Umfrage: Fast 50% der Deutschen befürworten strengere Altersverifikation auf Social Media – Meinungen variieren stark nach Altersgruppen.

Umfrage: Fast 50% der Deutschen befürworten strengere Altersverifikation auf Social Media – Meinungen variieren stark nach Altersgruppen.

KIDS Act: Altersverifikation bei Social Media aus Sicht der deutschen Bevölkerung

Die EU-Kommission plant mit dem KIDS Act die Einführung einer verlässlichen Altersprüfung für neue Social-Media-Accounts. Eine repräsentative Studie, durchgeführt von YouGov in Zusammenarbeit mit der Macromedia University of Applied Sciences, liefert erstmals Erkenntnisse darüber, welche Formen des Identitäts- und Altersnachweises in Deutschland als angemessen angesehen werden.

Ergebnisse der Befragung

Die Untersuchung, an der 2.120 Erwachsene teilnahmen, zeigt ein differenziertes Meinungsbild. Insgesamt befürworten 49,6 % der Befragten eine Altersverifikation, die über die herkömmliche ungeprüfte Registrierung hinausgeht. Dabei verteilen sich die Präferenzen wie folgt:

  • Altersnachweis ohne Klarnamen: 15,3 %
  • Verifizierte Identität mit Pseudonym: 16,2 %
  • Klarnamenpflicht: 14,0 %
  • Identifikation über Gerät oder Zahlungsmittel: 4,1 %

Die Altersgruppen zeigen deutliche Unterschiede: Bei den 18- bis 34-Jährigen bevorzugen 17,4 % einen Altersnachweis ohne Klarnamen, während nur 6,3 % eine Klarnamenpflicht befürworten. In der Altersgruppe 35 bis 54 Jahre liegen die Werte bei 15,7 % beziehungsweise 14,2 %. Ab 55 Jahren kehrt sich das Verhältnis um: 14,0 % sprechen sich für einen Altersnachweis ohne Klarnamen aus, 17,8 % für eine Klarnamenpflicht.

Datenschutz und Jugendschutz im Fokus

Prof. Dr. René Arnold, Studienleiter und Professor für Management an der Macromedia University of Applied Sciences, betont, dass etwa die Hälfte der Befragten zusätzliche Altersnachweise für angemessen hält. Eine klare Mehrheit existiert jedoch nicht. Entscheidend sei die datensparsame Umsetzung solcher Verfahren, da Identifizierung über den Jugendschutz hinausgeht.

Soziale Netzwerke als zentrale Informationsquelle

Soziale Medien dienen für 66,7 % der Befragten vor allem der Informationsbeschaffung und Unterhaltung; bei den 18- bis 34-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 72,6 %. Die Frage, wer im Netz sprechen kann und wie sichtbar die Identität ist, wird somit als bedeutend wahrgenommen.

Spannungsfeld Anonymität versus Verantwortlichkeit

  • 76,8 % sehen in Anonymität eine Ursache für aggressives Verhalten online.
  • 60,8 % befürworten die Bekämpfung von Hassrede durch Einschränkung der Anonymität.
  • 55,9 % sind der Ansicht, dass Personen, die politische Inhalte veröffentlichen, identifizierbar sein sollten.
  • 47,9 % halten Anonymität jedoch für wichtig, insbesondere für Menschen, die aufgrund persönlicher Merkmale negative Reaktionen befürchten.

Unterschiedliche Anforderungen je Online-Dienst

Die Studie untersuchte auch die Akzeptanz von Identifizierungsformen bei verschiedenen Online-Diensten:

  • Messenger-Dienste: 39,5 % befürworten weitergehende Nachweise
  • Öffentliche Kommentarbereiche: 42,0 %
  • Online-Marktplätze: 49,3 %
  • Pornografische Inhalte: 52,2 %
  • Online-Glücksspiel und Wetten: 61,6 %
  • Finanzdienstleistungen (z. B. Online-Banking): 75,3 %

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Akzeptanz für Identitätsnachweise je nach Kontext variiert und über die Diskussion um Altersgrenzen hinausgeht.

Methodik der Befragung

Die Erhebung wurde im Juni 2026 durchgeführt und umfasste 2.120 Erwachsene. Für die Auswertung wurden die Altersgruppen 18–34, 35–54 und 55+ gebildet. Die Prozentangaben basieren auf bevölkerungsrepräsentativen Gewichtungen. Gefragt wurde nach der als angemessen empfundenen Form der Identifizierung, nicht nach der Zustimmung zu spezifischen Altersgrenzen des KIDS Act.

Informationen zu den beteiligten Institutionen

Macromedia University of Applied Sciences:
Die private Hochschule mit Standorten in mehreren deutschen Städten bietet rund 5.500 Studierenden ein breites Spektrum an Bachelor- und Masterstudiengängen in Bereichen wie Management, Medien, digitale Technologien, Psychologie und Design. Die praxisorientierte Ausbildung bereitet auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vor.

YouGov:
YouGov ist ein global agierendes Unternehmen für Online-Marktforschung und Datenanalyse mit einem Panel von Millionen registrierter Teilnehmer in 64 Ländern. Das Unternehmen liefert zeitnahe und praxisnahe Erkenntnisse zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen in Wirtschaft und Politik.

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