Ein Drittel der Ausgewanderten nennt bürokratische Hürden als Fluchtgrund
Im Rahmen der ersten Erhebungswelle des International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) äußerten etwa drei Prozent der befragten Eingewanderten ihre Absicht, Deutschland zu verlassen. Die aktuelle Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass bis zur zweiten Befragungsrunde 2,6 Prozent der Befragten – hochgerechnet rund 260.000 Personen – Deutschland tatsächlich verlassen haben. Nach partnerschaftlichen und familiären Motiven ist die Komplexität bürokratischer Abläufe der zweithäufigste Grund für die Abwanderung.
Abwanderungspläne im Vergleich zur tatsächlichen Abwanderung
Fast die Hälfte der Ausgewanderten hatte bereits bei der ersten Befragung konkrete Abwanderungsabsichten geäußert, weitere 18 Prozent hatten zumindest darüber nachgedacht. Ein Drittel der Personen gab zu diesem Zeitpunkt keine Überlegungen oder Pläne zur Abwanderung an. Gleichzeitig blieben rund zwei Drittel derjenigen mit Abwanderungsplänen bis zur zweiten Befragung weiterhin in Deutschland. Dies kann auf den kurzen Zeitraum zwischen den Erhebungen, veränderte Lebensumstände oder das Aufgeben der Pläne zurückzuführen sein.
Yuliya Kosyakova, Leiterin des IAB-Forschungsbereichs „Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung“, betont: „Abwanderungspläne sind ein verlässlicher Indikator für spätere Abwanderungen, auch wenn nicht jede Abwanderung vorher angekündigt wird. Angesichts sinkender Zuzugszahlen und stabiler Fortzüge ist es arbeitsmarktpolitisch entscheidend, frühzeitig Personen mit Abwanderungsabsichten zu identifizieren, um gezielt Maßnahmen zur Förderung des Verbleibs zu entwickeln.“
Mobilitätsorientierung bei in Deutschland verbleibenden Eingewanderten
Auch unter den Eingewanderten, die weiterhin in Deutschland leben, bleiben Abwanderungsabsichten präsent: Drei Prozent planen innerhalb der nächsten zwölf Monate auszureisen, während weitere 30 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten über eine Ausreise nachgedacht haben. Dies verdeutlicht eine anhaltende Mobilitätsbereitschaft innerhalb dieser Gruppe.
Bürokratische Prozesse als wesentlicher Abwanderungsgrund
32 Prozent der Ausgewanderten geben aufwändige bürokratische Verfahren als Grund für ihre Abwanderung an. Kritische Erfahrungen beziehen sich häufig auf unzureichende Antworten auf Rückfragen, lange Verfahrensdauern, Gebühren sowie undurchsichtige Abläufe. Besonders jüngere Eingewanderte bewerten diese Prozesse negativ. Julia Reinold, Forscherin am IAB, erklärt: „Wenn administrative Abläufe als langwierig, unverständlich oder schwer zugänglich wahrgenommen werden, kann dies die Bleibeperspektiven erheblich beeinträchtigen.“
Zielregionen und demografische Merkmale der Ausgewanderten
- 40 Prozent der Ausgewanderten zogen in ein anderes Land, hauptsächlich nach Spanien, gefolgt von der Schweiz, Italien und Kroatien.
- 60 Prozent kehrten in ihr Herkunftsland zurück, vor allem aus Mittel- und Osteuropa sowie anderen Nicht-EU-Staaten.
- Im Vergleich zu den Verbliebenen sind Ausgewanderte durchschnittlich jünger, kürzer in Deutschland ansässig, häufiger mit Familie im Ausland und verfügen seltener über sehr gute Deutschkenntnisse, jedoch häufiger über sehr gute Englischkenntnisse.
- Die Bruttostundenlöhne der Ausgewanderten liegen unter denen der Verbliebenen.
Innerhalb der Ausgewanderten unterscheiden sich Personen mit früheren Abwanderungsplänen durch höhere Bildung, bessere Englischkenntnisse, häufiger deutsche oder EU-Staatsangehörigkeit beziehungsweise Niederlassungserlaubnis sowie höhere Bruttostundenlöhne. Theresa Koch vom IAB weist darauf hin, dass Abwanderungspläne nicht zwangsläufig mit geringer Integration einhergehen, sondern auch bei gut qualifizierten und international mobilitätsfähigen Personen auftreten.
Unterstützungsbedarf im Bereich Arbeit und Karriere
Rückblickend gaben 50 Prozent der Ausgewanderten an, während ihres Aufenthalts in Deutschland Unterstützung im Bereich Arbeit und Karriere benötigt zu haben. Von diesen wünschten sich 56 Prozent Hilfe von der Bundesagentur für Arbeit oder dem Jobcenter, 44 Prozent von kommunalen Einrichtungen und 43 Prozent vom Arbeitgeber. Die Ausgewanderten bewerten die Arbeitsmarktchancen für Ausländer kritischer als die Verbliebenen und stimmen häufiger der Aussage zu, dass Ausländer auf dem deutschen Arbeitsmarkt schlechtere Chancen haben.
Verbindung zu Deutschland trotz Abwanderung
Die Abwanderung bedeutet nicht zwangsläufig einen vollständigen Bruch mit Deutschland: 53 Prozent der Ausgewanderten hätten gerne länger oder dauerhaft in Deutschland gelebt, und 57 Prozent denken darüber nach, künftig wieder nach Deutschland zurückzukehren. Laura Goßner vom IAB betont, dass Fachkräftesicherung nicht nur aus der Perspektive der Zuwanderung betrachtet werden sollte, sondern auch die Aspekte Verbleib, Abwanderung und mögliche Rückkehr einbeziehen muss.
Datengrundlage der Studie
Die Untersuchung basiert auf Daten des International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), einer repräsentativen Längsschnittbefragung von Eingewanderten in Deutschland. Die erste Erhebungswelle fand von Dezember 2024 bis April 2025 statt, die Wiederbefragung von November 2025 bis Februar 2026. Dadurch können Abwanderungsabsichten aus der ersten Welle mit tatsächlicher Rück- und Weiterwanderung bis zur zweiten Welle verknüpft werden. An der zweiten Befragung nahmen 43 Prozent der ursprünglichen Teilnehmer erneut teil. Mithilfe statistischer Hochrechnungen sind repräsentative Aussagen für die Zielgruppe möglich. Insgesamt umfasst der Datensatz über 15.000 Befragte.
Die vollständige Studie ist verfügbar unter: https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-10.pdf.
Eine detaillierte Analyse zur Bewertung administrativer Verfahren ist im IAB-Forum abrufbar: https://iab-forum.de/wenn-buerokratie-zur-huerde-wird-wie-eingewanderte-die-admi….




















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Die bürokratischen Hürden in Deutschland sind eine echte Belastung. Man fühlt sich oft verloren und frustriert. Einfache Dinge dauern ewig, das zieht einen runter und führt zur Abwanderung.
Interessant, dass Bürokratie genannt wird, aber wie viele der Abwanderer hatten ernsthafte Alternativen? Vielleicht ist es einfacher, die Probleme woanders zu suchen, als sich der Realität zu stellen.