Leichte Abnahme der durchschnittlichen Arbeitszeit pro Kopf – Anstieg bei älteren Erwerbstätigen
Nach einem langjährigen Anstieg der durchschnittlichen Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland ist in den letzten Jahren ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Diese Kennzahl, die die wöchentliche Arbeitszeit aller Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren – einschließlich der nicht Erwerbstätigen – erfasst, dient als wesentlicher Indikator für das Arbeitskräfteangebot.
Entwicklung der Arbeitszeit von 2023 bis 2025
Im Jahr 2023 erreichte die durchschnittliche Wochenarbeitszeit mit 28,8 Stunden einen Höchstwert. Bis 2025 verringerte sich dieser Wert um 0,4 Stunden, was rechnerisch einem Verlust von etwa 460.000 Vollzeitstellen entspricht. Besonders ausgeprägt war der Rückgang bei Männern sowie bei den jüngeren und mittleren Altersgruppen. Im Gegensatz dazu stieg die Arbeitszeit bei älteren Beschäftigten an. Diese Erkenntnisse basieren auf Analysen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) unter Verwendung von Mikrozensus-Daten.
Langfristige Trends und geschlechtsspezifische Unterschiede
Zwischen 2005 und Anfang der 2020er Jahre war ein kontinuierlicher Anstieg der Arbeitszeit pro Kopf zu beobachten. Männer erreichten 2019 mit durchschnittlich 33,5 Wochenstunden den höchsten Stand seit 1991, der bis 2025 auf 32,6 Stunden sank. Harun Sulak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB, erläutert: „Phasen wirtschaftlicher Schwäche führen üblicherweise zu einer Reduktion der Arbeitszeit pro Kopf, was aktuell ebenfalls zu beobachten ist.“
Die Auswirkungen sind jedoch weniger ausgeprägt als in früheren wirtschaftlichen Abschwüngen, etwa nach der Wiedervereinigung oder in den frühen 2000er Jahren. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Arbeitszeit bei Frauen mit rund 24 Stunden pro Woche weitgehend stabil blieb. Die anhaltenden Fachkräftemängel in Bereichen wie Bildung, Kinderbetreuung und Gesundheitswesen, in denen Frauen überproportional vertreten sind, tragen zu dieser Stabilität bei.
Einfluss von Alter und Bildungsniveau
Die Analyse nach Altersgruppen zeigt unterschiedliche Entwicklungen: Während die Arbeitszeit bei Personen zwischen 25 und 54 Jahren zurückging, stieg sie bei den über 60-Jährigen weiter an. Dieser Trend ist unter anderem auf die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters zurückzuführen, die zu einer höheren Erwerbsbeteiligung älterer Menschen führt.
Auch das Bildungsniveau beeinflusst die Arbeitszeitentwicklung deutlich. Bei Personen mit niedrigem Bildungsabschluss war der Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf am stärksten ausgeprägt, hauptsächlich aufgrund einer geringeren Erwerbstätigenquote. Bei höher Qualifizierten fiel der Rückgang geringer aus und resultierte vor allem aus einer Verringerung der Wochenarbeitszeit der Erwerbstätigen. Dabei spielen auch vermehrte Inanspruchnahme von Elternzeit und Teilzeitmodellen, insbesondere bei Männern, eine Rolle.
Zukünftige Bedeutung der Arbeitszeit pro Kopf
Prof. Dr. Sebastian Klüsener, Forschungsdirektor am BiB, weist darauf hin, dass die Erwerbspersonenzahl aufgrund der demografischen Alterung in den kommenden Jahrzehnten weiter abnehmen wird. Die Arbeitszeit pro Kopf zeigt auf, wie gut die vorhandenen Erwerbspotenziale genutzt werden, und wird daher an Bedeutung gewinnen.
Methodische Hinweise
Die dargestellten Berechnungen sind altersstandardisiert und beziehen sich auf die Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2025. Dieses Vorgehen ermöglicht es, den Einfluss von Veränderungen in der Altersstruktur auf die beobachteten Trends auszuschließen.
Kontaktinformationen
- Harun Sulak: Harun.Sulak@bib.bund.de
- Prof. Dr. Sebastian Klüsener: Sebastian.Kluesener@bib.bund.de



















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