Nur fünf Prozent der deutschen Bauunternehmen kennen ihren CO₂-Fußabdruck – ungenutzte Einsparpotenziale erkannt

Nur fünf Prozent der deutschen Bauunternehmen kennen ihren CO₂-Fußabdruck – ungenutzte Einsparpotenziale erkannt

Studie der TU Dresden: Nur fünf Prozent der deutschen Bauunternehmen kennen ihren CO₂-Fußabdruck

Eine aktuelle Untersuchung der Technischen Universität Dresden (TUD) zeigt, dass lediglich fünf Prozent der Bauunternehmen in Deutschland ihren CO₂-Ausstoß genau beziffern können. Die Studie basiert auf einer bundesweiten Befragung von 601 Bauunternehmen im Winter 2025/2026. Trotz steigender Kosten durch CO₂-Aufschläge bei Diesel, Strom, Zement, Lkw-Maut und Entsorgung verfügen die meisten Firmen über keine systematische Erfassung ihrer Emissionen. Die Wissenschaftler sehen darin ungenutzte Einsparpotenziale, da eine transparente CO₂-Bilanzierung gezielte Reduktionsmaßnahmen ermöglicht und somit Kosten senkt.

Regionale Ergebnisse und Kostenbewusstsein

In Sachsen beteiligten sich 64 Unternehmen an der Studie. Auch hier ist die Kenntnis des eigenen CO₂-Fußabdrucks gering. Allerdings berücksichtigt bereits jedes fünfte sächsische Bauunternehmen (20 Prozent) CO₂-Kosten oder Umweltkosten bei der Projektkalkulation. Bundesweit liegt dieser Anteil bei 22 Prozent, wobei kleine und große Unternehmen ähnlich häufig CO₂-Kosten einpreisen.

Vergleich mit anderen Branchen

Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen schneidet die Bauwirtschaft hinsichtlich der CO₂-Transparenz schlechter ab. Während branchenübergreifend etwa 16 Prozent der Unternehmen ihren CO₂-Fußabdruck kennen, sind es in der Baubranche nur fünf Prozent. Besonders bei kleinen Bauunternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten liegt der Anteil bei lediglich drei Prozent.

Studienleiter Dr. Philipp Richter kommentiert: „Kleinere Bauunternehmen berücksichtigen CO₂-Kosten in ihren Angeboten genauso häufig wie größere Firmen. Dennoch fehlt ihnen meist das Bewusstsein für den eigenen Emissionsausstoß, obwohl die relevanten Daten in der Buchhaltung vorhanden sind. Entscheidend ist die bewusste Entscheidung, diese Informationen auszuwerten.“

Rechtlicher und wirtschaftlicher Hintergrund

Die EU-Omnibus-Richtlinie verpflichtet nur sehr große Unternehmen zur Berichterstattung über ihre Emissionen. Dennoch gewinnt das Thema auch für den Mittelstand an Bedeutung, da große Auftraggeber vermehrt Emissionsdaten von Nachunternehmern anfordern, öffentliche Vergabestellen Emissionen mit einem CO₂-Preis bewerten und Banken Klimarisiken in ihre Kreditentscheidungen einbeziehen. Ab 2028 schreibt das Gebäudemodernisierungsgesetz für größere Neubauten zudem eine CO₂-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus vor.

Methodik der Studie

  • Umfang: Befragung von 601 Bauunternehmen aus allen 16 Bundesländern
  • Repräsentativität: Stichprobe entspricht Größe, Umsatz und Eigentümerstruktur der deutschen Bauwirtschaft
  • Unternehmensstruktur: 89 Prozent der befragten Betriebe sind Familien- oder Gründerunternehmen

Quelle: Richter, P. & Leistner, P. (2026): CO₂-Management in der deutschen Bauwirtschaft. Benchmark und Wegweiser für den Mittelstand. Studienbericht, Technische Universität Dresden. https://doi.org/10.5281/zenodo.23098124

Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Dr. Philipp Richter
Habilitand, Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Management Accounting and Control
E-Mail: philipp_clemens.richter@tu-dresden.de
Telefon: +49 351 463-40882

Patrick Leistner
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Management Accounting and Control
E-Mail: patrick.leistner@tu-dresden.de

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