Demenz verursacht jährliche Kosten von über 220 Milliarden Euro in Europa – Hauptbelastung durch informelle Pflege.

Demenz verursacht jährliche Kosten von über 220 Milliarden Euro in Europa – Hauptbelastung durch informelle Pflege.

Gesellschaftliche Kosten von Demenz in Europa übersteigen 220 Milliarden Euro jährlich

Eine aktuelle Analyse eines internationalen Forscherteams unter Leitung von Prof. Dr. Richard Dodel vom Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Duisburg-Essen hat ergeben, dass Demenz in den hochentwickelten europäischen Ländern jährliche Kosten in Höhe von 221,4 Milliarden Euro verursacht. Dies entspricht durchschnittlich 25.218 Euro pro betroffener Person. Die Studie, die 45 europäische Untersuchungen systematisch ausgewertet hat, wurde im Journal of Alzheimer’s Disease veröffentlicht und stellt die umfassendste Untersuchung zu den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen von Demenz dar.

Demenz und ihre Auswirkungen

Demenz ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft und kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Sprache sowie Alltagskompetenzen beeinträchtigt.

Kostenstruktur der Demenzversorgung

Die Gesamtkosten der Demenzversorgung setzen sich hauptsächlich aus zwei Bereichen zusammen:

  • Informelle Pflege: Rund 58 Prozent der Kosten entfallen auf die informelle Pflege, die von Angehörigen, Freunden oder Nachbarn geleistet wird. Diese langfristige Betreuung ist sowohl emotional als auch körperlich belastend und stellt einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor dar.
  • Direkte medizinische und pflegerische Leistungen: Die verbleibenden 42 Prozent der Kosten entstehen durch Arztbesuche, Medikamente, stationäre Behandlungen und Pflegeheime.

Indirekte Kosten, wie Produktivitätsverluste durch vorzeitigen Ruhestand oder Arbeitsausfälle von Angehörigen, spielen laut Prof. Dodel eine untergeordnete Rolle.

Gesellschaftliche Bedeutung und Handlungsempfehlungen

Die Untersuchung verdeutlicht, dass die Hauptbelastung für die Gesellschaft durch die oft unbezahlte und intensive Pflegearbeit von Familienmitgliedern entsteht. Die Autoren plädieren daher für eine ganzheitliche Betrachtung von Demenz, die über medizinische Aspekte hinausgeht. Maßnahmen wie verbesserte Prävention, frühere Diagnosen und stärkere Unterstützung pflegender Angehöriger könnten die Belastungen für Betroffene und deren Umfeld erheblich mindern.

Unterschiede zwischen den europäischen Ländern

Die Studie zeigt erhebliche Kostenunterschiede zwischen den einzelnen Ländern auf. Während die Kosten pro Patient in einigen osteuropäischen Staaten unter 15.000 Euro liegen, überschreiten sie in westeuropäischen Ländern 30.000 Euro. Diese Divergenzen sind auf unterschiedliche Einkommensverhältnisse, Pflegesysteme und Versorgungsstrukturen zurückzuführen.

Ausblick auf neue Therapien

Mit der Entwicklung neuer biologischer Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen können, könnte sich die Kostenverteilung zukünftig verändern. Diese Behandlungen erfordern frühzeitige Diagnosen, spezielle Tests und intensive Überwachung, was zunächst zu höheren Ausgaben führen kann. Langfristig könnten sie jedoch die Belastung für Pflegepersonen sowie die Gesamtkosten reduzieren.

Datenlage und zukünftige Herausforderungen

Die vorliegenden Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf hochentwickelte europäische Länder, da Daten aus einkommensschwächeren Staaten bislang unzureichend sind. Die Implementierung neuer therapeutischer Ansätze und politischer Strategien wird entscheidend sein, um die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Demenz in Zukunft zu bewältigen.


Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Prof. Dr. Richard Dodel, Lehrstuhl für Geriatrie, Universität Duisburg-Essen

Originalpublikation

The economic burden of dementia in Europe: COIN-Eu dementia

Weiterführende Informationen

https://www.uni-due.de/med/meldung.php?id=1996

Schreibe einen Kommentar