Krankheit und Arbeitslosigkeit treiben private Überschuldung: iff-Report 2026 zeigt erhebliche finanzielle Belastungen bei Betroffenen auf.

Krankheit und Arbeitslosigkeit treiben private Überschuldung: iff-Report 2026 zeigt erhebliche finanzielle Belastungen bei Betroffenen auf.

Veröffentlichung des iff-Überschuldungsreports 2026: Krankheit und Arbeitslosigkeit als Hauptursachen für private Überschuldung

Der aktuelle iff-Überschuldungsreport 2026 analysiert die Ursachen und die finanzielle Lage der Ratsuchenden in Schuldnerberatungsstellen. Die Untersuchung bestätigt, dass Krankheit und Arbeitslosigkeit weiterhin die führenden Faktoren für private Überschuldung darstellen. Im Jahr 2025 lag der Anteil der Überschuldungsfälle, die auf Krankheit, Sucht oder Unfälle zurückzuführen sind, bei 18 Prozent und zeigt eine steigende Tendenz. Gleichzeitig ist der Anteil der Arbeitslosigkeit als Auslöser in den letzten zehn Jahren von 21 auf 15 Prozent zurückgegangen.

Finanzielle Belastungen durch Wohnkosten und soziale Rahmenbedingungen

Die Analyse verdeutlicht eine erhebliche finanzielle Belastung durch Wohnkosten bei überschuldeten Haushalten. Während die durchschnittlichen Wohnkosten in der Gesamtbevölkerung 2025 etwa 24 Prozent des Einkommens ausmachten, mussten Ratsuchende im Schnitt 38 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen. Diese Differenz unterstreicht die besondere Belastung dieser Gruppe.

Der Bericht berücksichtigt neben wirtschaftlichen Faktoren auch soziale Reformen und politische Entscheidungen in den Bereichen Wohnen, Arbeitslosigkeit, Gesundheit und Pflege, um die Überschuldungssituation umfassend darzustellen.

Besondere Risikogruppen: Alleinerziehende und Frauen

Frauen und insbesondere alleinerziehende Frauen sind in besonderem Maße von Überschuldung betroffen. Obwohl Frauen statistisch ein höheres Armutsrisiko tragen, sind sie in der Schuldnerberatung seltener vertreten als Männer. Männer weisen im Durchschnitt zwar eine höhere Schuldenlast von 37.116 Euro auf, verfügen jedoch auch über höhere Einkommen als Frauen mit durchschnittlich 28.636 Euro Schulden.

Alleinerziehende sind überproportional häufig in der Schuldnerberatung vertreten: Alleinerziehende Frauen erscheinen mehr als doppelt so häufig wie ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Die finanzielle Belastung steigt mit der Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder, bedingt durch hohe Fixkosten, unzureichende Unterhaltszahlungen und eingeschränkte Betreuungsmöglichkeiten. Besonders Alleinerziehende mit drei oder mehr Kindern sind siebenmal häufiger in der Beratung vertreten als ihr Bevölkerungsanteil. Trennungen, Scheidungen oder reduzierte Erwerbstätigkeit gelten hier als häufige Auslöser (20 Prozent).

Typische Ratsuchende und Beratungsinanspruchnahme

Der häufigste Ratsuchende in Schuldnerberatungen ist männlich, ledig und zwischen 30 und 44 Jahre alt. Diese Altersgruppe macht mit 41,04 Prozent den größten Anteil aus, was auf Lebensphasen wie Familiengründung, Immobilienerwerb oder berufliche Veränderungen zurückzuführen ist. Nur etwa 20 Prozent der Beratungsfälle leben in einer Partnerschaft.

Rechtliche Entwicklungen und Auswirkungen auf die Schuldnerberatung

Der Bericht gibt einen Überblick über die geplante Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie II, die ab dem 20. November in Kraft treten soll. Diese Richtlinie bringt verbraucherrechtliche Neuerungen, enthält jedoch weiterhin Unklarheiten, deren praktische Umsetzung in den kommenden Monaten und Jahren beobachtet und gegebenenfalls angepasst werden muss.

Im Kontext des Schuldnerberatungsdienstegesetzes (SchuBerDG) ist ein deutlicher Anstieg der Beratungsverläufe zu verzeichnen, die ausschließlich Schuldnerberatungsleistungen in Anspruch nehmen, ohne den Weg über die Insolvenzordnung zu gehen. Der Anteil dieser Beratungen stieg zwischen 2024 und 2025 von 22 auf 34 Prozent. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Kapazitäten und Zugangswege in der Beratungslandschaft auf.

Datenbasis und Ansprechpartner

Die Ergebnisse des Reports beruhen auf der Auswertung von 224.768 Fällen aus 122 Beratungsstellen, die zwischen 2014 und 2025 Schuldnerberatung in Anspruch genommen haben. Herausgeber ist das institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff), gefördert von der Stiftung Deutschland im Plus – Stiftung für private Überschuldungsprävention.

Unterstützungsangebote

Um die Hemmschwelle für die Inanspruchnahme von Schuldnerberatung zu senken, bietet die Stiftung Deutschland im Plus in Zusammenarbeit mit der Schuldnerhilfe Köln eine kostenlose und anonyme telefonische Erstberatung an. Diese ist unter der Nummer 0800/5035851 erreichbar, dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr. Zusätzlich steht das Angebot online zur Verfügung: https://www.deutschland-im-plus.de/hilfebeischulden/beratungsservice/

Weiterführende Informationen

Kontakt für wissenschaftliche Anfragen

Dr. Hanne Roggemann
E-Mail: hanne.roggemann@iff-hamburg.de

Quellenangabe

Roggemann, Hanne; Berndt, Caro; Chadi, Cornelia; Müller, Johannes; Peters, Sally (2026): iff-Überschuldungsreport 2026. Überschuldung in Deutschland. Hamburg: institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff).

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