Studie: Männer nutzen externe Angebote für höhere Gehälter, Frauen profitieren nicht – Lohnunterschiede bleiben bestehen.

Studie: Männer nutzen externe Angebote für höhere Gehälter, Frauen profitieren nicht – Lohnunterschiede bleiben bestehen.

Externe Stellenangebote führen bei Männern zu höheren Gehältern – bei Frauen nicht

Eine aktuelle Untersuchung der Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) zeigt, dass Männer externe Stellenangebote häufiger nutzen, um ihr Gehalt im aktuellen Beschäftigungsverhältnis zu erhöhen. Frauen profitieren von solchen Angeboten hingegen nicht in gleichem Maße. Laut Dogan Gülümser, Forscher bei RFBerlin, verdienen Männer in vergleichbaren Positionen am gleichen Arbeitsplatz durchschnittlich acht Prozent mehr als Frauen – selbst in Schweden, einem Land mit hohen Gleichstellungsstandards.

Ursachen für geschlechtsspezifische Lohnunterschiede

Ein wesentlicher Grund für die Einkommensdifferenzen liegt in den unterschiedlichen Verhandlungsstrategien der Geschlechter. Gülümser erklärt, dass geschlechtsspezifische Unterschiede bei Lohnverhandlungen maßgeblich zum Lohngefälle beitragen. Schätzungen zufolge entfallen etwa 50 Prozent des Gehaltsunterschieds auf Nachverhandlungen.

Methodik der Studie

Die Analyse basiert auf der Untersuchung von Beschäftigungsmöglichkeiten, die sich aus den Arbeitsplätzen von Eltern und Geschwistern der Arbeitnehmer ergeben. Wenn Verwandte neue Mitarbeiter einstellen, erhalten die Beschäftigten Zugang zu Informationen über externe Stellenangebote. Diese bieten eine glaubwürdige Alternative, um entweder den Arbeitgeber zu wechseln oder eine Gehaltserhöhung beim aktuellen Arbeitgeber zu verhandeln.

Ergebnisse der Untersuchung

  • Männer nutzen externe Angebote häufiger, um ihr Gehalt beim derzeitigen Arbeitgeber zu steigern.
  • Frauen reagieren auf solche Chancen eher mit einem Arbeitgeberwechsel, erzielen jedoch keine signifikanten Gehaltssteigerungen im aktuellen Job.
  • Die Qualität der verfügbaren Stellenangebote ist für beide Geschlechter vergleichbar, ebenso die Merkmale der einstellenden Unternehmen hinsichtlich Lohnniveau, Produktivität und Standort.
  • Die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitgeberwechsels erhöht sich bei Vorliegen externer Angebote um das Vierfache.
  • Die Effekte zeigen sich vor allem bei Arbeitsplätzen mit individuell verhandelbaren Löhnen. Bei tarifgebundenen Beschäftigten bleiben Gehaltserhöhungen aus.

Implikationen für politische Maßnahmen

Die Studie weist darauf hin, dass die geplante EU-Richtlinie zur Lohntransparenz, die bis Juni 2026 umgesetzt werden soll, allein nicht ausreichen wird, um geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu beseitigen. Zwar verbessert mehr Transparenz die Informationslage über Gehaltsunterschiede innerhalb von Unternehmen, jedoch sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich.

Gülümser betont, dass politische Strategien notwendig sind, die Frauen ermutigen, aktiver in Gehaltsverhandlungen einzutreten, sowie Unternehmen darin unterstützen, einheitliche und faire Lohnfestlegungen sicherzustellen. Nur so könnten die bestehenden geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede nachhaltig reduziert werden.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Dogan Gülümser
E-Mail: d.gulumser@rfberlin.com
Telefon: +46 793 58 22 40


Quellenangaben

RFBerlin Research Insight: The Renegotiation Gap: Why Outside Job Opportunities Widen the Gender Wage Gap
Autoren: Peter Fredriksson, Doğan Gülümser, Lena Hensvik
Verfügbar unter: https://www.rfberlin.com/research-insight/

Weiterführende Veröffentlichung:
Outside Job Opportunities and the Gender Gap in Pay, RFBerlin Discussion Paper 71/25 von Fredriksson, P., D. Gülümser und L. Hensvik

2 thoughts on “Studie: Männer nutzen externe Angebote für höhere Gehälter, Frauen profitieren nicht – Lohnunterschiede bleiben bestehen.

  1. Der Artikel zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass Frauen in Verhandlungen stärker gefördert werden. Die Lohnunterschiede sind frustrierend und erfordern dringend Maßnahmen!

  2. Diese Studie zeigt deutlich: Der Gender-Pay-Gap ist nicht nur ein Mythos. Frauen müssen ermutigt werden, für sich selbst und ihre Leistungen einzutreten. Verhandeln ist entscheidend!

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