Kollegen als Karrierekatalysatoren: Lernen steigert Einkommen, Wettbewerb mindert Chancen bei Berufseinsteigern

Kollegen als Karrierekatalysatoren: Lernen steigert Einkommen, Wettbewerb mindert Chancen bei Berufseinsteigern

Einfluss von Kollegen auf die berufliche Entwicklung: Lernen und Wettbewerb als gegensätzliche Faktoren

Eine aktuelle Untersuchung der Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) analysiert, wie Kollegen die Karriere junger Arbeitnehmer beeinflussen. Die Studie fokussiert auf Berufsanfänger in Deutschland ohne formale Qualifikationen und bewertet, inwiefern die Qualität der Kollegen im ersten Job die langfristigen Karrierechancen prägt. Insgesamt zeigt sich auf den ersten Blick ein kaum messbarer Gesamteffekt, der jedoch auf zwei entgegengesetzte Mechanismen zurückzuführen ist.

Unterschiedliche Wirkungen je nach Kollegentyp

Die Analyse differenziert zwischen verschiedenen Kollegengruppen und offenbart ein klares Muster: Der Kontakt zu leistungsstarken, ausgebildeten Kollegen, also solchen mit abgeschlossener Berufsausbildung, führt zu einem Einkommensanstieg von etwa 3,7 % fünf Jahre nach Eintritt in den Arbeitsmarkt. Demgegenüber steht der Umgang mit ebenso leistungsfähigen, jedoch ungelernten Kollegen, der das Einkommen um circa 5 % mindert. Dieser negative Effekt wird durch den Wettbewerb um Beförderungen, Gehaltserhöhungen und Arbeitsplatzsicherheit erklärt. Die beschriebenen Einflüsse bleiben mindestens ein Jahrzehnt bestehen.

Christian Dustmann, Direktor von RFBerlin und Professor für Wirtschaftswissenschaften am University College London, erläutert: „Der zunächst geringe Gesamteffekt entsteht, weil Lernen und Wettbewerb gegensätzlich wirken. Die Trennung dieser Einflüsse macht den Einfluss der Kollegen deutlich sichtbar.“

Karrierepfade und interne Dynamiken

Die Ergebnisse spiegeln unterschiedliche Karriereverläufe innerhalb von Unternehmen wider. Ausgebildete Mitarbeiter konkurrieren seltener direkt miteinander und übernehmen eher die Rolle von Wissensvermittlern und Mentoren. Ungelernte Arbeitnehmer hingegen stehen häufig in direktem Wettbewerb um begrenzte Aufstiegschancen. Lernprozesse sind besonders ausgeprägt bei komplexeren Tätigkeiten, während Wettbewerb vor allem unter Kollegen auf ähnlichen Karrierestufen sowie in Unternehmen mit starken Beförderungsanreizen zu beobachten ist.

Thomas Cornelissen, Projektleiter bei RFBerlin und Professor an der University of Essex, betont: „Nicht alle Kollegen beeinflussen die Karriere gleichermaßen. Einige fördern den Kompetenzaufbau, während andere als Konkurrenten um berufliche Möglichkeiten auftreten.“

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Die Studie identifiziert zudem Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Männer sind sowohl von positiven als auch negativen Effekten durch Kollegen stärker betroffen. Frauen profitieren vor allem, wenn sie ihrem ersten Arbeitgeber treu bleiben, während Männer zusätzlich durch berufliche Mobilität zu besser bezahlten Unternehmen Vorteile erzielen.

Schlussfolgerungen

Die Untersuchung verdeutlicht, dass Lernen am Arbeitsplatz ein bedeutender Faktor für die Karriereentwicklung ist, dessen Wirkung jedoch häufig durch Wettbewerbsprozesse überlagert wird. Darüber hinaus legt sie nahe, dass berufliche Weiterbildung nicht nur individuelle Vorteile bringt, sondern auch positive Impulse für das gesamte Kollegium setzt.


Wissenschaftliche Ansprechpartner

  • Prof. Thomas Cornelissen: Tel. 0044/75 88 02 52 76, E-Mail: t.cornelissen@essex.ac.uk
  • Prof. Christian Dustmann: Tel. 0044/78 18 04 83 80, E-Mail: cd@rfberlin.com

Originalpublikation

RFBerlin Research Insight: „Knowledge Spillovers, Competition, and Individual Careers“ von Thomas Cornelissen, Christian Dustmann und Uta Schönberg.

Verfügbar unter: https://www.rfberlin.com/research-insight/


Weiterführende Informationen

RFBerlin Discussion Paper 80/25: Knowledge Spillovers, Competition, and Individual Careers

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