KI-Agenten im Prozessmanagement: Grenzen statt starrer Vorgaben für kontrollierte Handlungsräume

KI-Agenten im Prozessmanagement: Grenzen statt starrer Vorgaben für kontrollierte Handlungsräume

Prozessgestaltung für KI-Agenten: Grenzen statt vollständiger Ablaufpläne

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT hat in einem aktuellen Whitepaper mit dem Titel „Vom starren Ablauf zum hybriden Handlungsraum: Prozessmanagement im Zeitalter agentischer künstlicher Intelligenz“ aufgezeigt, wie Unternehmen agentische KI-Systeme in ihre Geschäftsprozesse integrieren können, ohne dabei die Kontrolle und Nachvollziehbarkeit zu verlieren. Im Fokus steht dabei die Entwicklung kontrollierter Handlungsräume für autonome KI-Agenten anstelle der vollständigen Vorgabe starrer Prozessabläufe.

Herausforderungen bei der Integration agentischer KI

Eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen an agentische KI und deren tatsächlicher Umsetzung bildet den Ausgangspunkt der Analyse. Gartner prognostiziert, dass bis 2028 etwa 15 Prozent der alltäglichen Arbeitsentscheidungen autonom von KI-Agenten getroffen werden. Gleichzeitig wird erwartet, dass über 40 Prozent der Projekte mit agentischer KI bis Ende 2027 eingestellt werden – hauptsächlich aufgrund steigender Kosten, unklarer Nutzenbewertungen und mangelnder Kontrollmechanismen.

Unterschiedliche Prozesslogiken im Spannungsfeld

Das Whitepaper führt diese Problematik auf die Divergenz zweier Prozessansätze zurück:

  • Das klassische, imperative Prozessmanagement definiert Abläufe Schritt für Schritt.
  • Agentische Systeme hingegen interpretieren Ziele eigenständig, planen Zwischenetappen und passen ihre Vorgehensweise dynamisch an.

Als Lösungsansatz schlagen die Forschenden hybride Prozessarchitekturen vor, bei denen deklarative Handlungsräume innerhalb eines imperativen Rahmens mit verbindlichen Kontrollpunkten eingebettet werden. Dadurch verschiebt sich der Fokus des Prozessmanagements vom detaillierten Ablauf zur Festlegung klarer Grenzen.

Neuausrichtung der Prozesssteuerung

Prof. Dr. Maximilian Röglinger, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bayreuth und stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer FIT, betont: „Die zentrale Frage lautet künftig nicht mehr, wie der optimale Ablauf aussieht, sondern wo die Grenzen des Handlungsraums definiert sind und an welchen Stellen menschliches Eingreifen erforderlich ist.“ So lässt sich die Flexibilität agentischer KI nutzen, ohne Compliance, Verantwortlichkeit und Auditierbarkeit zu gefährden.

Es wird zudem hervorgehoben, dass nicht alle Prozesse von autonomer KI profitieren. Für stabile und standardisierbare Routineabläufe bleibt klassische Automatisierung oft wirtschaftlicher. KI-Agenten bieten insbesondere bei wissensintensiven, variantenreichen und dynamischen Aufgaben einen Mehrwert.

Praktische Handlungsempfehlungen und Rollenwandel

Das Whitepaper stellt einen Entscheidungsrahmen mit sechs Dimensionen vor, darunter Strukturierungsgrad, Risiko, Governance, Dynamik und Wirtschaftlichkeit. Ergänzend werden konkrete Handlungsfelder sowie fünf Leitfragen zur Bewertung der eigenen Prozesslandschaft präsentiert.

Darüber hinaus verändern sich etablierte Rollen im Prozessmanagement: Der Process Owner entwickelt sich zum Orchestrator, der Handlungsräume definiert, Autonomiegrade festlegt und Eskalationsmechanismen steuert.

Weiterführende Informationen

Das vollständige Whitepaper steht kostenfrei zum Download bereit unter: https://s.fhg.de/Prozessmanagement-im-Zeitalter-agentischer-kuenstlicher-Intelligenz

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