Kürzungen bei BAföG und Elterngeld: Bevölkerung befürwortet gezielte Einschnitte statt pauschale Reduzierungen.

Kürzungen bei BAföG und Elterngeld: Bevölkerung befürwortet gezielte Einschnitte statt pauschale Reduzierungen.

Pauschale Kürzungen bei BAföG und Elterngeld finden kaum Zustimmung

Eine repräsentative Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigt, dass pauschale Kürzungen bei BAföG und Elterngeld in der deutschen Bevölkerung auf geringe Akzeptanz stoßen. Demgegenüber wird eine Reduzierung der Leistungen für ausgewählte Empfängergruppen überwiegend befürwortet.

Selektive Einsparungen bevorzugt

Nur 4 Prozent der Befragten unterstützen generelle Kürzungen beim Elterngeld, beim BAföG sind es lediglich 1 Prozent. Hingegen befürworten 80 Prozent der Bevölkerung Einschnitte beim Elterngeld, wenn diese gezielt bestimmte Gruppen betreffen. Für eine Reduzierung der BAföG-Leistungen bei ausgewählten Empfängern sprechen sich 60 Prozent aus.

Mark Trappmann, Leiter des Panels Arbeitsmarkt und soziale Sicherung am IAB, erläutert: „Besonders hohe Zustimmung erfahren Kürzungen bei Empfängern, denen eine geringe Bedürftigkeit oder mangelnde Leistungsbereitschaft zugeschrieben wird.“

Unterstützung für Kürzungen bei bestimmten Gruppen

  • 37 % halten BAföG-Kürzungen bei Studierenden mit schlechten Leistungen für gerechtfertigt.
  • 21 % befürworten Einsparungen bei Studierenden mit kurzer Aufenthaltsdauer in Deutschland.
  • 16 % sprechen sich für eine Reduzierung der Leistungen bei Studiengängen mit schlechten Berufsaussichten aus.
  • Beim Elterngeld unterstützen zwei Drittel der Befragten Kürzungen für Personen mit hohem Vermögen.
  • Etwas über die Hälfte befürwortet Einsparungen bei Eltern mit höheren Einkommen.

Generations- und Bildungsunterschiede bei der Zustimmung

Die Akzeptanz für Kürzungen steigt mit dem Alter deutlich an. Sandra Leumann vom WZB kommentiert: „Ältere Altersgruppen, die selbst nicht von den Leistungen profitieren, zeigen eine höhere Zustimmung zu Einsparungen.“

Darüber hinaus zeigen sich Unterschiede hinsichtlich des Bildungsniveaus: Hochschulabsolventinnen und -absolventen stimmen selektiven BAföG-Kürzungen seltener zu als Personen ohne beruflichen Abschluss. Beim Elterngeld ist die Zustimmung zu gezielten Einsparungen unter Befragten mit mittlerem Bildungsabschluss am höchsten.

Parteipolitische Perspektiven

Wählerinnen und Wähler von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Linkspartei lehnen Kürzungen generell am häufigsten ab. Über alle Parteien hinweg besteht jedoch eine vergleichsweise hohe Zustimmung zu Einsparungen bei vermögenden Empfängern.

Jonas Aljoscha Weik vom IAB fasst zusammen: „Die zentrale Fragestellung in der Debatte ist weniger, ob Leistungen gekürzt werden sollen, sondern vielmehr, welche Gruppen von solchen Kürzungen betroffen sein sollen.“

Methodik der Studie

Die Ergebnisse basieren auf der 19. Erhebungswelle des Panels „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ (PASS), die von Februar bis September 2025 durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen 11.485 Personen ab 15 Jahren teil.

Die vollständige Studie ist im IAB-Forum verfügbar: https://iab-forum.de/bafoeg-und-elterngeld-kuerzen-ja-aber-nicht-fuer-alle

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