EU-CO₂-Grenzausgleich motiviert Drittstaaten zur Einführung eigener Klimapreise und könnte weltweit 73% CO₂-Emissionen einsparen.

EU-CO₂-Grenzausgleich motiviert Drittstaaten zur Einführung eigener Klimapreise und könnte weltweit 73% CO₂-Emissionen einsparen.

EU-CO₂-Grenzausgleich fördert globale Klimapolitik

Seit Anfang 2026 hat die Europäische Union ihre CO₂-Bepreisung auf ausgewählte Importprodukte aus Drittstaaten ausgeweitet. Der sogenannte Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) verpflichtet Lieferanten CO₂-intensiver Waren, eine Klimazollgebühr zu entrichten, sofern im Ursprungsland kein vergleichbares Bepreisungssystem existiert. Eine aktuelle Studie zeigt, dass dieser Mechanismus Handelspartner dazu motivieren könnte, eigene CO₂-Preise einzuführen. Besonders Kanada, Japan, Taiwan und Südkorea werden als potenzielle Mitglieder einer solchen Klima-Koalition identifiziert. Dadurch ließen sich weltweit 73 Prozent mehr CO₂-Emissionen einsparen als bei einer alleinigen Umsetzung der EU-Klimapolitik.

Studie und Methodik

Die Untersuchung, die im Peer-Review-Verfahren geprüft wurde, ist auf der Webseite des Journal of the Association of Environmental and Resource Economists (JAERE) verfügbar und erscheint im November 2026 in der Printausgabe. Federführend war das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Der Leitautor Timothé Beaufils erläutert: „Der CBAM soll die europäische Industrie bei der Dekarbonisierung unterstützen und Wettbewerbsfähigkeit sichern. Gleichzeitig ist die Wirkung auf Drittstaaten von großer Bedeutung.“ Erste Reaktionen aus Ländern wie Brasilien und der Türkei zeigen bereits, dass der Mechanismus Impulse für eigene CO₂-Bepreisungen setzen kann. Die Studie verwendet ein eigens entwickeltes ökonomisches Modell, das Handelsökonomie mit spieltheoretischen Ansätzen kombiniert. Anhand von Handelssimulationen wird analysiert, ob Länder den Klimazoll zahlen oder eigene CO₂-Preise einführen und sich so der Klima-Koalition anschließen.

Ergebnisse der Modellanalyse

  • Derzeit gilt der CO₂-Grenzausgleich für Stahl, Eisen, Aluminium, Zement, Düngemittel, Elektrizität und Wasserstoff.
  • Das Modell basiert auf empirischen Daten zu Warenströmen aus 56 Wirtschaftssektoren in 43 Ländern und simuliert exemplarisch einen CO₂-Preis von 100 US-Dollar pro Tonne.
  • Ohne CBAM reduziert der EU-CO₂-Preis die heimischen Emissionen um 505 Millionen Tonnen jährlich, global sinken sie jedoch nur um 305 Millionen Tonnen. Dies liegt an erhöhten Importen energieintensiver Produkte und niedrigeren Weltmarktpreisen für fossile Energien, was den sogenannten Carbon Leakage-Effekt verursacht und 40 % des Emissionsrückgangs in Europa zunichtemacht.
  • Mit CBAM verringert sich der Carbon Leakage-Effekt auf 15 %, und die globalen Emissionen sinken um 399 Millionen Tonnen.
  • Reagieren Handelspartner mit eigenen CO₂-Preisen, steigt die globale Emissionsminderung auf 691 Millionen Tonnen – ein Plus von 73 % gegenüber der alleinigen EU-Maßnahme. Kanada, Japan, Südkorea und Taiwan werden als Mitglieder dieser Klima-Koalition identifiziert.

Weitere Simulationen legen nahe, dass eine Ausweitung des CBAM auf zusätzliche Sektoren weitere Länder, darunter die USA, zur Teilnahme bewegen könnte. China würde dem Modell zufolge nur bei einem CO₂-Preis unter 20 US-Dollar pro Tonne beitreten. Trotz Abhängigkeit der genauen Zahlen von Modellannahmen bleibt der zentrale Befund stabil: Der EU-Grenzausgleich fördert die Einführung von CO₂-Bepreisungen in anderen Staaten.

Schlussfolgerungen

Leonie Wenz, Co-Autorin der Studie, fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse bestätigen die Hypothese eines Brüssel-Effekts, bei dem EU-Maßnahmen aufgrund der globalen Bedeutung europäischer Lieferketten auch außerhalb der EU Wirkung entfalten. Dies kann entscheidend zur Begrenzung des Klimawandels beitragen, insbesondere wenn internationale Verhandlungen stagnieren.“


Originalpublikation

Beaufils, T., Wanner, J., Wenz, L. (im Druck): The Potential of carbon border adjustments to foster climate cooperation. Journal of the Association of Environmental and Resource Economists (JAERE). Veröffentlichung im November 2026.
DOI: 10.1086/742163

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