Leicht gesunkenes Rezessionsrisiko – IMK-Konjunkturindikator wechselt auf Gelb-Grün
Der aktuelle Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt eine verbesserte wirtschaftliche Lage in Deutschland für die nächsten Monate an. Die Daten, die verschiedene zentrale wirtschaftliche Kennzahlen zusammenfassen, deuten auf ein moderates Wachstum hin.
Aktuelle Einschätzung und Zahlen
- Für den Zeitraum von August bis Ende Oktober 2026 liegt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession bei 24,6 Prozent, was einen Rückgang gegenüber 26,8 Prozent im Juli darstellt.
- Die statistische Unsicherheit im Indikator hat sich von 10,2 auf 7,2 Prozent verringert, was auf eine stabilere Einschätzung der Wirtschaftslage durch die Marktteilnehmer hinweist.
- Der Indikator, der mit einem Ampelsystem arbeitet, wechselt somit von „gelb-rot“ (erhöhte Unsicherheit) auf „gelb-grün“ (moderates Wachstum).
Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung
Dr. Thomas Theobald, Konjunkturexperte am IMK, bewertet die Stabilisierung der Konjunktur trotz der anhaltenden Konflikte im Iran und in der Ukraine als bemerkenswert, jedoch mit Vorsicht zu genießen. Positive Signale kommen unter anderem von steigenden Auftragseingängen aus Nicht-EU-Ländern sowie einer leichten Erholung im Exportsektor, welche die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft unterstreichen.
Prof. Dr. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, betont die Notwendigkeit politischen Rückhalts für die wirtschaftliche Erholung. Die bisherigen staatlichen Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung zeigen erste positive Effekte, doch es sei eine stärkere wirtschaftspolitische Ausrichtung erforderlich. Insbesondere fordert er eine offensive Industriepolitik, um den Herausforderungen durch US-Zölle, chinesische Industriepolitik und Energiepreisschocks zu begegnen.
Politische Handlungsempfehlungen
- Verstärkte Förderung von Zukunftstechnologien und selektive Schutzzölle für Schlüsselbranchen.
- Durchsetzung von Local-Content-Klauseln bei öffentlicher Beschaffung und staatlicher Unterstützung, beispielsweise im Bereich Elektromobilität.
- Abkehr von Strategien, die Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnkürzungen oder Sozialleistungsabbau verbessern wollen, da diese die eigentlichen Probleme nicht adressieren.
Dullien weist darauf hin, dass niedrigere Lohnkosten in Deutschland wenig bewirken, wenn beispielsweise China den Verkauf westlicher Autos einschränkt oder auf ausländische Technologie verzichtet.
Einflussfaktoren auf den Indikator
Der Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit ist vor allem auf verbesserte Finanzmarkt- und Stimmungsindikatoren zurückzuführen. Dazu zählen ein gesunkener Finanzmarkstress und ein Anstieg des S&P Einkaufsmanagerindex, der erstmals seit März 2026 wieder über der Expansionsschwelle liegt. Demgegenüber wirkt der Anstieg der Geldmarktzinsen, der auf eine erwartete Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im September infolge des Energiepreisschocks hindeutet, bremsend.
Kontaktinformationen
Dr. Thomas Theobald
IMK-Konjunkturexperte
Telefon: 0211-7778-215
E-Mail: Thomas-Theobald@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Telefon: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de
Weiterführende Informationen
Details zum IMK-Konjunkturindikator finden Sie unter: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-konjunkturampel-15362.htm




















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