Wasserstofftechnologien: Bis zu 2,2 Milliarden Euro Wertschöpfung für Ostdeutschland bis 2045 durch industrielle Produktion von Elektrolyseuren.

Wasserstofftechnologien: Bis zu 2,2 Milliarden Euro Wertschöpfung für Ostdeutschland bis 2045 durch industrielle Produktion von Elektrolyseuren.

Wasserstofftechnologien als bedeutender Wirtschaftsfaktor für Ostdeutschland

Eine aktuelle Untersuchung der Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland (IWO), durchgeführt vom WifOR Institute und dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, verdeutlicht das erhebliche Potenzial, das die Produktion von Wasserstofftechnologien für die regionale Wertschöpfung, industrielle Entwicklung und Beschäftigung bietet. Prognosen für das Jahr 2045 zeigen, dass allein die Herstellung von Elektrolyseuren und deren Komponenten einen jährlichen Bruttowertschöpfungsbeitrag von bis zu 2,2 Milliarden Euro in Ostdeutschland erzielen kann.

Industrielle Fertigung als zentraler Hebel

Die Studie legt den Fokus auf die industrielle Produktion von Elektrolyseuren, welche bislang in der Diskussion um die Wasserstoffwirtschaft weniger Beachtung fand. Neben der reinen Wasserstofferzeugung eröffnet die Fertigung dieser Schlüsseltechnologien umfassende Möglichkeiten für Wertschöpfung und Arbeitsmarktentwicklung in der Region. Elektrolyseure bestehen aus zahlreichen Bauteilen und Vorprodukten, deren Herstellung Zulieferer aus Bereichen wie Maschinenbau, Metallverarbeitung und Elektrotechnik einbindet. Diese Vernetzung ist für Ostdeutschland von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung.

Dr. Tom Smolinka, Leiter der Abteilung Membranelektrolyse am Fraunhofer ISE, betont: „Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beginnt mit der Entwicklung und Produktion der Technologien, die den Wasserstoffhochlauf ermöglichen. Die Elektrolyseurfertigung verbindet dabei Forschung, Innovation und industrielle Produktion auf einzigartige Weise.“

Prognosen zur Wertschöpfung und Beschäftigung

  • Das Basisszenario für 2045 prognostiziert eine Bruttowertschöpfung von rund 1,4 Milliarden Euro, vergleichbar mit der heutigen Papierindustrie in Ostdeutschland.
  • Das obere Szenario erreicht bis zu 2,2 Milliarden Euro, was der aktuellen Bruttowertschöpfung der Kokerei- und Mineralölverarbeitung entspricht.
  • Die Höhe der regional verbleibenden Wertschöpfung hängt maßgeblich von der Integration lokaler Zulieferer ab.
  • Wichtige Vorleistungen umfassen Metallerzeugnisse, elektronische Komponenten, elektrische Ausrüstungen, Maschinen sowie chemische und materialbezogene Produkte.
  • Beschäftigungseffekte im Basisszenario belaufen sich auf etwa 12.570 Arbeitsplätze, davon 8.080 direkt bei den Elektrolyseurherstellern und 4.490 in den Zulieferketten.
  • Je nach Marktentwicklung variiert die Beschäftigtenzahl zwischen etwa 4.300 und 20.000 Personen.
  • Rund 58 % der Beschäftigten sind Fachkräfte, weitere 30 % Spezialisten und Experten.

Florian Fickler, Leiter der Arbeitsmarktforschung beim WifOR Institute, unterstreicht: „Die Wertschöpfung und Beschäftigung entstehen entlang der gesamten Lieferkette. Der hohe Anteil qualifizierter Tätigkeiten ist für die industrielle Transformation Ostdeutschlands besonders relevant.“

Regionale Chancen durch technologische Produktion

Die Untersuchung zeigt, dass die wirtschaftlichen Vorteile der Wasserstoffwirtschaft weit über die reine Produktion und Nutzung von Wasserstoff hinausgehen. Insbesondere die Entwicklung, Herstellung und regionale Integration der Wasserstofftechnologien schaffen zusätzliche Wertschöpfung. Ostdeutschland kann seine bestehenden industriellen und technologischen Stärken in einem global wachsenden Markt nutzen.

Die Wahl der Standorte für Produktion und Zulieferung hat dabei einen entscheidenden Einfluss auf die regionale Wertschöpfung und die Beschäftigungssituation. Ein großer Teil der wirtschaftlichen Effekte entsteht entlang der Lieferketten und dort, wo industrielle Fertigung stattfindet.

Dominik Härle, Geschäftsführer der IWO, erklärt: „Die industrielle Basis ist ein wesentlicher Faktor für Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Zuge des Wasserstoffhochlaufs. Eine starke Produktion in Deutschland und Europa sichert technologische Souveränität, Versorgungssicherheit sowie wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Vorteile.“

Expertise der Studienpartner

  • WifOR Institute: Ein unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut mit Schwerpunkt auf makroökonomischen Analysen und Arbeitsmarktforschung, das ökonomische Effekte von Transformationen untersucht.
  • Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE: Führende europäische Forschungseinrichtung im Bereich erneuerbarer Energien mit Fokus auf technische Lösungen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette, von Materialforschung bis Systemintegration.

Regionale Zusammenarbeit in Ostdeutschland

Die Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland e.V. (IWO) fungiert als länderübergreifende Plattform der sechs ostdeutschen Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Ziel ist die Förderung der Wasserstoffwirtschaft durch Bündelung regionaler Kompetenzen und Stärken. Die Initiative wird auch vom Bund unterstützt.

Die Gründung der IWO basiert auf einem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz Ost 2022 und der Riemser Erklärung, die die komplementären Stärken Ostdeutschlands entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette hervorhebt. Die Zusammenarbeit soll Synergien heben und Kosten reduzieren.

Die IWO verfolgt die Aufgabe, die vorhandenen Potenziale zu erschließen und Ostdeutschland als zentrale Region für die Wasserstoffwirtschaft zu etablieren. Dazu vernetzt sie Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung und fördert die überregionale Kooperation. Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Wasserstoffprojekte.


Wissenschaftliche Ansprechpartner

Erik Schumacher | Referent Wasserstofftechnologien: erik.schumacher@h2iwo.de

Weiterführende Informationen

Wertschöpfungs- und Arbeitsmarktpotenziale der Wasserstoffwirtschaft in Ostdeutschland

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