Neue Skala zur Messung der Einstellung gegenüber digitaler Entgiftung liefert Einblicke in digitales Verhalten

Bedürfnis nach digitaler Entgiftung: Neue Erkenntnisse zur Einstellung und ihrem Einfluss auf das Online-Verhalten

Eine aktuelle Untersuchung der University of Bath und der Goethe-Universität Frankfurt analysiert, wie Menschen das Abschalten von digitalen Medien bewerten und welche Auswirkungen diese Haltung auf ihr Verhalten im Netz hat. Die Studie präsentiert erstmals eine validierte Skala, die die Einstellung gegenüber einer temporären Reduktion der digitalen Nutzung erfasst und erhebliche individuelle Unterschiede aufzeigt.

Entwicklung und Bedeutung der Messskala

Die Forschenden haben die „Attitude toward Digital Detox“ (ADD) Skala entwickelt, ein Instrument mit sieben Items, das misst, wie positiv Personen einer digitalen Auszeit gegenüberstehen. In sieben Studien wurde die Skala mit verschiedenen Gruppen getestet, darunter US-amerikanische Erwachsene, Studierende aus Mitteleuropa, Mitglieder von Online-Communities sowie Experten für Verbraucherverhalten aus Europa.

Ergebnisse und Zusammenhänge

  • Über 80 % der Teilnehmenden zeigten eine positive Einstellung zur digitalen Entgiftung, was auf ein weit verbreitetes Bedürfnis nach einer bewussten Auszeit von digitalen Medien hinweist.
  • Die Haltung zur digitalen Entgiftung korreliert mit Persönlichkeitsmerkmalen wie Achtsamkeit und Selbstkontrolle.
  • Die Einstellung prognostiziert die Zeit, die Personen während der Studie mit dem Anschauen von Online-Videos verbrachten.

Die Studie verdeutlicht, dass digitale Technologien – von Arbeits-E-Mails über soziale Netzwerke bis hin zu KI-basierten Empfehlungen – zunehmend um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren. Digitale Entgiftung wird als eine Strategie betrachtet, um dieser ständigen Vernetzung entgegenzuwirken.

Forschungsimplikationen

Prof. Jan Landwehr von der Goethe-Universität Frankfurt betont, dass viele Menschen durch den kontinuierlichen digitalen Informationsfluss überfordert sind und daher das Bedürfnis verspüren, abzuschalten. Die entwickelte Skala ermöglicht es, diese positive Grundhaltung messbar zu machen und bietet eine Grundlage für weitere Untersuchungen.

Prof. Torsten Bornemann ergänzt, dass die Skala künftig dazu dienen kann, zu erforschen, unter welchen Bedingungen Menschen ihre digitale Nutzung einschränken wollen und ob eine veränderte Einstellung tatsächlich zu einer besseren Selbstkontrolle im Umgang mit digitalen Medien führt.

Publikation

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Psychology & Marketing veröffentlicht. Der Artikel mit dem Titel „In Favor of Digital Detox: Developing the Attitude Toward Digital Detox Scale“ wurde von Svenja Winkler, Lisa Eckmann, Torsten Bornemann und Jan R. Landwehr verfasst.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Prof. Dr. Jan Landwehr
Professur für Markt- und Konsumentenpsychologie
Telefon: 069/798-34631
E-Mail: landwehr@wiwi.uni-frankfurt.de

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