Kinderwünsche und ihre Umsetzung: Einfluss von Zukunftsängsten und regionalen Rahmenbedingungen auf die Familienplanung
Obwohl die Geburtenrate in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist, bleibt der Wunsch vieler junger Menschen nach Kindern bestehen. Häufig wird dieser Wunsch jedoch nicht realisiert oder aufgeschoben. Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) dokumentiert erstmals seit längerer Zeit einen Rückgang des Kinderwunsches, der mit verstärkten Zukunftsängsten infolge globaler Krisen einhergeht. Gleichzeitig spielen regionale Lebensbedingungen wie die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum, Betreuungsangeboten und wirtschaftlichen Perspektiven eine bedeutende Rolle bei der Familienplanung.
Entwicklung der Geburtenrate in Deutschland und der EU
In der Europäischen Union sank die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von 1,53 im Jahr 2021 auf 1,34 im Jahr 2024 – der niedrigste Wert seit Bestehen der EU. Deutschland verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 1,58 auf 1,35 Kinder pro Frau und befindet sich damit im europäischen Mittelfeld. Dieser Trend hat langfristige Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur: Niedrige Geburtenraten führen zu kleineren nachfolgenden Generationen und verändern das Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Altersgruppen, was wiederum das Erwerbspersonenpotenzial und die Rentensysteme beeinflusst.
Kinderwunsch übersteigt weiterhin die tatsächliche Geburtenrate
Aktuelle Daten aus dem familiendemografischen Panel FReDA zeigen, dass der Kinderwunsch junger Erwachsener trotz des Rückgangs der Geburtenrate weiterhin höher liegt. Allerdings ist der durchschnittliche Wunsch nach Kindern bei Frauen erstmals seit Jahren auf etwa 1,7 und bei Männern auf circa 1,6 Kinder gesunken. Prof. Dr. Martin Bujard, Forschungsdirektor am BiB, erläutert: „Der Geburtenrückgang ist nicht auf fehlenden Kinderwunsch zurückzuführen, sondern häufig auf die Verschiebung der Familiengründung, die zu unerfüllten Kinderwünschen führt.“
Die als ideal angesehene Kinderzahl, unabhängig von äußeren oder persönlichen Hindernissen, bleibt mit durchschnittlich rund 2,2 Kindern bei Frauen und Männern im Alter von 18 bis 39 Jahren weitgehend konstant. Durch die sinkende Geburtenrate vergrößert sich die Differenz zwischen dem Ideal und der tatsächlichen Familiengröße, das sogenannte „Fertility Gap“. Bujard fasst zusammen: „Viele Menschen haben weniger Kinder, als sie sich eigentlich wünschen.“
Zusammenhang zwischen Zukunftsängsten und Familienplanung
Die Studie weist darauf hin, dass die vielfältigen Krisenerfahrungen der vergangenen Jahre Einfluss auf die Familienplanung haben. Die FReDA-Daten belegen, dass Zukunftsängste bei jungen Erwachsenen weit verbreitet sind, insbesondere die Sorge vor Kriegen, die von mehr als 40 % der Befragten als sehr belastend empfunden wird. Zudem haben Ängste bezüglich der Stabilität der Demokratie deutlich zugenommen. Klimawandel und wirtschaftliche Unsicherheiten sind ebenfalls bedeutende Themen, während die Befürchtung vor zukünftigen Pandemien an Relevanz verloren hat.
Dr. Miriam Trübner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BiB, betont: „Die Familienplanung wird nicht nur durch individuelle Lebensumstände bestimmt, sondern auch durch die Erwartungen an die gesellschaftliche Zukunft. Zukunftsängste können dazu führen, dass Familiengründungen verschoben oder der Kinderwunsch reduziert wird.“
Einfluss regionaler Lebensbedingungen auf die Familienplanung
Erstmals wurden im Rahmen des FReDA-Panels Einschätzungen zur regionalen Daseinsvorsorge erhoben. Die Zufriedenheit mit Erholungsmöglichkeiten, insbesondere in der Natur, sowie mit dem Angebot an Kindertagesstätten ist in Deutschland überwiegend positiv. Kritischer beurteilt werden hingegen das Wohnungsangebot sowie die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten.
Besonders beim Wohnungsangebot äußern viele Befragte Unzufriedenheit: Nur etwa ein Viertel bewertet die Situation vor Ort als gut. Ein Zusammenhang zur Familienplanung zeigt sich darin, dass kinderlose Personen, die mit dem Wohnungsmarkt und den wirtschaftlichen Bedingungen in ihrer Region zufrieden sind, häufiger angeben, innerhalb der nächsten drei Jahre ein Kind zu bekommen.
Trübner resümiert: „Eine funktionierende regionale Daseinsvorsorge kann jungen Menschen helfen, ihre Kinderwünsche zeitnah umzusetzen. Bezahlbarer Wohnraum, stabile wirtschaftliche Perspektiven und verlässliche Infrastruktur sind gerade in Zeiten globaler Unsicherheiten wichtige Faktoren gesellschaftlicher Resilienz.“
Notwendigkeit von Stabilität und Verlässlichkeit für Familienplanung
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass familienpolitische Maßnahmen allein nicht ausreichen, um die Diskrepanz zwischen Kinderwunsch und tatsächlicher Kinderzahl zu verringern. Prof. Dr. Bujard erklärt: „Entscheidend ist, ob junge Menschen optimistisch in ihre persönliche und gesellschaftliche Zukunft blicken. Politik, Medien und gesellschaftliche Institutionen beeinflussen diese Zukunftserwartungen maßgeblich.“
Es sei wichtig, neben der Thematisierung von Krisen auch die Stabilität und Leistungsfähigkeit von Wohlstand, Sozialstaat, Gesundheitsversorgung und öffentlicher Sicherheit sicherzustellen und sichtbar zu machen. Auch Arbeitgeber tragen eine zentrale Rolle: Familienfreundliche und verlässliche Arbeitsbedingungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass junge Erwachsene sich für Kinder entscheiden. Wenn Beruf und Familienleben vereinbar sind und Elternschaft nicht als Karrierehindernis wahrgenommen wird, steigen die Chancen, dass Kinderwünsche realisiert werden.
Datengrundlage
Die Analyse basiert auf Daten des familiendemografischen Panels FReDA, einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Wohnbevölkerung. Das Panel befragt halbjährlich rund 30.000 Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
- Prof. Dr. Martin Bujard – martin.bujard@bib.bund.de
- Dr. Miriam Trübner – miriam.truebner@bib.bund.de




















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Klingt nach einer interessanten Analyse, doch die ständigen Ausreden für den Rückgang der Geburtenrate überzeugen nicht. Mangelnde Verantwortung und Prioritäten sollten auch hinterfragt werden.
Der Rückgang der Geburtenrate in Deutschland zeigt, wie stark Zukunftsängste und regionale Lebensbedingungen die Familienplanung beeinflussen. Stabile Rahmenbedingungen sind entscheidend für die Verwirklichung von Kinderwünschen.