Ankommen als kommunale Herausforderung: Die Bedeutung von Ankunftsquartieren für gesellschaftliche Teilhabe
Migration ist ein prägender Faktor in deutschen Städten und Gemeinden. Kommunen stehen vor der Aufgabe, das Ankommen und die gesellschaftliche Teilhabe von Zugewanderten unter sich wandelnden Bedingungen zu gestalten. Das kürzlich veröffentlichte Booklet „Was Ankunftsquartiere stark macht“ widmet sich der Rolle von Ankunftsquartieren und zeigt auf, wie diese gezielt unterstützt werden können. Die Publikation richtet sich an Kommunen, Wohnungsunternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure und bietet praxisnahe Impulse für eine nachhaltige Migrations- und Stadtentwicklungspolitik.
Forschungsprojekt mit elf Kommunen: Erkenntnisse zu Ankunftsquartieren
Im Rahmen des Projekts wurden Quartiere untersucht, die durch internationale Migration, einen hohen Anteil an ausländischen Bewohnerinnen und Bewohnern, starke Fluktuation sowie eine überdurchschnittliche Anzahl von Menschen mit Armutserfahrungen gekennzeichnet sind. „Ankunftsquartiere übernehmen eine zentrale Funktion beim Integrationsprozess. Sie tragen maßgeblich zur gesellschaftlichen Teilhabe von Neuzugewanderten bei und beeinflussen somit die Funktionsfähigkeit der gesamten Stadt“, erläutert Dr. Isabel Ramos Lobato vom ILS, die das Projekt leitet. Entscheidend sei, ob Menschen Zugang zu Wohnraum, Bildung, Arbeit und sozialen Netzwerken erhalten. Daher sollten die Potenziale dieser Quartiere stärker berücksichtigt und die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Teilhabe zu ermöglichen.
Ankunftsquartiere als soziale und infrastrukturelle Zentren
Die Untersuchung verdeutlicht, dass Ankunftsquartiere weit über reine Wohnorte hinausgehen. Sie stellen wichtige soziale Infrastrukturen bereit, verfügen über lokales Wissen sowie Beratungsangebote und bieten Netzwerke, die Neuankömmlingen Orientierung und Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen erleichtern. Gleichzeitig sind diese Quartiere häufig mit Herausforderungen konfrontiert, wie etwa hoher Fluktuation, begrenzten kommunalen Mitteln oder stigmatisierenden öffentlichen Debatten.
Empfehlungen für kommunale Strategien
- Verbesserung der Zugänglichkeit sozialer Infrastruktur
- Erhöhung der Beteiligung von Zugewanderten an kommunalen Entscheidungsprozessen
- Verzahnung von quartiersbezogenen und gesamtstädtischen Strategien
- Einrichtung kommunaler Monitorings zur frühzeitigen Erkennung von Entwicklungen und zielgerichteten Reaktionen
„Die Herausforderungen in Ankunftsquartieren betreffen vielfältige Bereiche wie Stadtentwicklung, Wohnungspolitik, soziale Infrastruktur, Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für eine erfolgreiche Bewältigung bedarf es einer verlässlichen Finanzierung und innovativer Kooperationsformen“, betont Dr. Ramos Lobato.
Projektverlauf und Partner
Zwischen 2023 und 2026 begleiteten das ILS Research, die Technische Universität Berlin, das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) und STADTRAUMKONZEPT elf Kommunen in Deutschland. Gemeinsam mit lokalen Akteuren wurden Herausforderungen analysiert, innovative Lösungsansätze erprobt und Strategien zur Förderung von Teilhabe und sozialem Zusammenhalt entwickelt. Das Vorhaben wurde von der Stiftung Mercator gefördert. Die abschließenden Ergebnisse wurden auf einer Tagung in Essen präsentiert und diskutiert.
Über das ILS
Das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut, das die Entwicklung von Städten interdisziplinär und international vergleichend untersucht. Weitere Informationen sind unter www.ils-forschung.de verfügbar.
Weiterführende Informationen
Die Publikation „Was Ankunftsquartiere stark macht“ steht kostenfrei zum Download bereit: https://www.ils-forschung.de/wissenstransfer/berichte-aus-der-forschung/?id=876



















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