Studie: Erfolgsfaktoren der Wertschöpfung im Private Equity
Private-Equity-Investoren sehen sich derzeit mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Die klassische Renditequelle, die Multiple-Expansion, ist weitgehend ausgeschöpft, während sich die Haltedauern von Beteiligungen verlängern. Der Wert einer Investition wird zunehmend durch die operative Umsetzung bestimmt. Im Fokus steht daher nicht mehr die Frage, ob Wert geschaffen werden muss, sondern welche Hebel Investoren priorisieren sollten und in welcher Reihenfolge diese anzusetzen sind.
Untersuchung und Methodik
Die Studie „Winning the Value Creation Game“ wurde von Radial, Keyplayer sowie dem Centre for Performance Management & Controlling der Frankfurt School of Finance & Management gemeinsam durchgeführt. Grundlage bildeten über 100 Interviews mit Partnern, Investment Managern und operativen Experten aus dem deutschen Private-Equity-Sektor. Ziel war es, die tatsächlichen Werttreiber entlang des gesamten Deal-Zyklus zu identifizieren und über standardisierte Vorgehensweisen hinauszugehen.
Zentrale Erkenntnisse: Zusammenspiel von People, Data und Time
Die Analyse zeigt, dass erfolgreiche Wertschöpfung auf dem integrativen Zusammenspiel dreier Dimensionen beruht:
- People: Der Faktor Mensch ist der wichtigste Hebel.
- Data: Eine belastbare Datenbasis bildet die Voraussetzung für weitere Maßnahmen.
- Time: Das richtige Timing ist entscheidend für Wertsteigerung oder -vernichtung.
Nicht einzelne Maßnahmen, sondern deren koordinierte Anwendung bestimmen den Erfolg. Die größte Herausforderung liegt dabei weniger im Wissen um die richtigen Hebel, sondern in der konsequenten Umsetzung.
People: Managementqualität als Schlüssel zum Erfolg
Der Faktor Mensch wird von knapp 72 % der Befragten als entscheidend für die Wertschöpfung angesehen. Dabei überwiegt die Bedeutung von Soft Skills gegenüber fachlichen Kompetenzen (84 % zu 57,5 %). Viele Investoren geben offen zu, mindestens einmal zu lange an einem ungeeigneten Management festgehalten zu haben, was als einer der teuersten Fehler im Beteiligungszyklus gilt.
Sebastian Bretag, Geschäftsführer von Keyplayer, betont die Bedeutung eines strukturierten Management-Assessments bereits in der Due Diligence: „Der Track Record ist im Datenraum sichtbar, doch die Belastbarkeit des Managements während der Exit-Phase nicht. Dies entscheidet maßgeblich über die Rendite.“
Bastian Cammann, Co-CEO von Keyplayer, ergänzt: „Nicht der Lebenslauf, sondern die Passung zur aktuellen Unternehmens- und Marktsituation ist entscheidend. Leistungsfähigkeit zeigt sich erst unter Druck – dies sollte vorab systematisch geprüft werden.“
Data: Datenqualität als Grundlage für KI und Wertschöpfung
Daten werden überwiegend als Ermöglicher, nicht als eigenständiger Werttreiber betrachtet. Während 96,5 % der Befragten Datentransparenz für relevant halten, sehen nur 29,5 % diese als entscheidend an, obwohl inkonsistente Finanzdaten eine der häufigsten Ursachen für Exit-Probleme darstellen.
Als wichtigste Faktoren für Exit-Readiness werden konsistente und vergleichbare Finanzdaten (27 %) sowie eine datenbasierte Equity Story (26 %) genannt. Ein einheitliches ERP-System wird hingegen mit nur rund 2 % als weniger relevant eingeschätzt.
Dr. Sascha Haggenmüller von Radial weist darauf hin, dass viele Unternehmen KI-Initiativen starten, ohne zuvor eine saubere und systemunabhängige Datenbasis zu schaffen: „KI benötigt eine harmonisierte Dateninfrastruktur über alle Vorsysteme hinweg. Ohne diese Grundlage bleibt KI wirkungslos.“
Jan Wasner, Director bei Radial, fasst zusammen: „Wertschöpfung beginnt mit der Datenbasis, nicht mit dem Werkzeug. Erst wenn Kennzahlen über alle Systeme vergleichbar sind, wird Datentransparenz zum Hebel.“
Time: Bedeutung von Timing und Kontinuität
Die Dimension Zeit wird in der Studie als am stärksten unterschätzt identifiziert. Exit-Readiness beginnt bereits zum Zeitpunkt des Closings, nicht erst im Verkaufsjahr.
Nur 21,2 % der Befragten verfügen über einen vollständig quantifizierten Maßnahmenplan in der Due Diligence, und 34,2 % bewerten ihre 100-Tage-Pläne rückblickend als wenig realistisch.
Die Studie unterstreicht, dass nicht die Intensität, sondern die Kontinuität der Maßnahmen entscheidend ist. Die Value-Creation-Strategie muss vor dem Signing feststehen und über die gesamte Haltedauer verfolgt werden. Operative Verbesserungen entfalten ihren Wert erst, wenn sie für potenzielle Käufer transparent und nachvollziehbar sind.
Tina Kleingarn von Keyplayer betont: „Wer den Exit erst im letzten Jahr vorbereitet, verschenkt Wertpotenziale.“
Fazit: Umsetzung entscheidet über den Erfolg
Prof. Dr. Ronald Gleich, Direktor des Centre for Performance Management & Controlling, sieht in der Studie einen wichtigen Beitrag für die Private-Equity-Branche: „Erfolgreiche Investoren steuern Managementqualität, Datenbasis und Timing nicht isoliert, sondern verzahnt.“
Das Vernachlässigen einer dieser Dimensionen gefährdet den Wert der Beteiligung. Der Unterschied zwischen durchschnittlicher und herausragender Wertschöpfung liegt selten im Wissen, sondern meist in der konsequenten Umsetzung.
Den vollständigen Studienbericht finden Sie unter: https://value-creation.club/
Über die Frankfurt School of Finance & Management
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In nationalen und internationalen Rankings erzielt die Hochschule regelmäßig Spitzenpositionen, beispielsweise Platz 31 im European Business School Ranking der Financial Times und Platz 1 in Deutschland im UTD Top 100 Business School Research Ranking.
Die Frankfurt School fördert Unternehmertum und Startups, insbesondere durch das Entrepreneurship Centre und die Startup Factory Futury in der Rhein-Main-Region. Zudem bietet sie Beratungsleistungen mit Schwerpunkt auf Schwellen- und Entwicklungsländer sowie ESG-Themen an.
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