Erhöhte Mittel für Kommunen führen zu steigendem Investitionsvolumen
Eine aktuelle Untersuchung der Volkswirte Ines Helm und Jan Stuhler, veröffentlicht von der ROCKWOOL Foundation Berlin (RFBerlin), analysiert die Auswirkungen unerwarteter zusätzlicher Finanzmittel für Gemeinden. Die Studie zeigt, dass solche Mittel vor allem in Investitionen und Infrastruktur fließen. Die Anpassung erfolgt schrittweise: Die Investitionen steigen über mehrere Jahre an und erreichen nach etwa fünf Jahren ihren Höhepunkt. Erst im weiteren Verlauf werden auch Steuersenkungen realisiert.
Langfristige Effekte auf kommunale Haushalte
Ines Helm, Projektleiterin bei RFBerlin und Professorin an der Johannes Kepler Universität Linz, betont, dass die Wirkung zusätzlicher Mittel nicht unmittelbar sichtbar ist. Kommunen erhöhen ihre Investitionen über einen längeren Zeitraum. Zudem führen zusätzliche Zuweisungen zu einer Hebelwirkung: Für jeden zusätzlichen Euro an Mitteln wachsen die kommunalen Haushalte langfristig um etwa zwei Euro. Dies liegt unter anderem daran, dass Investitionen häufig durch Gebühren und Beiträge mitfinanziert werden und Kommunen zusätzliche Kredite aufnehmen.
Steuersenkungen treten erst langfristig in Erscheinung. Nach zehn Jahren entsprechen diese etwa 11 Prozent der zusätzlichen Mittel, nach 15 Jahren rund 16 Prozent.
Reaktionen auf Einnahmeverluste
Im Gegensatz zu Einnahmezuwächsen reagieren Kommunen bei Einnahmeverlusten deutlich schneller. Kürzungen bei Ausgaben und Investitionen erfolgen bereits innerhalb weniger Jahre. Nach fünf bis sechs Jahren gleichen sich die Reaktionen auf positive und negative Einnahmeschocks weitgehend an. Die Studie findet keine Hinweise darauf, dass Ausgaben bei Einnahmezuwächsen dauerhaft steigen, ohne bei Verlusten entsprechend zu sinken.
Methodik der Studie
Die Untersuchung basiert auf einem natürlichen Experiment: Die Volkszählung von 1987 führte zu erheblichen Korrekturen der amtlichen Einwohnerzahlen vieler westdeutscher Gemeinden. Da die Höhe der Zuweisungen im kommunalen Finanzausgleich von der Einwohnerzahl abhängt, erhielten einige Gemeinden dauerhaft mehr Mittel, andere weniger. Diese Anpassungen resultierten aus früheren Fehlern in den Melderegistern und standen nicht im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Dadurch konnten die Forscher die Auswirkungen zusätzlicher Einnahmen über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren analysieren.
Kontaktinformationen der Wissenschaftler
- Prof. Ines Helm
Telefon: 0043/732/24687342
Email: ines.helm@jku.at - Prof. Jan Stuhler
Telefon: 0034/617044310
Email: jstuhler@eco.uc3m.es
Originalpublikation
RFBerlin Research Insight: How Municipal Budgets Respond to Revenue Gains and Losses von Ines Helm und Jan Stuhler.
Weiterführende Literatur
The Dynamic Response of Municipal Budgets to Revenue Shocks von Ines Helm und Jan Stuhler, veröffentlicht im American Economic Journal: Applied Economics, 2024, 16(4), 484–527.




















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