Demografischer Wandel setzt sich über 2030 hinaus fort
Eine aktuelle Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, durchgeführt im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung, analysiert die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2060. Im Fokus steht dabei die Generation der Babyboomer, deren Renteneintritt weitreichende Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Sozialstaat mit sich bringt.
Langfristige Bevölkerungsentwicklung und regionale Unterschiede
Die Studie „Nach den Babyboomern. Wie sich der demografische Wandel über 2030 hinaus entwickelt“ basiert auf aktuellen Prognosen des Statistischen Bundesamts sowie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Die Alterung der geburtenstarken Jahrgänge erfolgt demnach in zwei Phasen: Zunächst steigt die Zahl der „aktiven Älteren“ im Alter von 67 bis 79 Jahren deutlich an. Ab Mitte der 2030er Jahre erhöht sich dann die Anzahl der Hochaltrigen ab 80 Jahren in nahezu allen Regionen, was einen höheren Pflege- und Unterstützungsbedarf zur Folge hat.
Renteneintritt bis 2039 und regionale demografische Dynamiken
Bis zum Jahr 2039 werden mehr als 13 Millionen Menschen das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren erreichen. Dr. Frederick Sixtus vom Berlin-Institut betont, dass diese Entwicklung keineswegs einheitlich verläuft, sondern vielfältige demografische Prozesse mit unterschiedlichen regionalen Auswirkungen umfasst.
- Der Anteil der Ruheständler variierte 2024 zwischen 16 Prozent in Hamburg und 25,3 Prozent in Sachsen-Anhalt.
- Diese Unterschiede sind vor allem auf Wanderungsbewegungen zurückzuführen: Jüngere Menschen ziehen vermehrt aus strukturschwachen, vor allem ostdeutschen Regionen ab, während wirtschaftsstarke Gebiete und Stadtstaaten junge Zuzügler anziehen.
Unterschiede auf Kreisebene und Ost-West-Gefälle
Die Variation wird auf Kreisebene noch deutlicher sichtbar. So lag 2024 der Anteil der „aktiven Älteren“ über 66 Jahren zwischen 14 Prozent in Frankfurt am Main und 31,2 Prozent im thüringischen Suhl. Prognosen für 2045 zeigen, dass insbesondere die Landkreise Greiz und Altenburger Land in Thüringen sowie Spree-Neiße in Brandenburg die höchsten Altenanteile aufweisen werden, während Offenbach und Frankfurt am Main weiterhin zu den Regionen mit den geringsten Anteilen zählen.
Der ländliche Raum in Ostdeutschland hat die demografischen Veränderungen, die im Westen noch bevorstehen, teilweise bereits durchlaufen. Während in ländlichen westdeutschen Gebieten die Zahl der Hochaltrigen bis Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich stark ansteigen wird, trifft in Ostdeutschland ein moderater Zuwachs älterer Menschen auf eine insgesamt schrumpfende und jüngere Bevölkerung.
Empfehlungen für Politik und Verwaltung
Die Autoren der Studie raten dazu, die demografische Entwicklung frühzeitig in kommunale, bundes- und landespolitische Planungen einzubeziehen und die spezifischen regionalen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Folgende Maßnahmen werden vorgeschlagen:
- Potenziale der aktiven Älteren nutzen: Viele zukünftige Rentner verfügen über gute Ausbildung, Kompetenzen und Gesundheit. Kommunen sollten niedrigschwellige Angebote und Netzwerke schaffen, um Engagement und „Silver Work“ zu fördern.
- Investitionen in Pflege und Wohnraum: Ab Mitte der 2030er Jahre steigt der Pflegebedarf durch die wachsende Zahl der Hochaltrigen erheblich.
- Förderung des Ost-West-Erfahrungsaustauschs: Während ostdeutsche Regionen ihre Versorgungsstrukturen unter schwierigen Bedingungen sichern müssen, stehen westdeutsche Regionen vor wachsenden Herausforderungen. Ein gezielter Austausch kann beiden Seiten zugutekommen.
- Anpassung der bundesweiten Rahmenbedingungen: Bund und Länder sollten Reformen in Renten-, Pflege- und Sozialsystemen sowie Maßnahmen zur Arbeitskräftesicherung, Arbeitsmarktintegration und Erwerbszuwanderung vorantreiben.
Zentrale Erkenntnisse im Überblick
- Der Anteil der Ruheständler steigt bis 2045 in allen Bundesländern deutlich an, wobei regionale Unterschiede von 14 Prozent in Frankfurt am Main bis über 31 Prozent in Teilen Thüringens und Brandenburgs bestehen.
- Die Altersgruppen der „aktiven Älteren“ (67–79 Jahre) und der Hochaltrigen (80 Jahre und älter) entwickeln sich bis 2060 in entgegengesetzten Wellen: Nach einem Anstieg der aktiven Älteren nimmt deren Zahl wieder ab, während die Zahl der Hochaltrigen ab Mitte der 2030er Jahre deutlich zunimmt.
- Die demografische Alterung verläuft regional sehr unterschiedlich, sowohl zwischen Ost- und Westdeutschland als auch zwischen ländlichen und städtischen Gebieten.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Frederick Sixtus
sixtus@berlin-institut.org
Tel.: 030 31 10 26 98
Pressekontakt:
Dominik Wilsch
info@berlin-institut.org
Tel.: 030 22 32 48 45
Originalpublikation:
Nach den Babyboomern. Wie sich der demografische Wandel über 2030 hinaus entwickelt




















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