Digitale Technologien stärken die Hochwasservorsorge bei Starkregen
Hochwasser und Starkregen führen zunehmend zu Schäden an Gebäuden, Verkehrswegen und technischer Infrastruktur. Während der Schutz vor Hochwasser an großen Flüssen kontinuierlich verbessert wurde, rücken nun die Gefahren durch Starkregen, kleinere Gewässer und lokale Abflusswege stärker in den Mittelpunkt. Eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) analysiert, wie digitale Anwendungen Kommunen dabei unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen, Schutzmaßnahmen gezielt zu planen und im Notfall schneller zu reagieren.
Integration digitaler Instrumente in den Vorsorgeprozess
Obwohl Hochwasser- und Starkregenereignisse nicht verhindert werden können, lassen sich deren Folgen durch umfassende Vorsorgestrategien deutlich mindern. Dazu gehört ein ganzheitlicher Ansatz, der natürlichen Wasserrückhalt, bauliche Maßnahmen im Rahmen einer klimaangepassten Stadt- und Raumplanung sowie digitale Technologien miteinander verbindet. Christian Rauch, Smart-City-Experte am BBSR, betont, dass digitale Werkzeuge einen entscheidenden Beitrag zu einer modernen Hochwasser- und Überflutungsprävention leisten.
Digitale Lösungen begleiten Kommunen entlang des gesamten Vorsorgezyklus:
- Erfassung und Analyse von Risiken
- Planung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen
- Frühwarnung und Information der Bevölkerung
Sensoren liefern in Echtzeit Daten zu Pegelständen und Niederschlägen. Datenplattformen bündeln Informationen aus verschiedenen Quellen. Urbane Digitale Zwillinge, also datenbasierte 3D-Stadtmodelle, ermöglichen Simulationen, die aufzeigen, welche Bereiche bei Starkregen besonders gefährdet sind. Dadurch lassen sich Risiken besser einschätzen, Maßnahmen präziser planen und Einsatzkräfte im Ernstfall effizient unterstützen.
Praxisbeispiele aus Modellprojekten Smart Cities
Die Studie präsentiert fünf kommunale Beispiele, die den Einsatz digitaler Technologien veranschaulichen:
- Berlin und Dresden: Einsatz digitaler Modelle und Simulationen zur Visualisierung von Starkregenabflüssen sowie zur gezielten Planung blau-grüner Infrastruktur wie Parks und Retentionsflächen.
- Eifelkreis Bitburg-Prüm: Verbesserung der Datengrundlage an kleineren Gewässern durch Sensoren und Entwicklung eines KI-basierten Frühwarnsystems.
- Solingen: Nutzung von Umweltsensoren und digitalen Kommunikationskanälen zur gezielten Information der Bevölkerung bei Extremwetter.
- Landkreis Hof: Einsatz eines digitalen Zwillings zur Darstellung von Hochwasserrisiken sowie Zusammenführung von Daten, Analysen und Fachwissen in einer zentralen Beratungsstelle für 27 Kommunen.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass digitale Technologien klassische Schutzmaßnahmen wie Rückhalteräume oder technische Anlagen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie erhöhen die Transparenz von Risiken, verbessern Entscheidungsgrundlagen und beschleunigen Warnprozesse. Der größte Nutzen entsteht, wenn digitale Lösungen auf lokale Gegebenheiten abgestimmt und in bestehende Vorsorgestrukturen integriert werden.
Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz digitaler Lösungen
Für eine effektive Nutzung digitaler Anwendungen benötigen Kommunen verlässliche Daten, klare Zuständigkeiten sowie eine enge Kooperation zwischen Verwaltung, Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und weiteren Fachbereichen. Zudem ist es wichtig, digitale Werkzeuge dauerhaft in kommunale Abläufe einzubinden und das erforderliche Know-how vor Ort aufzubauen.
Publikation und Hintergrund
Die Veröffentlichung „Digitale Lösungen zur Hochwasservorsorge bei Starkregen“ richtet sich an Kommunen, die ihre Vorsorge gegen Hochwasser weiterentwickeln wollen. Sie fasst praktische Erfahrungen zusammen und zeigt, wie datenbasierte Ansätze ein proaktives Risikomanagement ermöglichen.
Die Studie entstand im Rahmen der Begleitforschung zum Programm Modellprojekte Smart Cities. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Die Erarbeitung erfolgte durch das Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB) und RSUP Rabe Strategic Urban Planning.
Kontakt
Christian Schlag
Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stab Direktor und Professor
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
Deichmanns Aue 31–37
53179 Bonn
Telefon: +49 228 99 401-1484
E-Mail: pressestelle.bbsr@bbr.bund.de
Über das BBSR
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) unterstützt die Bundesregierung als Ressortforschungseinrichtung bei Fragestellungen der Stadt- und Raumentwicklung sowie des Wohnungs-, Immobilien- und Bauwesens.



















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