Studie zeigt: Gespräche anregen – Ratschläge holen stärkt beide Seiten und steigert die Bereitschaft um fast 40 Prozent.

Studie zeigt: Gespräche anregen – Ratschläge holen stärkt beide Seiten und steigert die Bereitschaft um fast 40 Prozent.

Häufigeres Einholen von Ratschlägen durch Bewusstsein der Vorteile für den Gesprächspartner

Das Einholen von Ratschlägen bringt beiden Seiten Vorteile: Der Ratgebende fühlt sich wertgeschätzt und erhält neue Erkenntnisse. Dieses Wissen kann langfristig auch für Unternehmen von Bedeutung sein. Eine aktuelle Untersuchung des Exzellenzclusters ECONtribute unter der Leitung von Professorin Dr. Anne Burmeister zeigt, wie sich Hemmschwellen beim Ratfragen reduzieren lassen.

Hintergründe und Problemstellung

Viele Menschen zögern, andere um Rat zu bitten, da sie befürchten, eine Belastung darzustellen oder Zeit zu beanspruchen. Diese Zurückhaltung führt dazu, dass wertvolle Unterstützung und hilfreiche Kontakte ungenutzt bleiben. Die Psychologie beschreibt dieses Phänomen als „Illusion der Unausgewogenheit“: Ratsuchende nehmen an, nur sie profitierten vom Gespräch, während der Ratgebende keinen Nutzen ziehe.

Ergebnisse der Studie

Die Studie mit dem Titel „A Prosocial Perspective on Advice Seeking and Networking: How Focusing on What Advice Givers Can Gain Motivates Advice Seekers to Reach Out More“ wurde im „Academy of Management Journal“ veröffentlicht. Darin wurde untersucht, ob sich das Verhalten von Ratsuchenden ändert, wenn sie explizit auf die Vorteile für die beratende Person hingewiesen werden. Das Ergebnis zeigt, dass die Kontaktaufnahme um fast 40 Prozent zunimmt, wenn Ratsuchende wissen, dass auch der Ratgebende vom Austausch profitiert. Die Qualität der erhaltenen Ratschläge bleibt dabei konstant hoch.

Methodik

  • Zwei kontrollierte Feldexperimente mit Arbeitssuchenden, die Informationen zu Karrierewegen, Unternehmen oder Branchen einholten.
  • Vier ergänzende Online-Experimente mit Berufstätigen aus verschiedenen Branchen.

Die Untersuchungen zeigten, dass der Effekt besonders ausgeprägt ist, wenn Ratsuchende sich an unbekannte oder statushohe Personen wenden – Situationen, in denen üblicherweise die größte Zurückhaltung besteht. Die angewandte Intervention benötigt weniger als eine Stunde und ist somit effizient umsetzbar.

Praktische Implikationen

Professorin Burmeister betont, dass das Bewusstsein über die Vorteile für Ratgebende ein effektives Mittel darstellt, um Ängste vor einer Belastung anderer zu überwinden und die eigenen Netzwerke aktiver zu nutzen. Dies kann die persönliche Entwicklung fördern und berufliche Chancen verbessern.

Empfohlen wird, diese Erkenntnisse in Schulungen und Karriereberatungen zu integrieren. Unternehmen können davon profitieren, indem sie den Wissensaustausch über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg stärken, beispielsweise bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitender.

Über den Exzellenzcluster ECONtribute

Der Exzellenzcluster ECONtribute, eine Kooperation der Universitäten Bonn und Köln, widmet sich der Analyse gesellschaftlicher und technologischer Herausforderungen wie Finanzkrisen, Ungleichheit, politischer Polarisierung, Digitalisierung und Klimawandel. Interdisziplinäre Forschungsteams entwickeln innovative Ansätze zur Analyse von Märkten und Politik.


Kontakt für wissenschaftliche Anfragen

Professorin Dr. Anne Burmeister
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Exzellenzcluster ECONtribute
Telefon: +49 221 470 5887
E-Mail: burmeister@wiso.uni-koeln.de


Originalpublikation

https://doi.org/10.5465/amj.2024.0635

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