Studie zur Fußball-WM 2026: Anhaltende Skepsis gegenüber der FIFA
Eine aktuelle Untersuchung der Universität Hohenheim analysiert die gesellschaftliche Wahrnehmung der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Deutschland. Im Vergleich zur WM 2022 in Katar wird das Turnier 2026 politisch weniger kritisch beurteilt. Dennoch bleibt das Misstrauen gegenüber der FIFA und der zunehmenden Kommerzialisierung des Events hoch. Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Umfrage unter 1.000 Personen und bilden den vierten Teil einer vierteiligen Studienreihe.
Politische Dimension der WM 2026
Prof. Dr. Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing & Business Development der Universität Hohenheim erläutert, dass die politische Kontroverse rund um die WM 2026 deutlich geringer ausfällt als noch bei der Austragung in Katar. Die Gastgeberländer USA, Kanada und Mexiko bieten weniger Anlass für Kritik. Dennoch sehen 38 % der Befragten eine politische Instrumentalisierung durch die Gastgeber. Etwa ein Viertel der Befragten befürwortet einen Boykott des DFB, um auf politische Missstände in den Austragungsländern aufmerksam zu machen.
Akzeptanz politischer Präsenz bei der WM
Die Zustimmung für Besuche des deutschen Bundeskanzlers bei WM-Spielen hat zugenommen: Während 2022 nur etwa 32 % einen Besuch des Bundeskanzlers bei einem möglichen Finale mit deutscher Beteiligung für angemessen hielten, befürworten dies 2026 53 % der Befragten. Besuche in früheren K.o.-Runden stoßen jedoch weiterhin auf geringere Zustimmung.
Image und Vertrauen in die FIFA
Das Ansehen der FIFA bleibt in der deutschen Bevölkerung negativ geprägt. Rund zwei Drittel bewerten den Weltfußballverband im Zusammenhang mit der WM 2026 kritisch. Besonders das Vertrauen in die Vergabeprozesse, Transparenz und Regelkonformität der FIFA ist gering ausgeprägt. Ein langfristiger negativer Trend ist erkennbar, der sich auch durch frühere Turniere bestätigt.
Kritik am neuen WM-Format und Kommerzialisierung
- Das erweiterte Turnierformat mit 48 Teams und drei Gastgeberländern wird von vielen Befragten skeptisch betrachtet.
- 50 % der Befragten vermuten finanzielle Motive hinter der Erweiterung.
- 44 % äußern Bedenken hinsichtlich der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs.
- Die Ausrichtung der WM in weniger fußballaffinen Ländern stößt auf Ablehnung: Nur knapp ein Viertel befürwortet dies, fast die Hälfte lehnt es ab.
- Eine häufigere Austragung der WM in einem Abstand von weniger als vier Jahren wird von etwa 75 % der Befragten abgelehnt.
Umwelt- und Klimasorgen
Ein großer Teil der Befragten sieht die WM 2026 aufgrund der weiten Entfernungen zwischen den Austragungsorten und der damit verbundenen internationalen Reisetätigkeit als potenzielle Belastung für Klima und Umwelt. Trotz dieser Bedenken plant nur eine Minderheit, die WM aus politischen oder gesellschaftlichen Gründen bewusst nicht zu verfolgen.
Methodik der Studie
Die WM-Studie 2026 basiert auf einer bevölkerungsrepräsentativen Online-Befragung von 1.000 Teilnehmern, die zwischen dem 24. April und 10. Mai 2026 durchgeführt wurde. Die Stichprobe wurde hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bundesland ausgewählt. Die Universität Hohenheim führt seit 2001 regelmäßig solche Untersuchungen durch, um Stimmungsbilder und Verhaltensweisen der Bevölkerung im Kontext von FIFA-Fußballweltmeisterschaften zu erfassen. Neben allgemeinen Einstellungen werden auch politische und gesellschaftliche Aspekte beleuchtet.
Weiterführende Informationen
- Vollständige Studie
- Teil 1: Eingeschränkter Glaube an deutschen Titelgewinn
- Teil 2: Heimtrikot überzeugt, Euphorie bleibt aus
- Teil 3: Public Viewing erlebt Comeback, Online-Medien gewinnen an Bedeutung
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
- Prof. Dr. Markus Voeth
Universität Hohenheim, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, Marketing & Business Development
Tel.: +49 (0)711 459 22925
E-Mail: voeth@uni-hohenheim.de - M.Sc. Julius Schmid
Universität Hohenheim, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, Marketing & Business Development
Tel.: +49 (0)711 459 22927
E-Mail: julius.schmid@uni-hohenheim.de
Quelle: Universität Hohenheim




















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