Studie zeigt: Spezifische Stressfaktoren erfordern maßgeschneiderte Bewältigungsstrategien im Job – Unternehmen tragen Verantwortung.

Studie zeigt: Spezifische Stressfaktoren erfordern maßgeschneiderte Bewältigungsstrategien im Job – Unternehmen tragen Verantwortung.

Unterschiedliche Stressfaktoren erfordern spezifische mentale Ressourcen

Ein Forschungsprojekt der Universität Liechtenstein verdeutlicht, dass verschiedene berufliche Belastungen jeweils eigene psychische Bewältigungsstrategien erfordern. Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass Unternehmen die Verantwortung für Stressmanagement nicht ausschließlich auf die Mitarbeitenden übertragen dürfen.

Untersuchung der Stressbewältigung im Arbeitsalltag

Stress am Arbeitsplatz kann sich vielfältig äußern – sei es durch Zeitdruck, anspruchsvolle Aufgaben oder den Umgang mit schwierigen Kunden. Ein Team der Liechtenstein Business School, darunter Sebastian Moder, Marco Furtner und Alexandra Hoffmann, analysierte in einer Studie, wie Beschäftigte diesen Belastungen begegnen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Acta Psychologica veröffentlicht.

Im Rahmen eines Laborexperiments wurden 460 Vollzeitbeschäftigte einem zehnminütigen Stresstest unterzogen, bei dem sie konzentrierte Gedächtnisaufgaben am Computer lösten. Die Probanden wurden in vier Gruppen eingeteilt und unterschiedlichen Stresssituationen ausgesetzt:

  • Arbeiten unter starkem Zeitdruck
  • Bewältigung komplexer Denkaufgaben
  • Ablenkung durch emotional aufgeladene Gesichter
  • Kontrollgruppe mit Basisaufgaben

Spezifität psychischer Schutzmechanismen

Die Studie vergleicht die Dynamik zwischen beruflichen Anforderungen und psychischen Ressourcen mit einer Wippe: Auf der einen Seite lasten die Belastungen, auf der anderen Seite wirken individuelle Schutzfaktoren entgegen. Dabei zeigte sich eine klare Passungslogik, da nicht jede Ressource gegen alle Stressarten gleichermaßen wirksam ist.

Ergebnisse im Überblick

  • Resilienz: Diese innere Widerstandskraft mildert sowohl komplexe Denkaufgaben als auch emotionale Belastungen ab. Zusammen mit Hoffnung und Optimismus blieb sie im Test trotz Stress relativ stabil.
  • Selbstwirksamkeit: Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schützt vor emotionalem Stress, ist jedoch anfällig gegenüber hohem Zeitdruck und überfordernden Aufgaben, die das Selbstvertrauen kurzfristig schwächen können.
  • Achtsamkeit: Sie unterstützt Beschäftigte darin, schwierige Anforderungen eher als Chance zur persönlichen Entwicklung denn als Bedrohung wahrzunehmen.
  • Emotionale Anforderungen: Diese stellten im Experiment die größte Herausforderung dar. Die Teilnehmenden empfanden die ständige Gefühlsregulation oft als hinderlich und sahen darin kaum Potenzial für Wachstum.

Methodische Einschränkungen

Die Autoren weisen darauf hin, dass das Laborexperiment nur kurzfristige Stressreaktionen erfassen konnte. Die Auswirkungen chronischer Belastungen müssen in Langzeitstudien weiter untersucht werden. Zudem fehlt in der Simulation die soziale Komplexität echter emotionaler Arbeit, wie sie im direkten Kundenkontakt auftritt, bei der Mitarbeitende ihre Gefühle unterdrücken müssen.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Die Wissenschaftler appellieren an Unternehmen, individuelle Resilienz oder Achtsamkeit nicht als Ersatz für strukturelle Verbesserungen am Arbeitsplatz zu betrachten. Ein pauschales Stressmanagement ist nicht zielführend. Stattdessen empfehlen sie eine differenzierte Personalpolitik, die psychosoziale Risiken genau erfasst und gezielte Maßnahmen ableitet:

  • Bei Zeitdruck und kognitiver Belastung sollten realistische Arbeitsmengen, klare Prioritäten, gezielte Kompetenzförderung sowie konstruktives Feedback eingesetzt werden, um die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden zu stärken.
  • Bei emotional belastender Arbeit sind betriebliche Unterstützungsangebote, mehr Handlungsspielraum und Regelungen notwendig, die einen authentischen Ausdruck von Gefühlen ermöglichen.

Fazit

Um Stress im Unternehmen wirksam zu begegnen, ist es unerlässlich, die Belastungen systematisch zu analysieren und persönliche Entwicklung mit verbesserten Arbeitsbedingungen zu verknüpfen. Die Verantwortung darf nicht allein auf die psychische Widerstandskraft der Mitarbeitenden abgewälzt werden.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Sebastian Moder, Universität Liechtenstein

Originalpublikation:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0001691826012758?via%3Dihub

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