Neue Altersvorsorge ab 2027: Universität Augsburg analysiert Chancen und Risiken kapitalmarktorientierter Depots

Neue Altersvorsorge ab 2027: Universität Augsburg analysiert Chancen und Risiken kapitalmarktorientierter Depots

Analyse neuer Altersvorsorgedepots durch Forscher der Universität Augsburg

Ab dem Jahr 2027 wird in Deutschland die private Altersvorsorge reformiert: Das bisherige Riester-Modell wird durch neue Altersvorsorgeprodukte ersetzt. Diese sollen eine höhere Flexibilität bieten und verstärkt auf kapitalmarktorientierte Anlagen wie Aktienfonds setzen. Dadurch erhöhen sich die Chancen auf bessere Renditen, gleichzeitig steigen jedoch auch die Anforderungen an die Anlegerinnen und Anleger hinsichtlich der Einschätzung von Risiken, Kosten und Produktunterschieden.

Untersuchung der langfristigen Auswirkungen verschiedener Depotvarianten

Prof. Dr. Marco Wilkens und Dr. Kevin Birk vom Lehrstuhl für Finanz- und Bankwirtschaft der Universität Augsburg analysieren die langfristigen Effekte unterschiedlicher Ausgestaltungen eines solchen Altersvorsorgedepots. Prof. Wilkens, der seit vielen Jahren im Bereich Sustainable Finance und Climate Finance forscht, hat gemeinsam mit seinem Team ein Simulationstool entwickelt. Dieses ermöglicht die Bewertung zentraler Parameter der geplanten Altersvorsorgeprodukte, darunter Gebühren, Aktienanteile, Garantien, Auszahlungsmodelle sowie Nachhaltigkeitsaspekte.

„Für die Gesellschaft ist es von besonderer Bedeutung, dass Vorsorgeentscheidungen fundiert und zu fairen Konditionen getroffen werden können. Insbesondere für Personen, die im Alter auf eine zusätzliche Einkommensquelle angewiesen sind, müssen Chancen, Risiken und Kosten transparent dargestellt werden“, erläutert Prof. Dr. Marco Wilkens.

Ergebnisse der Simulationen: Chancen, Risiken und Kosten

  • Kapitalmarktorientierte Altersvorsorgedepots können die private Vorsorge signifikant verbessern, zeigen jedoch eine hohe Schwankungsbreite in den Ergebnissen.
  • Im Basisszenario beträgt die durchschnittliche reale monatliche Rente nach Steuern 724 Euro, der Median liegt bei 557 Euro. In zehn Prozent der Fälle fällt die Rente unter 237 Euro, in fünf Prozent unter 189 Euro.
  • Die Höhe der Gebühren hat einen starken Einfluss auf die Rentenhöhe: Bei jährlichen Kosten von 0,5 % beträgt die durchschnittliche Rente 724 Euro, bei 1,0 % sinkt sie auf 594 Euro (minus 18 %), bei 0,1 % steigen die Erträge auf 850 Euro.
  • Garantien und konservative Anlagestrategien sind kritisch zu bewerten. Garantien führen häufig zu einer geringeren Aktienquote und damit zu niedrigeren durchschnittlichen Renditen.
  • Eine vollständige Abkehr von Aktien in der Auszahlungsphase reduziert die durchschnittliche Rente um etwa 18 %, während das Risiko nur geringfügig abnimmt.
  • Eine Begrenzung des Aktienanteils kurz vor Ende der Ansparphase führt zu einem Rückgang der durchschnittlichen Rente um circa 10 % gegenüber dem Basisszenario.

Nachhaltigkeit als offene Fragestellung

Die Rolle nachhaltiger Geldanlagen im neuen Altersvorsorgedepot ist derzeit noch unklar. Die geplanten gesetzlichen Regelungen enthalten keine expliziten Vorgaben oder Förderungen für nachhaltige Investments. Die Forschenden sehen verschiedene Möglichkeiten, wie Nachhaltigkeitsaspekte künftig berücksichtigt werden könnten, beispielsweise durch Wahloptionen oder Voreinstellungen, ohne die Anlegerinnen und Anleger auf bestimmte Anlageformen festzulegen.

„Kapitalgedeckte Altersvorsorgeprodukte stellen lediglich eine Ergänzung zum Generationenvertrag dar. Sie bieten Chancen, bergen jedoch auch das Risiko von Wertverlusten, was bei der Bewertung stets berücksichtigt werden muss“, betont Prof. Wilkens.

Relevanz der Ergebnisse für verschiedene Akteure

Die Forschungsergebnisse richten sich insbesondere an politische Entscheidungsträger, Verbraucherberatungen, die Finanzwirtschaft sowie private Anlegerinnen und Anleger. Sie verdeutlichen, welche Parameter bei geförderten Altersvorsorgeprodukten besonders bedeutsam sind und wie wichtig transparente Informationen zu Gebühren, Risiken und Garantien für fundierte Vorsorgeentscheidungen sind.

Die Studie wird durch die Stiftung Mercator unterstützt.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen:

Prof. Dr. Marco Wilkens
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Universität Augsburg
Telefon: +49 821 598 – 4124
E-Mail: marco.wilkens@wiwi.uni-augsburg.de

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