Risiken der Lebensmittelindustrie bis 2040: Ergebnisse einer aktuellen Studie
Unternehmen der Lebensmittelbranche sehen sich zunehmend mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen geopolitische Spannungen, der Klimawandel, Cyberangriffe, instabile Lieferketten, technologische Neuerungen sowie verschärfte regulatorische Anforderungen. Eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), beauftragt von der Funk Stiftung, analysiert die wesentlichen Risikofaktoren für die Lebensmittelindustrie bis zum Jahr 2040 und leitet daraus strategische Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Versicherer und weitere Beteiligte ab. Die Studie wird im Rahmen des Food Future Forums in Bielefeld vorgestellt.
Systemrelevanz und steigende Verwundbarkeit der Branche
Die Lebensmittelindustrie ist von zentraler Bedeutung für die Gesellschaft, hat jedoch in den letzten Jahren eine zunehmende Anfälligkeit gegenüber verschiedenen Risiken gezeigt. Unterbrechungen in den Lieferketten, extreme Wetterereignisse, steigende Energiekosten sowie Cyberangriffe auf digital vernetzte Produktionsanlagen treten immer häufiger gleichzeitig auf und verstärken sich gegenseitig. Diese gleichzeitige Wirkung mehrerer Risikofaktoren stellt eine neue Qualität der Gefährdung dar, die sich deutlich von früheren Jahrzehnten unterscheidet.
Methodik der Studie
Die Untersuchung mit dem Titel „Auf Messers Schneide – Risiken der Lebensmittelindustrie: Trends, Szenarien, Handlungsstrategien“ basiert auf einem mehrstufigen, partizipativen Foresight-Prozess. Dabei wurden über 3.000 wissenschaftliche Publikationen ausgewertet, 41 zentrale Trends identifiziert und 183 Einzelrisiken in 19 Risikocluster zusammengefasst. Ergänzend entwickelte das Forschungsteam vier Zukunftsszenarien bis 2040, um die Dynamiken und Wechselwirkungen der Risiken systematisch zu erfassen und zu analysieren.
Zunehmende Risiken und ihre Vernetzung
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass nahezu alle analysierten Risiken einen steigenden Trend aufweisen. Noch bedeutsamer ist jedoch die zunehmende Verflechtung dieser Risiken. Während Risiken früher isoliert betrachtet wurden, wirken sie heute häufig gleichzeitig und bereichsübergreifend.
- Cyberangriffe können nicht nur Produktionsprozesse beeinträchtigen, sondern auch Produktsicherheit und Unternehmensreputation gefährden.
- Geopolitische Spannungen beeinflussen gleichzeitig Lieferketten, regulatorische Rahmenbedingungen und Marktstrukturen.
- Klimarisiken wirken parallel auf Rohstoffverfügbarkeit, Energiepreise und Infrastruktur.
Dr. Ariane Voglhuber-Slavinsky vom Fraunhofer ISI betont, dass herkömmliches Risikomanagement ohne eine bereichsübergreifende Betrachtung an seine Grenzen stößt. Unternehmen seien gefordert, ihre Wertschöpfungsketten als vernetzte Systeme zu verstehen, um Kettenreaktionen frühzeitig zu erkennen und zu steuern.
Fokus auf sechs zentrale Risikobereiche
Die Studie identifiziert sechs Risikocluster mit besonderem Handlungsbedarf:
- Klimawandel und Ressourcenknappheit
- Produktsicherheits- und Inhaltsstoffrisiken
- Reputationsrisiken durch öffentliche Kommunikation
- Cyber- und IT-Sicherheitsrisiken
- Regulatorische Anforderungen
- Störungen in Beschaffung und Logistik
Für diese Bereiche werden konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, die vor allem im direkten Einflussbereich der Unternehmen liegen. Dazu zählen unter anderem eine durchgängige Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette, automatisierte Qualitätssicherungssysteme, robuste IT-Sicherheitsstrukturen, diversifizierte Beschaffungsstrategien sowie ein systematisches Monitoring von regulatorischen Entwicklungen und der öffentlichen Wahrnehmung.
Empfehlungen und Grenzen des Risikotransfers
Auf Basis der Analyse formuliert die Studie acht übergreifende Handlungsempfehlungen. Dazu gehören die Einführung eines integrierten Risikomanagements, die Erhöhung der Resilienz der Lieferketten durch Diversifikation und technologische Innovationen, die stärkere Verzahnung von Cyber- und Produktsicherheit sowie ein strategischer Umgang mit regulatorischen und klimabezogenen Herausforderungen.
Gleichzeitig wird festgestellt, dass traditionelle Instrumente des Risikotransfers, wie Versicherungen, bei neuartigen Risiken, etwa Reputationsschäden durch soziale Medien oder geopolitische Unsicherheiten, an ihre Grenzen stoßen, da hierfür häufig keine adäquaten Modelle existieren.
Dr. Voglhuber-Slavinsky fasst zusammen, dass vorausschauendes Risikomanagement nicht als bürokratische Pflicht, sondern als Wettbewerbsvorteil zu verstehen sei. Die effektivste Strategie bestehe in einem kontinuierlichen Dialog zwischen Unternehmen, Versicherern und weiteren Akteuren entlang der Lieferkette.
Kontaktinformationen
Medienkontakt:
Anne-Catherine Jung & Dr. Jacob Leidenberger
Leitung Presse und Kommunikation
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de
Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Ariane Voglhuber-Slavinsky
Abteilung Foresight, Geschäftsfeld Foresight für Unternehmen und Industrieverbände
Telefon: +49 721 6809-214
E-Mail: ariane.voglhuber-slavinsky@isi.fraunhofer.de
Über das Fraunhofer ISI
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht die Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Es erforscht kurz- und langfristige Entwicklungen von Innovationsprozessen sowie die gesellschaftlichen Folgen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Basis werden Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft mit fundierten Handlungsempfehlungen und Perspektiven unterstützt. Die Expertise des Instituts beruht auf einer interdisziplinären und systemischen Forschungsweise.
Weiterführende Informationen
Studie: Auf Messers Schneide – Risiken der Lebensmittelindustrie




















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Die Studie zeigt eindrücklich, wie verwundbar die Lebensmittelindustrie ist. Es ist an der Zeit, proaktive Strategien zu entwickeln, um diese Risiken zu steuern und unsere Versorgung zu sichern!
Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie verwundbar die Lebensmittelindustrie ist. Es ist höchste Zeit, innovative Strategien zu entwickeln und den Dialog zwischen allen Akteuren zu fördern!