Neues Instrument für den grenzüberschreitenden EU-Klimaschutz
Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Treibhausgasemissionen bis 2040 um 90 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Davon dürfen fünf Prozentpunkte durch Klimaschutzmaßnahmen außerhalb der EU erzielt werden. Diese Regelung ist seit Ende 2025 gesetzlich verankert. Eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) schlägt für diesen externen Anteil ein neuartiges Instrument vor: leistungsorientierte Förderfonds für Staaten. Dieses Konzept soll Fehlanreize vermeiden, den internationalen Klimaschutz stärken und die Kosten auf etwa fünf Milliarden Euro jährlich begrenzen. Die Studie ist als PIK Policy Paper auf der Website des Instituts verfügbar. Mitverfasser ist Ottmar Edenhofer, Direktor des PIK und Vorsitzender des EU-Klima-Beirats.
Internationale Flexibilität als Stabilitätsmechanismus
Ottmar Edenhofer betont, dass die internationale Flexibilität im EU-Klimaziel für 2040 nicht als Ersatz für fehlenden politischen Ehrgeiz innerhalb der EU missverstanden werden darf. Vielmehr fungiere der grenzüberschreitende Klimaschutz als Stabilitätsmechanismus, der sicherstellt, dass ambitionierte Klimapolitik in Brüssel auch unabhängig von Entscheidungen in anderen großen Wirtschaftsmächten wie China oder den USA realisierbar bleibt.
Hintergrund und Herausforderungen des internationalen Klimaschutzes
Das zweigeteilte EU-Klimaziel orientiert sich an einer umstrittenen Regelung des Pariser Klimaabkommens: Staaten können „internationale CO₂-Gutschriften“ erwerben, indem sie Emissionsminderungen im Ausland finanzieren. Kritiker sehen darin Risiken für Manipulationen, da finanzielle Unterstützung oft nur Projekte fördert, die ohnehin geplant waren, wodurch zusätzlicher Nutzen ausbleibt. Zudem besteht die Gefahr, dass Länder ihre Ausgangsbasis künstlich niedrig ansetzen, um überproportional zu profitieren. Die Studie zeigt jedoch Wege auf, diese Probleme zu umgehen.
Leistungsbezogene Förderfonds als Lösung
- Das vorgeschlagene Modell sieht vor, dass die EU über sogenannte Jurisdictional Reward Funds finanzielle Mittel bereitstellt.
- Diese Mittel werden an Entwicklungsländer und Schwellenländer vergeben, die ihre Klimapolitik nachweislich verschärfen.
- Die Förderungen erfolgen auf Grundlage eines einheitlichen, transparenten Leistungskriteriums, das für alle Länder gleichermaßen gilt.
- Die Höhe der Auszahlung richtet sich nach der relativen Verbesserung gegenüber anderen Ländern und honoriert überdurchschnittliche Anstrengungen besonders stark.
Ein Beispiel hierfür ist die Förderung des Waldschutzes, bei der Länder mit einer nachweislich geringeren Entwaldungsrate jährlich finanzielle Anreize erhalten.
Kostenschätzung und Schwerpunktsetzung
Die Studie berücksichtigt Erfahrungen mit dem kürzlich initiierten Regenwald-Fonds sowie empirische Daten zu fossilen Energiemärkten. Die Analyse zeigt, dass die EU das Instrument im kostenoptimalen Szenario zu 6 Prozent für Waldschutz, zu 32 Prozent für den Ausstieg aus Öl und Gas sowie zu 62 Prozent für den Kohleausstieg einsetzen würde. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf rund fünf Milliarden Euro im Jahr 2040. Damit könnten Emissionen in Höhe von fünf Prozent der EU-Emissionen von 1990 außerhalb der EU vermieden werden. Die Kosten pro eingesparter Tonne CO₂ liegen bei etwa 21 Euro.
Integration in den EU-Emissionshandel und internationale Auswirkungen
Der im Ausland erzielte Klimaschutz kann in den EU-Emissionshandel integriert werden. Dies trägt dazu bei, starke Preisanstiege zu vermeiden. Die Studie prognostiziert, dass der CO₂-Preis im EU-Emissionshandel für die Stromwirtschaft und energieintensive Industrien durch die schrittweise Einführung internationaler CO₂-Gutschriften zwischen 2036 und 2050 um durchschnittlich 40 bis 45 Prozent niedriger ausfallen könnte. Gleichzeitig bleibt der Anreiz zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern erhalten, da Investoren aufgrund der verstärkten internationalen Zusammenarbeit mit steigenden CO₂-Preisen außerhalb Europas rechnen.
Langfristig könnten auch andere große Emittenten wie China und die USA ähnliche Förderfonds einführen. Dies würde das Potenzial günstiger Emissionsminderungen verringern, die Kosten erhöhen und dazu führen, dass die EU einen größeren Teil ihres Klimaziels innerhalb der eigenen Grenzen erfüllen muss. Gleichzeitig würde dies die europäische Klimapolitik widerstandsfähiger machen und den globalen Klimaschutz insgesamt stärken.
Quellenangabe
Edenhofer, O., Leisinger, C., Stern, L., Kalkuhl, M. (2026): Making international carbon markets work for Europe. – PIK Policy Paper.
DOI: 10.48485/pik.2026.17




















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