Handbuch zur Kreislauffähigen Wertschöpfung jetzt als gedruckte Ausgabe verfügbar
Datum: 10. Juli 2026, 12:00 Uhr
Herausforderungen und Lösungsansätze für nachhaltige Wertschöpfung
Die Verknappung von Rohstoffen, instabile Lieferketten, hohe Kosten durch Abfall und verschärfte gesetzliche Vorgaben stellen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Das gemeinsam vom Fraunhofer IPA und Fraunhofer IAO herausgegebene „Handbuch Kreislauffähige Wertschöpfung“ bietet praxisorientierte Ansätze, wie Unternehmen Produkte länger nutzen, Materialien zurückführen und innovative Geschäftsmodelle etablieren können.
Von der linearen zur zirkulären Wirtschaft
In Produktionsstätten, Werkstätten und Recyclinganlagen entscheidet sich der tatsächliche Wert eines Produkts und wie viel davon verloren geht. Während beispielsweise Elektromotoren repariert statt ersetzt werden können und Kunststoffe als Rohstoffe in neue Produkte zurückfließen, arbeiten viele Unternehmen weiterhin nach dem linearen Prinzip: produzieren, verkaufen, nutzen und entsorgen. Dieses Modell führt zu hohem Rohstoffverbrauch, Abfallaufkommen und erhöht die Anfälligkeit gegenüber Preisschwankungen und Lieferengpässen.
Inhalte und Herausgeber des Handbuchs
Das „Handbuch Kreislauffähige Wertschöpfung – Schlüsselkonzepte, Technologien, Geschäftsmodelle und Rahmenbedingungen“ wurde von den Fraunhofer-Instituten IPA und IAO in Zusammenarbeit mit weiteren Experten erstellt. Herausgeber sind Prof. Dr. Alexander Sauer (Fraunhofer IPA), Dr. (habil) Robert Miehe (Fraunhofer IPA) sowie Prof. Dr. Katharina Hölzle (Fraunhofer IAO).
Grundlagen der Kreislauffähigkeit
Kreislauffähige Wertschöpfung beginnt bereits bei der Produktgestaltung, der Materialauswahl, der Entwicklung von Geschäftsmodellen und der Nutzung von Daten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Recycling allein ist nicht ausreichend; Produkte müssen so konzipiert sein, dass sie repariert, wiederverwendet, aufbereitet oder hochwertig recycelt werden können.
Herausforderungen in der Praxis
Viele Produkte verlieren am Ende ihrer Lebensdauer nahezu ihren gesamten Wert. Funktionstüchtige Bauteile werden entsorgt, Materialien werden vermischt und können nicht getrennt wiederverwendet werden. Zudem fehlt häufig das Wissen über die Zusammensetzung und den Zustand der Komponenten, was eine wirtschaftliche Rückführung erschwert.
Strategien für eine zirkuläre Wirtschaft
- Entwicklung reparierbarer und modularer Produkte
- Bereitstellung digitaler Informationen zu Materialien und Produktlebenszyklen
- Neue Serviceangebote und Kooperationen über Unternehmensgrenzen hinweg
Ein zentraler Aspekt ist die Digitalisierung: Der Digitale Produktpass dokumentiert beispielsweise Materialbestandteile, Nutzungshistorie und Demontagemöglichkeiten. Diese Daten unterstützen Hersteller, Reparaturbetriebe, Recyclingunternehmen und Kunden, reduzieren Suchaufwand, verhindern Fehlentscheidungen und verbessern die Nutzung von Sekundärrohstoffen.
Geschäftsmodelle für die Kreislaufwirtschaft
Zirkuläre Geschäftsmodelle kombinieren Produktverkauf mit Serviceleistungen wie Nutzung, Wartung und Rücknahme. Dies schafft Anreize, Produkte langlebiger und leichter reparierbar zu gestalten. Unternehmen, die Eigentümer der Produkte bleiben, profitieren stärker von der Werterhaltung von Materialien und Komponenten.
