernen regelmäßig Neues, und 83 Prozent sehen ihre Aufgaben als sinnvoll an. Zudem berichten 79 Prozent von Freude an der Arbeit und dem Lernen.

Auch unter den Schüler:innen gilt die Berufsausbildung als attraktive Option: Etwa ein Drittel plant, direkt nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zu beginnen, während weitere 44 Prozent dies grundsätzlich in Betracht ziehen. Fast die Hälfte der Befragten kann sich zudem vorstellen, mittelfristig ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt

Der Ausbildungsmarkt steht vor der Herausforderung, dass viele Bewerber:innen keinen Ausbildungsplatz finden, während gleichzeitig zahlreiche Stellen unbesetzt bleiben. Im Jahr 2025 blieben rund 84.000 Bewerbungen erfolglos, was einem Anstieg von über 19 Prozent entspricht. Gleichzeitig sank die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze um 5 Prozent auf etwa 476.000, und die Zahl der abgeschlossenen Verträge verringerte sich um 2 Prozent.

Diese Diskrepanz lässt sich unter anderem durch regionale Unterschiede und mangelnde Übereinstimmung zwischen Bewerberprofilen und Stellenanforderungen erklären. Zudem dominieren in Auswahlverfahren häufig formale Kriterien wie Schulnoten, während Motivation und praktische Fähigkeiten weniger Beachtung finden.

Besondere Problematik für Jugendliche mit niedrigem Schulabschluss

Jugendliche mit geringerer Schulbildung bewerten ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz pessimistischer: 38 Prozent sind unsicher oder zweifeln daran, einen Platz zu erhalten. Dies ist kritisch, da eine abgeschlossene Berufsausbildung für diese Gruppe den wichtigsten Einstieg in den Arbeitsmarkt darstellt. Die Arbeitslosenquote bei Personen ohne Berufsabschluss lag 2025 bei 21 Prozent, während sie bei Ausgebildeten nur 4 Prozent betrug.

Empfehlungen zur Verbesserung des Ausbildungszugangs

  • Ausbau betriebsnaher Zugangswege wie Einstiegsqualifizierungen, längere Praktika und Assistierte Ausbildung mit begleitender persönlicher Unterstützung.
  • Verstärkte Orientierung der Auswahlverfahren an Kompetenzen und praktischen Fähigkeiten statt ausschließlich an Schulnoten.
  • Kommunikation der Offenheit von Unternehmen gegenüber Bewerber:innen mit unkonventionellen Qualifikationen, um mehr junge Menschen zur Bewerbung zu ermutigen.
  • Verlässliche Unterstützung für Betriebe bei der Ausbildung von Jugendlichen, die nicht alle Anforderungen sofort erfüllen, um Abbrüche zu vermeiden.

Die hohe Zufriedenheit der Auszubildenden stellt ein positives Signal dar, das es zu nutzen gilt, um Ausbildungsabbrüche zu reduzieren und erfolgreiche Abschlüsse zu fördern.

Verbesserung der beruflichen Orientierung

Obwohl die Mehrheit der Befragten ausreichende Informationen zur Berufswahl sieht, fällt es vielen schwer, diese zu überblicken. Besonders Schüler:innen mit höherem Schulabschluss berichten von Orientierungsschwierigkeiten. Eine frühere und individuellere Beratung, auch außerhalb des schulischen Rahmens, wird als notwendig erachtet. Die Vernetzung zwischen Schulen, Betrieben, Arbeitsagenturen und Jugendberufsagenturen sollte hierfür stärker institutionalisiert werden. Zudem spielen Eltern für 91 Prozent der Schüler:innen eine wichtige Rolle bei der Berufsfindung.

Studieninformationen

Die Untersuchung „Ausbildungsperspektiven 2026“ basiert auf einer Online-Befragung von 1.763 jungen Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren sowie 1.325 Auszubildenden zwischen 15 und 25 Jahren, durchgeführt von März bis April 2026. Ergänzende Daten stammen aus dem Berufsbildungsbericht 2026, der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit sowie Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Kontakt

Fabian Schaffer
Telefon: 030 27 57 88 186
E-Mail: fabian.schaffer@bertelsmann-stiftung.de

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