Neue Sozialreform: Zusammenlegung von Wohngeld und Kinderzuschlag soll finanzielle Anreize für Geringverdienende schaffen

Neue Sozialreform: Zusammenlegung von Wohngeld und Kinderzuschlag soll finanzielle Anreize für Geringverdienende schaffen

Finanzielle Arbeitsanreize für Empfänger sozialer Leistungen: Erkenntnisse aus Mikrosimulationen

Im Auftrag der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission zur Sozialstaatsreform haben das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie das ifo Institut die Auswirkungen zweier grundlegender Reformansätze analysiert. Dabei wurden die Effekte des Zusammenführens von Wohngeld und Kinderzuschlag in einer reformierten Grundsicherung mit veränderten Hinzuverdienstregeln sowie die Zusammenlegung dieser Leistungen zu einer neuen vorgelagerten Sozialleistung verglichen.

Ergebnisse der Mikrosimulationen

Kerstin Bruckmeier vom IAB erläutert, dass die Integration von Wohngeld und Kinderzuschlag in eine Grundsicherung mit angepassten Hinzuverdienstregelungen überwiegend zu fiskalischen Einsparungen führen würde. Die neuen Regeln bewirken, dass geringere Erwerbseinkommen stärker angerechnet werden, während höhere Einkommen weniger stark berücksichtigt werden. Dies verschlechtert kurzfristig die Situation von Haushalten mit sehr niedrigem Einkommen, schafft jedoch Anreize, das Arbeitsangebot zu erhöhen.

Maximilian Blömer vom ifo Institut ergänzt, dass mittelfristig mit einer Ausweitung des Arbeitsangebots von Geringverdienenden zu rechnen ist, sofern Haushalte mit Kindern und höheren Arbeitszeiten, die aktuell Wohngeld und Kinderzuschlag erhalten, nicht benachteiligt werden. Diese Reformvariante entspricht der zentralen Empfehlung der Kommission, ein einheitliches Sozialleistungssystem zu etablieren, das die Beschäftigung in Vollzeitnähe fördert.

Bei einer Zusammenlegung von Wohngeld und Kinderzuschlag nach dem Wohngeldprinzip sind moderate fiskalische Einsparungen bei leicht positiven Effekten auf das Arbeitsangebot zu erwarten. Wird eine Kinderkomponente in die Wohngeldformel integriert, entstehen Mehrkosten, die jedoch mit stärkeren positiven Reaktionen im Arbeitsangebot einhergehen. Eine Zusammenführung nach der Logik der Grundsicherung zeigt überwiegend moderate positive Arbeitsangebotsreaktionen bei fiskalischen Einsparungen. Deutliche Steigerungen im Arbeitsangebot sind nur bei fiskalischen Mehrkosten und konstant niedriger Transferentzugsrate möglich.

Methodik

Die Analyse basiert auf zwei verhaltensbasierten Mikrosimulationsmodellen, die eine Abschätzung erlauben, wie Änderungen im Steuer- und Transfersystem individuelle Arbeitsanreize, Haushaltseinkommen sowie die öffentlichen Finanzen beeinflussen.

Die detaillierten Ergebnisse und die methodischen Grundlagen sind im Bericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales dokumentiert: https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Forschungsberichte/fb-681-mikrosimulation-reformoptionen-steuerfinanzierter-sozialleistungen.pdf.

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