IWH-Insolvenztrend Oktober 2026 Firmenpleiten bleiben hoch mit positiver Entwicklung zum Jahresende

IWH-Insolvenztrend: Hohe Anzahl an Firmeninsolvenzen im Oktober, positive Aussichten zum Jahresende

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) veröffentlicht in seiner aktuellen Analyse eine leicht gestiegene Anzahl von Insolvenzen bei Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland für den Oktober. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze signifikant. Frühindikatoren deuten jedoch auf einen Rückgang der Insolvenzen in den letzten beiden Monaten des Jahres hin.

Aktuelle Entwicklung der Insolvenzzahlen

  • Im Oktober wurden 1.683 Insolvenzen registriert, was einem Anstieg von 1 % gegenüber dem Vormonat und 9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht.
  • Im Vergleich zu den durchschnittlichen Oktoberwerten der Jahre 2016 bis 2019 liegt die Zahl der Insolvenzen um 83 % höher.
  • Hessen verzeichnete mit 180 Insolvenzen den höchsten Wert seit Beginn der IWH-Erhebungen im Januar 2020.

Betroffene Arbeitsplätze und Branchen

Die Schließung großer Unternehmen führt häufig zu erheblichen Einkommensverlusten bei den Beschäftigten. Die Anzahl der Arbeitsplätze in den größten 10 % der insolventen Unternehmen betrug im Oktober rund 16.800, was eine Steigerung von 45 % gegenüber dem Vormonat und 21 % im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutet. Im Vergleich zum durchschnittlichen Oktoberwert der Jahre 2016 bis 2019 ist dies eine Verdoppelung (+104 %).

Im Verarbeitenden Gewerbe waren etwa 9.400 Arbeitsplätze betroffen – der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebungen. Baden-Württemberg erreichte mit circa 6.500 betroffenen Arbeitsplätzen einen neuen Höchststand. Zu den prominenten Insolvenzfällen im Oktober zählen unter anderem die VARTA AG und mehrere verbundene Unternehmen.

Frühindikatoren und Ausblick

Die vom IWH erhobenen Frühindikatoren, die das Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorwegnehmen, zeigen in den letzten Monaten einen rückläufigen Trend. Daraus lässt sich ableiten, dass die Insolvenzzahlen für November und Dezember voraussichtlich sinken werden.

„Die Insolvenzzahlen bleiben auf einem außergewöhnlich hohen Niveau, und im Oktober waren deutlich mehr Arbeitsplätze betroffen als im Vormonat“, erklärt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Die Frühindikatoren geben jedoch Anlass zur Hoffnung auf einen Rückgang der Insolvenzen zum Jahresende.“

Methodik und Hintergrund des IWH-Insolvenztrends

Der IWH-Insolvenztrend bietet monatlich zeitnahe und belastbare Daten zum Insolvenzgeschehen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland. Die Ergebnisse weichen nur geringfügig von den offiziellen Statistiken ab, die mit einem Zeitverzug von etwa zwei Monaten veröffentlicht werden.

Für die Analyse wertet das IWH Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft diese mit Bilanzdaten der betroffenen Unternehmen. Dadurch gilt das Institut als eine der führenden Einrichtungen in der Insolvenzforschung in Deutschland.

Die im Insolvenztrend erfassten Insolvenzen umfassen über 90 % der von Unternehmensinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze sowie 95 % der Forderungen, was eine verlässliche Abbildung der volkswirtschaftlichen Auswirkungen ermöglicht.

Im Unterschied dazu erfassen Regelinsolvenzen neben Unternehmensinsolvenzen auch bestimmte natürliche Personen, wie Selbstständige mit unübersichtlichen Vermögensverhältnissen, sowie privat haftende Gesellschafter und Einzelunternehmer. Die amtliche Statistik zu Unternehmensinsolvenzen beinhaltet zudem Kleinstunternehmen, die wirtschaftlich von geringer Bedeutung sind. Daher können sich die prozentualen Veränderungen bei Regel- und Unternehmensinsolvenzen von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden.

Weiterführende Informationen

Kontakt

Professor Dr. Steffen Müller
Tel: +49 345 7753 708
E-Mail: Steffen.Mueller@iwh-halle.de
Profil Steffen Müller

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