Vorteile und praktische Umsetzung
Unternehmen können durch kreislauffähige Wertschöpfung Rohstoffe einsparen, Kostenrisiken minimieren und ihre Abhängigkeit von volatilen Märkten reduzieren. Produkte, die sich einfacher reparieren oder aufarbeiten lassen, verursachen am Lebensende weniger Aufwand. Die Verringerung von Materialverlusten führt zu weniger Abfall, geringerer Umweltbelastung und erhöhter Versorgungssicherheit. Daraus ergeben sich konkrete Aufgaben für Entwicklung, Produktion, Einkauf und Management.
Wissenschaftliche Grundlagen und Praxisbeispiele
Das Handbuch vereint Beiträge aus Forschung und Praxis, die von Grundlagen über Technologien bis zu konkreten Handlungsfeldern in Unternehmen reichen. Themen sind unter anderem:
- Kunststoffe
- Elektrofahrzeuge
- Elektromotoren
- Produktionsmanagement
- Produktentwicklung
- Zirkuläres Controlling
- Blockchain
- Digitale Zwillinge
- Digitaler Produktpass
- Rechtliche Rahmenbedingungen
- Kompetenzen und Weiterbildung
Ein Praxisbeispiel aus dem Maschinen- und Anlagenbau illustriert die Umsetzung des Wandels. Zudem wird betont, dass Kreislaufwirtschaft nur funktioniert, wenn Unternehmen Daten teilen, Rückführnetzwerke aufbauen und bereits in der Produktentwicklung Zerlegung, Reparatur oder Wiederverwendung berücksichtigen.
Zielgruppen und Anwendung
Das Handbuch richtet sich an Unternehmer, Führungskräfte, Produktentwickler, Personalverantwortliche, Studierende, Forschende sowie Aus- und Weiterbildende. Es vermittelt eine gemeinsame Wissensbasis und bietet Orientierung zu folgenden Fragen:
- Welche Strategien passen zu welchen Produkten?
- Welche Daten sind erforderlich?
- Welche Technologien sind aktuell relevant?
- Welche Kompetenzen müssen Teams entwickeln?
Der nächste Schritt besteht darin, das Wissen in der Praxis anzuwenden. Unternehmen sollten analysieren, wo Materialverluste vermieden, Produkte langlebiger gestaltet und Rückführprozesse organisiert werden können. Forschung und Industrie sind gefordert, offene Fragen zu klären, etwa zur sicheren und standardisierten Datenweitergabe, zur Wirtschaftlichkeit von Wiederverwendung gegenüber Recycling und zu verlässlichen Marktregeln für Sekundärrohstoffe.
Kreislauffähige Wertschöpfung als Wettbewerbsfaktor
Die Integration kreislauffähiger Wertschöpfung ist keine zusätzliche Aufgabe für Nachhaltigkeitsabteilungen, sondern wird zu einem zentralen Element industrieller Wettbewerbsfähigkeit. Das Handbuch stellt hierfür Fachwissen, Begriffe, Beispiele und Methoden bereit und ist frei zugänglich für alle Akteure, die den Wandel aktiv gestalten möchten.
Verfügbarkeit und Finanzierung
Die digitale Ausgabe des Handbuchs ist Open Access verfügbar. Die gedruckte Version erscheint am 10. Juli 2026 bei Springer Gabler. Die Erstellung wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Programm „Zukunft der Wertschöpfung“ gefördert (bis 2025 unter dem Namen Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF).
Das Buch wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht. Kostenloser Download:
https://doi.org/10.1007/978-3-658-46549-0
Die Druckversion ist erhältlich unter ISBN 978-3-658-46548-3, die eBook-Ausgabe unter ISBN 978-3-658-46549-0.
Wissenschaftliche Ansprechpartner
- Sonja Ziehn | Tel.: +49 711 970-1475 | sonja.ziehn@ipa.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA | www.ipa.fraunhofer.de - Andreas Werner | Tel.: +49 711 970-2289 | andreas.werner@iao.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO | www.iao.fraunhofer.de
Originalpublikation
https://doi.org/10.1007/978-3-658-46549-0
Weiterführende Informationen
https://www.ipa.fraunhofer.de/de/aktuelle-forschung/nachhaltige-wertschoepfungssysteme.html




















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