Diebold Nixdorf und Fraunhofer IEM: Nachhaltige Produktentwicklung durch gezielte Analyse von Umweltwirkungen in Geldkassetten.

Diebold Nixdorf und Fraunhofer IEM: Nachhaltige Produktentwicklung durch gezielte Analyse von Umweltwirkungen in Geldkassetten.

Entscheidungsgrundlagen für nachhaltigere Produktentwicklung: Kooperation zwischen Diebold Nixdorf und Fraunhofer IEM

Im Rahmen des it’s OWL-Projekts Sustainable Lifecycle Engineering (SLE) analysierten Diebold Nixdorf und das Fraunhofer IEM die Umweltwirkungen einer Geldkassette, einem wesentlichen Bestandteil von Geldautomaten. Die Untersuchung ergab, dass etwa 85 % der Umweltbelastungen auf lediglich zwei Bauteile zurückzuführen sind: das Gehäuse und die verbaute Elektronik. Diese Erkenntnis unterstreicht die Bedeutung fundierter Daten bereits in frühen Phasen der Produktentwicklung.

Frühe Entwicklungsphasen als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Die Umweltwirkungen eines Produkts werden maßgeblich durch Entscheidungen beeinflusst, die lange vor Produktion, Nutzung oder Recycling getroffen werden. Ingenieurinnen und Ingenieure bestimmen in der Entwicklungsphase unter anderem Materialien, Elektronik, Energieverbrauch, Reparierbarkeit und Kreislauffähigkeit. Allerdings ist oft unklar, welche Maßnahmen den größten Effekt auf die Umweltbilanz haben. Das Forschungsprojekt SLE widmete sich genau dieser Fragestellung.

Zentrale Hebel für nachhaltige Produktgestaltung

Die Analyse der Geldkassette zeigte, dass ein Großteil der Umweltwirkungen auf zwei Komponenten konzentriert ist. Dies ermöglicht eine gezielte Fokussierung der Entwicklungsressourcen auf diese Bereiche. Luca Twardzik, Sustainability-Experte und Projektleiter am Fraunhofer IEM, erklärt: „Solche Analysen schaffen Transparenz darüber, wo Umweltwirkungen entstehen und welche Bauteile das größte Potenzial für Verbesserungen bieten. Dadurch können Handlungsbedarfe frühzeitig erkannt und Maßnahmen gezielt bewertet werden.“

Für Unternehmen bedeutet dies, dass Nachhaltigkeitsbemühungen nicht pauschal über das gesamte Produkt verteilt, sondern auf konkrete Komponenten und relevante Lebenszyklusphasen fokussiert werden können, um maximale Wirkung zu erzielen.

Integration von Nachhaltigkeit in das Systems Engineering

Im Projekt SLE kamen Methoden des modellbasierten Systems Engineerings (MBSE) zum Einsatz. Dabei werden Produkte und deren Eigenschaften in digitalen, grafischen Modellen abgebildet, was den Vergleich verschiedener Varianten und die Bewertung von Entscheidungen vor der Umsetzung ermöglicht.

Die Projektpartner erweiterten diesen Ansatz um Nachhaltigkeitsaspekte und entwickelten unterstützende Werkzeuge, die auf der it’s OWL-Innovationsplattform bereitgestellt werden. Diese Hilfsmittel helfen Entwicklungsteams, relevante Umweltschwerpunkte zu identifizieren, geeignete Maßnahmen abzuleiten und verbesserte Produktkonzepte für zukünftige Generationen zu evaluieren. Beispiele hierfür sind der Einsatz von Rezyklaten bei Kunststoffteilen oder Anpassungen an besonders umweltrelevanten Bauteilen.

Datenmanagement als Grundlage für nachhaltige Entwicklung

Eine transparente Erfassung von Produkt- und Lebenszyklusdaten sowie ein strukturiertes Datenmanagement über den gesamten Produktlebenszyklus sind essenziell. Im Projekt SLE lag der Fokus zunächst darauf, bei den beteiligten Unternehmen Diebold Nixdorf, Harting, Miele und Wago vorhandene Daten sichtbar zu machen, zu strukturieren und für weitere Analysen aufzubereiten.

Stephan Kunert, Projektleiter bei Diebold Nixdorf, betont: „Die Ergebnisse des SLE-Projekts erhöhen unsere Transparenz bezüglich Prozesse, Zusammenhänge und Abhängigkeiten unserer Produkte. Dies unterstützt uns dabei, Nachhaltigkeit systematisch in Entwicklungsentscheidungen zu integrieren und liefert eine belastbare Datengrundlage für zukünftige Anwendungen, beispielsweise im Bereich Künstliche Intelligenz.“

Informationen zum Forschungsprojekt Sustainable Lifecycle Engineering

Das Projekt Sustainable Lifecycle Engineering (SLE) wurde im Rahmen des Spitzenclusters it’s OWL durchgeführt und vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Ziel war es, Entwicklungsteams und Produktmanagement zu befähigen, Nachhaltigkeitsaspekte bereits in frühen Entwicklungsphasen systematisch zu berücksichtigen.

Beteiligte Partner waren die Industrieunternehmen Diebold Nixdorf, HARTING, Miele, WAGO und Siemens Industry Software sowie das Fraunhofer IEM, das Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn und das Wuppertal Institut.

Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

  • Luca Twardzik, Sustainability-Experte und Projektleiter am Fraunhofer IEM
  • Email: jan.luca.twardzik@iem.fraunhofer.de

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