Drohnen frühzeitig erkennen durch akustische Sensorik aus Oldenburg
Fraunhofer IDMT präsentiert akustische Drohnenerkennung auf den Drone Days 2026
Drohnen stellen für Flughäfen, kritische Infrastrukturen, militärische Einrichtungen sowie Großveranstaltungen ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar. Die Erfassung dieser unbemannten Luftfahrzeuge gestaltet sich insbesondere dann schwierig, wenn sie außerhalb der Sichtlinie operieren, etwa durch Gelände, Bebauung oder ungünstige Wetterbedingungen verdeckt sind. Das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg hat eine akustische Sensorlösung entwickelt, die Drohnen anhand ihrer charakteristischen Klangmuster erkennt und lokalisiert – auch ohne direkten Sichtkontakt. Diese Technologie wird vom 26. bis 28. August 2026 auf den Drone Days in Bremen/Hatten an einem Demonstrationsfahrzeug vorgestellt.
Herausforderungen bei der Drohnendetektion und Vorteile akustischer Systeme
Im Sicherheitskontext ist eine frühzeitige Erkennung unbemannter Luftfahrzeuge entscheidend, um angemessen reagieren zu können. Dabei müssen Sicherheitskräfte schnell erkennen, ob sich eine Drohne nähert, ihren Standort bestimmen und die Entwicklung der Situation einschätzen. Klassische Detektionsmethoden wie Radar, Kamera oder Lidar liefern wichtige Daten, stoßen jedoch in bestimmten Umgebungen an ihre Grenzen, beispielsweise bei fehlender Sichtverbindung oder gestörten Funkverbindungen. Akustische Sensorik ergänzt diese Verfahren, indem sie passive Schallquellen erfasst und somit auch in komplexen Umgebungen zuverlässig arbeitet.
Erkennung anhand akustischer Signaturen
Am Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie (HSA) des Fraunhofer IDMT werden die akustischen Signale von Drohnen analysiert. Jede Drohne erzeugt ein spezifisches Klangmuster, das als akustischer Fingerabdruck genutzt wird. Mithilfe maschineller Lernverfahren lassen sich diese Muster auch in lauten und komplexen Umgebungen identifizieren. Die Kombination von Signalen mehrerer Mikrofone ermöglicht zudem die Bestimmung der Anflugrichtung, wodurch Drohnen nicht nur erkannt, sondern auch räumlich lokalisiert werden können.
Effiziente und passive Überwachung
Im Vergleich zu Radar- oder Kamerasystemen zeichnet sich die akustische Sensorik durch einen niedrigen Energieverbrauch aus, da sie passiv Umgebungsgeräusche aufnimmt, ohne selbst Signale auszusenden. Dies ermöglicht einen autarken Betrieb und eine flächendeckende Überwachung. Die Technologie kann zudem als „Wake-up“-System fungieren, das weitere Sensoren nur bei einem akustischen Hinweis aktiviert. Langfristig ist auch eine Erweiterung auf andere akustische Ereignisse wie Fahrzeuggeräusche oder Schüsse denkbar.
Forschungshintergrund und Entwicklung
Die Entwicklung der akustischen Drohnenerkennung basiert auf langjähriger Forschung am Standort Oldenburg. Seit 2016 wurde die Technologie unter anderem in den Verbundprojekten AMBOS und ALADDIN vorangetrieben. In internen Projekten wurden Algorithmen, Systemkomponenten und Integrationsmöglichkeiten kontinuierlich optimiert. Heute stehen sowohl leicht integrierbare Softwaremodule als auch vollintegrierbare Systemlösungen zur Verfügung.
Präsentation auf den Drone Days 2026
Auf den Drone Days 2026 in Hatten können Interessierte die akustische Drohnenerkennung live erleben. Am 27. und 28. August wird die Technologie am Demonstrationsfahrzeug „The Hearing Car“ vorgestellt. Experten des Fraunhofer IDMT, darunter Christian Rollwage, Moritz Brandes und Christian Colmer, stehen für Gespräche zur Verfügung und erläutern die Funktionsweise der Lösung in Echtzeit.
Über den Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie (HSA)
Der 2008 gegründete Institutsteil HSA des Fraunhofer IDMT unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier und Dr. Jens-E. Appell fokussiert sich auf angewandte Forschung in den Bereichen:
- Sprach- und Ereigniserkennung
- Klangqualität und Sprachverständlichkeit
- Mobile Neurotechnologie sowie Systeme für vernetzte Gesundheitsversorgung
Mit Expertise in Hard- und Softwareentwicklung für Audiosysteme und Signalverbesserung werden wissenschaftliche Erkenntnisse in praxisnahe Lösungen umgesetzt. Der Institutsteil kooperiert eng mit der Carl von Ossietzky Universität, der Jade Hochschule und der Hochschule Emden/Leer. Zudem ist das Fraunhofer IDMT Partner im Exzellenzcluster „Hearing4all“ sowie im Sonderforschungsbereich „Hörakustik“.




















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