Studie der TU Darmstadt: Zusammenhang zwischen KI-Verständnis und Angst vor Arbeitsplatzverlust
Die Furcht vor einem Verlust des Arbeitsplatzes durch Künstliche Intelligenz (KI) hängt maßgeblich vom Wissen der Beschäftigten über KI sowie von der Digitalisierbarkeit ihrer Tätigkeiten ab. Dies zeigt der aktuelle KI-Monitor der TU Darmstadt, für den in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov mehr als 2.000 Personen repräsentativ befragt wurden.
Wissen über KI korreliert mit Arbeitsplatzängsten
Die Studie verdeutlicht, dass die Angst vor einem Jobverlust besonders stark mit der Affinität zu KI verknüpft ist. Je umfassender das Verständnis der Befragten über Funktionsweisen und Anwendungsmöglichkeiten von KI ist, desto größer ist ihre Sorge, durch KI beruflich unter Druck zu geraten oder ihre Stelle zu verlieren. Rund 43 Prozent der Personen mit sehr gutem KI-Know-how gehen davon aus, dass KI bald ihre Arbeit übernehmen könnte.
Peter Buxmann, Professor für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt und Projektleiter der Studie, kommentiert: „Dieses Ergebnis ist sowohl bemerkenswert als auch besorgniserregend. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass Ängste vor KI vor allem auf Informationsmangel beruhen, zeigt sich, dass gerade diejenigen, die KI am besten verstehen, deren disruptives Potenzial am deutlichsten erkennen.“
Digitalisierbarkeit der Arbeit als entscheidender Faktor
Die Untersuchung zeigt, dass die Branche an sich weniger ausschlaggebend für die Sorge vor Jobverlust ist. Stattdessen spielt die Frage eine Rolle, ob die Arbeitsergebnisse digitalisierbar sind. Personen, deren Tätigkeiten überwiegend aus der Erstellung digitaler Inhalte wie Texten, Analysen, Berichten, Präsentationen oder Programmcodes bestehen, äußern deutlich stärkere Ängste als Beschäftigte, deren Arbeit physische Präsenz erfordert.
Buxmann erläutert: „Diese Entwicklung betrifft viele Branchen und ist nachvollziehbar. Berufe wie Anwälte, Softwareentwickler oder Social-Media-Experten sind stärker von der durch generative KI ausgelösten Veränderung betroffen als etwa Handwerker oder Pflegekräfte.“
Zentrale Ergebnisse der Studie im Überblick
- KI ist im Alltag angekommen, jedoch nutzen sie vor allem jüngere, gut ausgebildete und überwiegend männliche Personen.
- In Deutschland besteht eine deutliche Lücke bei der KI-Weiterbildung: Lediglich 15 Prozent der Befragten haben bisher an entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen.
- Die größten Sorgen der Befragten beziehen sich auf reale Risiken wie Fehlinformationen („Halluzinationen“) und Datenschutzprobleme. Eine zukünftige Superintelligenz wird hingegen nur von etwa 40 Prozent als wahrscheinlich eingeschätzt.
- Jüngere Beschäftigte zeigen stärkere Ängste bezüglich ihres Arbeitsplatzes als ältere. Insgesamt hat die Besorgnis im Vergleich zum Vorjahr in allen Altersgruppen zugenommen.
Ausblick und gesellschaftliche Bedeutung
Peter Buxmann weist darauf hin, dass generative KI zwar neue Berufsfelder schaffen wird, diese jedoch voraussichtlich nicht im gleichen Umfang wie Stellen wegfallen. Die Diskussion um KI und Arbeit sei daher nicht nur ökonomisch relevant: „Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet nicht nur Einkommenseinbußen, sondern oft auch den Verlust sozialer Teilhabe und persönlicher Orientierung.“
Er fordert Unternehmen und Politik auf, den Ängsten mit konkreten Qualifizierungsangeboten und transparenten Antworten zu begegnen, anstatt sie zu beschwichtigen. Dies sei entscheidend, um die Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen zu bewältigen.
Quelle der Studie:
KI-Monitor 2026
https://www.is.tu-darmstadt.de/media/bwl5_is/institute/260817_KI-Monitor_final_2026.pdf




















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