Automatisierte Kindergeldauszahlung: Entlastung für Familien durch Reform
Der Deutsche Bundestag hat am 9. Juli 2026 eine Gesetzesänderung beschlossen, die vorsieht, dass Kindergeld künftig automatisch nach der Geburt eines Kindes ausgezahlt wird, ohne dass Eltern einen Antrag stellen müssen. Das Gesetz tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft.
Automatisierter Ablauf der Kindergeldauszahlung
Im neuen Verfahren informiert das Standesamt unmittelbar nach der Geburt das Bundeszentralamt für Steuern, welches wiederum die Familienkasse benachrichtigt. Diese überweist das Kindergeld dann direkt an die Eltern, wodurch das bisherige Antragsverfahren entfällt.
Studie zur Wirkung automatisierter Verwaltungsverfahren
Eine aktuelle Untersuchung von drei Wirtschaftsprofessoren aus Berlin, Frankfurt und Würzburg analysiert die Auswirkungen solcher Reformen auf den Zeit- und Stressaufwand der Betroffenen. Die Studie basiert unter anderem auf einer Befragung der deutschen Bevölkerung zu den Themen Kindergeld, Elterngeld und Steuererklärung. Der untersuchte Reformvorschlag zum Kindergeld entspricht dem nun verabschiedeten Gesetz.
Erhebliche Zeitersparnis und reduzierte Belastung
- Eltern können durch das antragslose Kindergeld durchschnittlich fast vier Stunden an Verwaltungszeit einsparen, was etwa 80 % weniger Aufwand gegenüber dem bisherigen Verfahren bedeutet.
- Die mentale Belastung, gemessen an Komplexität, Stress und Unsicherheit, sinkt laut Befragung um 1,5 bis 2,5 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10.
- Besonders für junge Eltern, die viele administrative Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen, stellt diese Zeitersparnis eine bedeutende Entlastung dar.
- Kombinierte Vereinfachungen bei Kinder- und Elterngeld könnten laut Berechnungen einen jährlichen Wert von bis zu 107 Millionen Euro an eingesparter Zeit darstellen.
Potenziale in weiteren Verwaltungsbereichen
Die Studie weist zudem auf erhebliche Erleichterungen durch automatisierte Verfahren in anderen Bereichen hin, beispielsweise bei der Steuererklärung. Das dänische Modell, bei dem die Steuerbehörde die Daten vorerfasst und die Steuerpflichtigen diese nur noch prüfen müssen, könnte in Deutschland eine Zeitersparnis von durchschnittlich über drei Stunden pro Person bewirken.
Politische Umsetzung und wissenschaftliche Begleitung
Die Wissenschaftler betonen, dass die Politik Rahmenbedingungen schaffen muss, die unnötigen Verwaltungsaufwand reduzieren. Pilotprojekte wie das in Hessen gestartete Modell „Die Steuer macht jetzt das Amt für Sie“ sollten als Vorbild dienen und auf weitere Bundesländer ausgeweitet werden.
Die Bundesregierung plant, auf Basis gemeinsamer Vorschläge von Bund und Ländern, eine digitale, automatisch vorausgefüllte Steuererklärung einzuführen. Die Experten unterstreichen die Notwendigkeit einer umfassenden wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation solcher Reformen.
Details zur Studie
- Teilnehmer: Rund 500 Eltern mit kleinen Kindern sowie etwa 1.000 steuerpflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland.
- Untersuchte Aspekte:
- Aktueller Zeitaufwand und empfundene Belastung bei Kindergeld-, Elterngeldanträgen und Steuererklärung
- Erwartungen an Zeitersparnis und Stressreduktion bei automatisierten Verfahren
- Bewertung des Geldwerts der eingesparten Zeit
- Einschätzungen zu Datenschutz, Vertrauen und weiteren Auswirkungen der Reformen
Kontakt der wissenschaftlichen Ansprechpartner
Prof. Dr. Steffen Altmann, Universität Würzburg, steffen.altmann@uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Andreas Grunewald, Frankfurt School of Finance & Management, a.grunewald@fs.de
Prof. Dr. Jonas Radbruch, Humboldt-Universität zu Berlin, jonas.radbruch@hu-berlin.de
Originalpublikation
Die Studie „The Double Dividend of Attention-Releasing Policies“ steht als PDF zum Download bereit: https://sites.google.com/site/steffenaltmann/home/research




















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