Personalisierte Erinnerungen steigern die Effektivität der privaten Altersvorsorge
Eine aktuelle Untersuchung verdeutlicht, wie gezielte Verhaltensinterventionen die private Altersvorsorge signifikant beeinflussen können. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Scientific Reports, analysiert, wie unterschiedliche Formulierungen von Spar-Erinnerungen das Sparverhalten variieren lassen.
Unterschiedliche Wirkungen von Verlust- und Gewinnbotschaften
Im Kontext der privaten Altersvorsorge werden Spar-Erinnerungen entweder als Hinweis auf potenzielle Verluste bei Nicht-Sparen oder als Betonung der Vorteile bei Sparaktivität formuliert. Frühere Forschungsergebnisse zu deren Wirksamkeit sind uneinheitlich. Das interdisziplinäre Forscherteam der Universitäten Köln, München und Paderborn konnte zeigen, dass die Reaktion auf diese Botschaften stark von individuellen Merkmalen abhängt.
- Verlustorientierte Botschaften erzielen eine stärkere Wirkung bei Personen mit Berufen, die eine hohe Informationsverarbeitung erfordern.
- Gewinnorientierte Botschaften sprechen insbesondere ältere Personen ab 50 Jahren sowie jene an, die bereits mehrfach zusätzlich eingezahlt haben.
Methodik und Ergebnisse der Feldexperimente
Im Zeitraum 2021 bis 2022 führten die Wissenschaftler zwei Feldstudien mit rund 41.000 Kundinnen und Kunden eines europäischen privaten Altersvorsorgeanbieters durch, überwiegend in der Schweiz. Über eine App erhielten die Teilnehmenden zufällig entweder eine Verlust- oder Gewinnformulierung als Erinnerung an ihren steuerlich absetzbaren Sparbetrag.
Die Auswertung erfolgte mittels kausalem maschinellen Lernens, das es ermöglicht, heterogene Wirkungen von Interventionen auf individuelle Reaktionen zu identifizieren. Die Prognosen wurden anhand der Daten des zweiten Experiments validiert.
Heterogene Effekte und Potenziale für die Praxis
- Im Durchschnitt zeigen beide Botschaftsarten eine vergleichbare Wirkung.
- Im Segment der Personen, die besonders auf Verlustbotschaften reagieren, erhöhte sich die Sparquote um 9,4 Prozentpunkte.
- In der Gruppe, die stärker auf Gewinnbotschaften anspricht, führte eine Verlustbotschaft zu einem Rückgang der Sparquote um 8,4 Prozentpunkte.
Würde jede Person die für sie passende Botschaft erhalten, prognostizieren die Forschenden eine Steigerung der Sparenden um 51 Prozent (6,86 % statt 4,53 %). Zudem würde der durchschnittliche Sparbetrag um 18 % auf 2.442 Euro je Sparender ansteigen, verglichen mit der einheitlichen Verwendung der Verlustbotschaft.
Professor Dr. Markus Weinmann von der Universität zu Köln fasst zusammen: „Gezielte Verhaltensinterventionen können die private Altersvorsorge erheblich verbessern. Eine individuelle Anpassung der Erinnerungstexte führt dazu, dass deutlich mehr Menschen sparen und höhere Beträge einzahlen, ohne dass komplexe Maßnahmen erforderlich sind.“
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Professor Dr. Markus Weinmann
Universität zu Köln
E-Mail: markus.weinmann@uni-koeln.de


















