Erneuter Anstieg der Kraftstoffpreise belastet vor allem Familien mit geringem und mittlerem Einkommen
Im Juli 2026 stieg die Inflationsrate in Deutschland um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent. Hauptursachen hierfür sind das Auslaufen des Tankrabatts sowie die vorübergehende Eskalation des Konflikts im Iran, die zu höheren Rohölpreisen und Raffineriemargen führten. Besonders stark betroffen sind Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen.
Belastung durch Kraftstoffkosten
Diese Haushalte sind häufig auf ein Auto angewiesen, insbesondere aufgrund von Kindern, und haben einen vergleichsweise hohen Anteil an Ausgaben für Kraftstoffe im Warenkorb. Im Gegensatz dazu sind Haushalte mit höheren Einkommen stärker von Preissteigerungen bei Flugreisen, Pauschalreisen und Arzneimitteln betroffen. Diese Ergebnisse basieren auf dem aktuellen Inflationsmonitor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Expertin Dr. Silke Tober analysierte dabei die haushaltsspezifischen Inflationsraten von neun repräsentativen Haushaltstypen.
Im Juli lagen die Inflationsraten der meisten Haushaltstypen zwischen 2,6 und 3,0 Prozent, was eine relativ enge Bandbreite darstellt (siehe Abbildung in der PDF-Version der Originalmitteilung).
Entwicklung bei anderen Gütergruppen
Wie in den Vormonaten führte der Anstieg der Energiepreise bisher nicht zu einem breiten Preisanstieg bei anderen Waren. So stiegen die Preise für Nahrungsmittel zwischen Juni und Juli lediglich um 0,4 Prozent. Die Kosten für Strom und Gas blieben aufgrund langfristiger Vertragsbindungen leicht unter dem Vorjahresniveau. Dies erklärt, warum Alleinlebende mit geringem Einkommen, die sich kaum Kraftfahrzeuge, Reisen oder aufwendige Dienstleistungen leisten, mit einer Inflationsrate von 1,9 Prozent die niedrigste Teuerung unter den Haushalten aufwiesen.
Empfehlungen zur Inflationsbekämpfung
Die Analyse von Dr. Tober zeigt, dass der Anstieg der Inflation von 1,8 Prozent im Dezember 2025 auf 2,8 Prozent im Juli 2026 hauptsächlich durch die starken Preissteigerungen bei Kraftstoffen und Heizöl verursacht wurde. Ähnliche Entwicklungen sind im Euroraum zu beobachten. Vor diesem Hintergrund bewertet die Expertin die gemäßigtere Kommunikation der Europäischen Zentralbank (EZB) nach ihrer Sitzung im Juli positiv, da sie Spielraum für eine mögliche Zinspause im September schafft.
Zinserhöhungen seien als Reaktion auf Preisschocks nur begrenzt wirksam und könnten aufgrund ihrer dämpfenden Wirkung auf Investitionen und die wirtschaftliche Aktivität erhebliche Nebenwirkungen haben. Gerade Deutschland und der Euroraum benötigen jedoch dringend Investitionen.
Stattdessen sollten die Regierungen der Eurozone Maßnahmen ergreifen, um die Preise zu stabilisieren. Dazu zählen beispielsweise Senkungen der Stromsteuer oder der Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel. Diese Maßnahmen sind besonders wichtig, da die Hitzewelle 2026 sowie die anhaltenden Konflikte im Iran und der Ukraine die Verfügbarkeit raffinierter Erdölprodukte einschränken und das Risiko einer starken Nahrungsmittelverteuerung erhöhen.
Methodik des IMK Inflationsmonitors
Der IMK Inflationsmonitor basiert auf der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts. Er ermittelt typische Konsummuster verschiedener Haushalte, um die haushaltsspezifische Preisentwicklung für unterschiedliche Güter und Dienstleistungen zu berechnen. Dabei werden Ausgaben für Lebensmittel, Mieten, Energie, Kleidung, Kulturveranstaltungen und Reisen berücksichtigt. Die Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS.
Folgende neun repräsentative Haushaltstypen werden analysiert:
- Paarhaushalte mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen (2.000–2.600 Euro netto monatlich)
- Paarhaushalte mit zwei Kindern und mittlerem Einkommen (3.600–5.000 Euro netto monatlich)
- Paarhaushalte mit zwei Kindern und hohem Einkommen (über 5.000 Euro netto monatlich)
- Alleinerziehende mit einem Kind und mittlerem Einkommen (2.000–2.600 Euro netto monatlich)
- Singlehaushalte mit niedrigem Einkommen (unter 900 Euro netto monatlich)
- Singlehaushalte mit mittlerem Einkommen (1.500–2.000 Euro netto monatlich)
- Singlehaushalte mit höherem Einkommen (2.000–2.600 Euro netto monatlich)
- Singlehaushalte mit hohem Einkommen (über 5.000 Euro netto monatlich)
- Paarhaushalte ohne Kinder mit mittlerem Einkommen (3.600–5.000 Euro netto monatlich)
Der Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.
Kontakt und weiterführende Informationen
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Silke Tober
IMK-Expertin für Geldpolitik
Telefon: 0211-7778-336
E-Mail: Silke-Tober@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Telefon: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de
Weiterführende Publikationen
Silke Tober: IMK Inflationsmonitor: Inflation steigt im Juli 2026 auf 2,8 %, Kraftstoffpreise dominieren, Nahrungsmittelteuerung gering. IMK Policy Brief Nr. 221, August 2026.
Download: https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?produkt=HBS-009473
Pressemitteilung mit Abbildung (PDF): https://www.boeckler.de/data/pm_imk_2026_08_20.pdf
Interaktive Grafiken zum Inflationsmonitor: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-inflationsmonitor-51365.htm




















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Die steigenden Kraftstoffpreise treffen vor allem Familien im unteren und mittleren Einkommensbereich hart. Es braucht dringend politische Maßnahmen zur Entlastung dieser Haushalte, damit sie nicht weiter belastet werden.
Die steigenden Kraftstoffpreise sind ein Alarmsignal für unsere Gesellschaft. Familien mit niedrigem Einkommen leiden am meisten. Wir müssen jetzt gegensteuern, sonst droht weitere soziale Ungerechtigkeit!