Workshop am European Campus: Künstliche Intelligenz zwischen Autonomie und Kontrolle
Die rapide Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) verändert gesellschaftliche Strukturen grundlegend. Am European Campus der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) widmete sich ein Workshop des Instituts für Gesellschaftstransformation (I-ETOS) den Chancen und Herausforderungen dieser Technologie. Die zentrale Erkenntnis: In einem Jahrzehnt werden KI, Mensch und Gesellschaft eng miteinander verflochten sein.
Diskussionen zu gesellschaftlichen Auswirkungen der KI
Über zwei Tage hinweg setzten sich interdisziplinäre Teilnehmer mit der Frage auseinander, wie KI Politik, Kultur, Bildung und Technologie beeinflusst. Die Debatten zeigten vielfältige Zukunftsperspektiven auf. Diese reichten von kritischen Szenarien, die eine Fremdbestimmung in einer durch KI geprägten Klassengesellschaft befürchten, bis hin zu optimistischen Visionen, die eine Stärkung der Selbstbestimmung durch neue Regierungsformen erwarten. Während negative Folgen wie Massenarbeitslosigkeit und eine Kontrolle der Bildung durch Machtstrukturen thematisiert wurden, wurde auch die Möglichkeit einer gerechten und freien Gesellschaft diskutiert.
Prof. Dr. Michelle Cummings-Koether betonte, dass insbesondere jüngere Generationen der KI gegenüber aufgeschlossener seien als ältere. Gleichzeitig wurde erörtert, dass Kinder und Jugendliche erst spät mit KI in Berührung kommen sollten, um Risiken zu minimieren.
Methodik und Ergebnisse des Workshops
Der Workshop orientierte sich an der Delphi-Methode, wobei das I-ETOS-Team lediglich eine grobe Leitlinie vorgab und vor allem auf die kollektive Intelligenz der Teilnehmer setzte. Am Ende fasste Prof. Dr. Cummings-Koether zusammen, dass KI in zehn Jahren integraler Bestandteil des Alltags sein werde, oft unbewusst wahrgenommen. Prof. Dr. Matthias Hümmer ergänzte, dass Mensch und KI eine wechselseitige Abhängigkeit entwickeln werden. Beide Wissenschaftler unterstrichen die Bedeutung, den Integrationsprozess der KI aktiv zu gestalten und die Risiken einer Machtkonzentration zu beobachten.
Perspektiven für Gesellschaft und Wirtschaft
Einhellig erklärten die Experten, dass KI als Werkzeug verstanden werden müsse, dessen Einsatz im Sinne des Menschen und der Gesellschaft verantwortungsvoll gestaltet werden kann. Prof. Dr. Veronika Fetzer, Vizepräsidentin Third Mission der THD, appellierte an eine offene Haltung gegenüber der Technologie. Stephanie Schlagmann, Vorsitzende des örtlichen Wirtschaftsforums, hob hervor, dass KI auch für Unternehmen im ländlichen Raum des Rottals eine bedeutende Rolle spiele. Insbesondere mittelständische Betriebe könnten durch KI ihre Prozesse effizienter gestalten, wenngleich die Umsetzung eine anspruchsvolle Aufgabe darstelle.
Das Institut für Gesellschaftstransformation (I-ETOS) und weitere Schritte
Der Workshop mit dem Titel „Navigating AI Induced Transformational Uncertainty for Humans Across Society, Politics, Culture, and Technology“ wurde vom 2025 gegründeten I-ETOS veranstaltet. Das Institut am European Campus in Pfarrkirchen beschäftigt sich mit der Analyse menschlichen Verhaltens und gesellschaftlicher Veränderungen aus verschiedenen Blickwinkeln. Zum Team gehören neben Prof. Dr. Michelle Cummings-Koether und Prof. Dr. Matthias Hümmer auch Dr. Theophile Shyiramunda, Jessica Ohnesorg, Zahra Hoseini und Franziska Durner. Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger und gerechter Lösungsansätze.
Die Ergebnisse des Workshops werden in einem Positionspapier im frei zugänglichen „The Journal of Applied Interdisciplinary Research“ (JAIR) veröffentlicht. Die Fachzeitschrift ist online unter https://jas.bayern/index.php/jair verfügbar.




















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