Textilreste: Schlüsselressource für nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Möbelstoffeherstellung.

Textilreste: Schlüsselressource für nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Möbelstoffeherstellung.

Textilreste als wertvolle Ressource für nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Nach rund zweieinhalb Jahren intensiver Forschung und Entwicklung zogen die Partner des Projekts RecyTube Ende Juni bei der Firma Rohleder in Konradsreuth eine positive Bilanz. Das vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie geförderte Vorhaben hatte das Ziel, textile Produktionsreste in hochwertige Materialien und neue Anwendungen umzuwandeln. Damit sollten innovative Ansätze für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Textilbranche geschaffen werden. Obwohl die Projektlaufzeit nun endet, sollen zahlreiche Entwicklungen und Konzepte weiterhin verfolgt werden.

Fokus auf textile Produktionsreste aus der Möbelstoffherstellung

Im Zentrum von RecyTube stand die Frage, wie textile Reststoffe aus der Fertigung hochwertiger Möbelstoffe sinnvoll weiterverarbeitet werden können. Insbesondere Webleisten, Garnreste und Produktionsabfälle, die bisher aufgrund ihrer Materialmischungen häufig entsorgt oder energetisch verwertet wurden, sollten als wertvolle Rohstoffe betrachtet werden.

Projektmanagerin Melanie Peter betonte: „Es ist sinnvoll, den Anteil an Recyclingfasern zu erhöhen und den Verbrauch neuer Fasern zu reduzieren.“ Dieser Ansatz ist mittlerweile fester Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie bei Rohleder.

Systematische Analyse und mechanische Aufbereitung

Zu Beginn des Projekts wurden die anfallenden Garnreste systematisch gesammelt und untersucht. Der Schwerpunkt lag auf längeren Fasern, die sich für eine hochwertige Wiederverwertung eignen. Im Verlauf von RecyTube gelang es, Materialien mit einem Recyclinganteil von etwa zwei Dritteln herzustellen, während der Anteil an Neufasern („Virgin Materials“) lediglich rund 33 Prozent betrug.

Ein weiteres Ziel bestand darin, auf Zusatzstoffe und Additive in den Materialmischungen zu verzichten, um einen möglichst reinen und nachvollziehbaren Materialkreislauf zu gewährleisten. Dies erläuterte Leni Rohleder, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Rohleder.

Wissenschaftliche Begleitung und Herausforderungen der Skalierung

Die Hochschule Hof begleitete die wissenschaftliche Arbeit maßgeblich. Im Fokus standen die Entwicklung mechanischer Verfahren zur Aufbereitung und Wiederverwendung der textilen Reststoffe. Chemische Recyclingverfahren wurden aufgrund hoher Kosten und der Materialmischungen als weniger geeignet eingestuft.

Felix Hacker vom Institut für Materialwissenschaften berichtete von stabilen und gleichmäßigen Ergebnissen bei der Materialentwicklung, die nach mehrfacher Aufbereitung erzielt wurden. Dennoch stellte das Projekt die Beteiligten vor Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich der Skalierbarkeit. Melanie Peter erklärte, dass es häufig an Zwischengrößen für die Erprobung neuer Prozesse fehle.

Integration von Design und Funktionalität

Das Design spielte ebenfalls eine zentrale Rolle. Die Designerin Paula Holzhauser, Absolventin der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, entwickelte gemeinsam mit den Projektpartnern Konzepte für Sitzmöbel aus den neu entstandenen Materialien. Die Gestaltung eines Hockers stellte dabei eine besondere Herausforderung dar, da Stabilität, Wirtschaftlichkeit und ästhetische Ansprüche in Einklang gebracht werden mussten. Zudem wurde die industrielle Serienfertigung als Ziel definiert.

Bewältigung unerwarteter Schwierigkeiten

Während der Projektlaufzeit mussten die Beteiligten auch unvorhergesehene Probleme bewältigen, wie den Ausfall eines wichtigen regionalen Zulieferers, der ersetzt werden musste. Katja Rödel von BWFprotec bezeichnete RecyTube als eines der anspruchsvollsten Projekte der letzten Jahre. Die Akzeptanz innerhalb des Unternehmens wuchs mit den sichtbaren Erfolgen, sodass das Projekt heute aktiv von den Mitarbeitenden unterstützt wird.

Fortführung der Entwicklungen und Ausblick

Obwohl das Projekt offiziell abgeschlossen ist, sehen die Partner weiterhin Potenzial. Die Optimierung des Hockers ist noch nicht abgeschlossen, insbesondere hinsichtlich der Kostenstruktur. Alexandra Luft vom Institut für Materialwissenschaften betonte, dass die technischen Grundlagen für eine wettbewerbsfähige industrielle Umsetzung geschaffen wurden. Erste Präsentationen erfolgten bereits bei den Coburger Designtagen, weitere Auftritte sind unter anderem auf der internationalen Büromöbelmesse Orgatec in Köln geplant.

Die Projektpartner bewerten RecyTube als mehr als ein Forschungsprojekt. Melanie Peter erklärte, dass die Zusammenarbeit erfolgreich war und weitere gemeinsame Projekte angestrebt werden. Alexandra Luft kündigte Gespräche mit Rohleder zu neuen Projektideen an.

Das Fazit lautet, dass textile Produktionsreste nicht nur recycelbar sind, sondern auch das Potenzial besitzen, eine zentrale Rolle in zukünftigen Materialkreisläufen der Textilindustrie einzunehmen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

  • Alexandra Luft, Institut für Materialwissenschaft der Hochschule Hof (ifm)

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