Homeoffice: Zwischen hohen Erwartungen und enttäuschender Realität – Stress und Gesundheit leiden unter der Diskrepanz.

Homeoffice: Zwischen hohen Erwartungen und enttäuschender Realität – Stress und Gesundheit leiden unter der Diskrepanz.

Homeoffice: Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität

Eine aktuelle Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass die Erwartungen an das Homeoffice häufig nicht mit der tatsächlichen Umsetzung übereinstimmen. Beschäftigte, die sowohl im Homeoffice als auch im Betrieb tätig sind, berichten zwar meist von einer hohen Zufriedenheit. Allerdings treten bei deutlichen Abweichungen zwischen den persönlichen Bedürfnissen und der betrieblichen Praxis vermehrt Stress und gesundheitliche Beschwerden auf.

Entwicklung und Verbreitung mobiler Arbeit

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit im Homeoffice nachhaltig etabliert. Dr. Helge Emmler, WSI-Forscher, analysierte Daten des Erwerbspersonenpanels und stellte fest, dass sich die Verbreitung mobiler Arbeit seit Mitte 2021 auf einem stabilen Niveau bewegt. Während der erste Lockdown im März 2020 einen starken Anstieg mobiler Arbeit bewirkte, arbeiten aktuell etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen ausschließlich im Betrieb, rund ein Viertel nutzt hybride Arbeitsmodelle mit wechselnden Arbeitsorten. Diese hybride Arbeitsweise entspricht den Präferenzen der Mehrheit der Beschäftigten, von denen etwa zwei Drittel mit den bestehenden Regelungen zufrieden sind oder nur eine geringfügige Ausweitung des Homeoffice wünschen.

Unterschiede nach Qualifikation, Region und Branche

  • Akademikerinnen und Akademiker arbeiten deutlich häufiger im Homeoffice als Beschäftigte mit Berufsausbildung (36,6 % vs. 69 % ausschließlich im Betrieb).
  • Regionale Unterschiede zeigen sich mit einem höheren Anteil von Präsenzarbeit in Ostdeutschland (71,2 %) im Vergleich zu Westdeutschland (63,3 %), wobei dieser Abstand abnimmt.
  • Branchen wie Energieversorgung, Medien, Finanzen und öffentliche Verwaltung weisen einen höheren Anteil an Homeoffice auf, während Bereiche wie Bau, Erziehung, Gastgewerbe, Gesundheit, Handel, Verkehr und Logistik seltener mobiles Arbeiten ermöglichen.

Eignung der Tätigkeiten und tatsächliche Nutzung

Rund 38 % der Beschäftigten schätzen ihre Aufgaben als grundsätzlich für das Homeoffice geeignet ein. Von diesen erledigen 65 % mindestens ein Viertel ihrer Arbeit im Homeoffice, 46 % sogar überwiegend. Bei Akademikern mit geeigneten Tätigkeiten ist jedoch ein Rückgang bei der Nutzung von Homeoffice zu beobachten, was auf eine Verschiebung hin zu etwa zwei statt drei Tagen pro Woche hindeutet.

Auswirkungen von Diskrepanzen zwischen Wunsch und Realität

Die Studie verdeutlicht, dass die betrieblichen Regelungen nicht immer den Präferenzen der Beschäftigten entsprechen. Im Durchschnitt würden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Tätigkeiten Homeoffice erlauben, gerne etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen, tatsächlich sind es etwas mehr als ein Drittel. Ein Viertel der Befragten möchte den Anteil der Homeoffice-Zeit um mindestens 30 Prozentpunkte erhöhen, während etwa zehn Prozent weniger im Homeoffice arbeiten möchten. Etwa zwei Drittel zeigen sich zufrieden oder wünschen nur geringfügige Anpassungen.

Besonders hoch ist der Anteil der Unzufriedenen bei Beschäftigten, deren Präferenzen stark von der betrieblichen Realität abweichen, beispielsweise bei Rückkehrinitiativen ins Büro (29,4 %) und bei Eltern (28,3 %). Diese Unzufriedenheit korreliert mit einer erhöhten beruflichen Belastung und schlechterem Gesundheitszustand. So berichten 18 % der Betroffenen mit stark abweichenden Homeoffice-Wünschen von hoher Arbeitsbelastung, 28 % von gesundheitlichen Problemen, während diese Werte bei zufriedenen Beschäftigten deutlich niedriger liegen.

Auch die Zufriedenheit mit dem Familienleben, der Freizeitgestaltung und sozialen Kontakten ist bei jenen geringer, die sich mehr Homeoffice wünschen.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Die Stabilisierung der Homeoffice-Nutzung nach der Pandemie wird als positiv bewertet, da mobiles Arbeiten nicht nur dem Infektionsschutz dient, sondern auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben unterstützt und für Arbeitgeber ein Instrument zur Fachkräftesicherung darstellt. Es wird empfohlen, die Wünsche der Beschäftigten zu berücksichtigen, sofern keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Oft genügt bereits ein zusätzlicher Homeoffice-Tag, um den Bedürfnissen gerecht zu werden.

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI, betont, dass insbesondere Frauen, die einen Großteil der Sorgearbeit leisten, von der Flexibilität des Homeoffice profitieren, da beispielsweise Pendelzeiten entfallen. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass mobiles Arbeiten keine ausreichende Alternative zu Kinderbetreuungsangeboten darstellt. Zudem kann Homeoffice in Zeiten hoher Energiepreise auch eine finanzielle Entlastung bieten.

Kontaktinformationen

Weiterführende Literatur

Helge Emmler: Arbeiten im Homeoffice – Wer es kann, wer es möchte und wer es darf. WSI-Report Nr. 115, Juli 2026. Download

PM mit Abbildung (PDF): https://www.boeckler.de/data/pm_wsi_2026_07_29.pdf

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